Umweltschonender Rebschutz
Reduzierter Pflanzenschutzmitteleinsatz im Weinbau Bayerns

Die Belastung von Umwelt und Naturhaushalt durch Pestizide steht derzeit stark im Fokus. Eine deutliche Reduktion des Pflanzen­schutz­mitteleinsatzes wird daher angestrebt.
Die LWG bearbeitet dieses Thema zusammen mit den bayerischen Winzern seit vielen Jahren. Leitlinien dazu sind die "Gute fachliche Praxis" und der "Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz".
Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten zur Minderung eines Pflanzen­schutz­mitteleinsatzes zusammengefasst.

Um qualitätsvolle Nahrungsmittel zu erzeugen, sind je nach Kultur und Jahreswitterung Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig. Wenn vorbeugende Schritte wie kulturtechnische oder biologische Maßnahmen bei hohem Infektionsdruck oder starkem Schädlingsbefall nicht mehr ausreichen, können nur Pflanzenschutzmittel helfen eine verwertbare Qualität des Erntegutes zu erreichen bzw. eine Ernte grundsätzlich zu ermöglichen. Für den Einsatz dieser nach aufwendiger Prüfung zugelassenen Mittel gibt es strenge Vorgaben zu Mengen und Einsatzzeitpunkten. Landwirte wie Winzer haben sich überdies an der Guten fachlichen Praxis zu orientieren.

Umweltschonender Rebschutz
Gute fachliche Praxis (GfP)

Gute Fachliche Praxis Im Pflanzenschutz

Die gute fachliche Praxis dient insbesondere der Gesunderhaltung und Qualitätssicherung von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen durch die Einhaltung der allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes sowie dem Schutz vor Gefahren, die durch Pflanzenschutzmitteln für die Gesundheit von Mensch und Tier, den Naturhaushalt einschließlich des Grundwassers, entstehen könnten.  Mehr

Umweltschonender Rebschutz
Nationaler Aktionsplan Pflanzenschutz (NAP)

Ausschnitt aus einer reifen Traube mit von grauem Pilz "bestäubten" Beeren

Der von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Aktionsplan hat das Ziel Risiken, die für Mensch und Natur durch den Einsatz von Pflanzenschutzmittel entstehen, zu minimieren. Schwerpunktmaßnahmen zur Umsetzung des NAP in Bayern sind die Reduzierung des Risikos, das durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln entstehen kann, der Schutz der Biodiversität und der Gewässerschutz.
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Umweltschonender Rebschutz
PIWIs zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln

Eine Hand hält eine reife gelbe Traube auf die gleiche Ebene neben ein Rebblatt

Mehltaukrankheiten, die im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeschleppt wurden, machen eine regelmäßige Behandlung der Reben notwendig. Ohne Pflanzenschutz könnten in den überwiegenden Jahren keine (gesunden) Trauben geerntet werden. Daher wurde schon frühzeitig mit der Züchtung resistenter Sorten begonnen.  Mehr

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Technische Möglichkeiten zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln

Ein Pflanzenschutzgerät, das über die Zeilen links und rechts greift fährt durch den Weinberg

Der Bayerische Landtag hat im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ und dem nachfolgenden Versöhnungsgesetz beschlossen, die Halbierung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel bis 2028 anzustreben..   Mehr

Prognosemodelle und Entscheidungshilfen

Umweltschonender Rebschutz
Fränkisches.Rebschutz.Informations.System (F.R.I.S.)

Ein Mann steht an der Laubwand in der Rebzeile, blaue Trauben zwischen den Blättern sichtbar.

Seit 1996 gibt es das „Fränkische Rebsschutz-Informations-System (F.R.I.S)“. Es beinhaltet ein Netz von Wetterstationen, die Meldung von Bestands­beobachtungen der fränkischen Rebschutzwarte (ca. 60), die wöchentliche Beobachtung und Bonitur an Monitoring­standorten sowie Beobachtungen in der Praxis und in den Versuchen.
Diese umfassende Informations­sammlung dient dazu einen genauen und regional­bezogenen Überblick in den fränkischen Weinbergen zu erhalten und um der Winzerschaft eine Situations­analyse geben zu können. Diese erlaubt der Praxis im Sinne des integrierten Rebschutzes nur wirklich notwendige Behandlungs­maßnahmen durchzuführen.
Ein System in einer solch breiten Aufstellung (Datenerhebung, Datenauswertung und Archivierung, Bereitstellung, Aktualität) ist im deutschen Weinbau einzigartig.  Mehr

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Prognosemodelle im Weinbau _ online

Ausschnitt aus VitiMeteo mit bunter grafischer Aufbereitung

Für den Rebschutz stehen über die Plattform „VitiMeteo“ Prognose­modelle für die wichtigsten Rebkrankheiten zur Verfügung. Mit Hilfe von Witterungs­daten und aus Wetter­vorhersagen werden aktuell berechnete Infektionsrisiken für einzelne Krankheiten graphisch dargestellt.
Diese Rechenmodelle geben dem Winzer wichtige Anhaltspunkte, entbinden ihn aber nicht von Eigen­kontrollen im Weinberg. Das Gefährdungs­risiko in einzelnen Rebanlagen hängt nicht nur von der Witterung sondern auch von anderen Faktoren wie Rebsorte, Laubwand­gestaltung und Begrünungs­management etc. ab.
Bereits seit 1990 werden Prognosemodelle im fränkischen Weinbau verwendet. Aktuell werden für 21 Standorte im fränkischen Weinbaugebiet und an einem Wetterstations­standort am Bodensee die Prognosemodelle gerechnet.  Mehr

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Prognosemodelle im Weinbau _ offline

Geöffnete Traube, darin zwei durch ein Gespinst verbundene Beeren mit Löchern

LWG-intern wird für einige Standorte in Franken ein Prognose­modell zum Einbindigen und zum Bekreuzten Traubenwickler berechnet. Dieses Modell prognostiziert den Flugbeginn, die Eiablage und den Larvenschlupf beider Traubenwickler-Arten. Somit kann in Gebieten ohne Pheromon-Verwirrverfahren, der optimale Zeitpunkt für einen Präparate­einsatz ermittelt werden. Dadurch können sowohl Einsätze als auch Präparate­mengen eingespart werden. Auch für dieses Modell ist eine internetfähige Laufversion sinnvoll und wünschenswert, wofür allerdings entsprechende Mittel erforderlich sind. 

Mehr zum Thema Traubenwickler

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VitiMonitoring - Information schafft Vorsprung!

Ausschnitt aus der Internetplattform mit farbigen Rauten von grün über hellrosa bis rot

Seit 2018 ist das Portal „VitiMonitoring“ online. Hier werden die Daten aus den fränkischen Monitoring­flächen eingestellt. Wichtig: Die fränkischen Rebschutzwarte geben hier ebenfalls ihre Beobachtungen zu Krankheiten, Schädlingen und abiotischen Faktoren aus den von ihnen betreuten Weinbau­gemeinden ein. Die sofortige graphische Aufbereitung und Sichtbarkeit der eingegebenen Daten, motiviert die Rebschutzwarte zusätzlich. VitiMonitoring gibt der Winzerschaft einen sehr guten Überblick über das aktuelle Geschehen in den Weinbergen und erlaubt eine noch genauere betriebsbezogene Einschätzung der Krankheits- bzw. Schädlingsgefährdung.   Mehr

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Der Rebschutz-Leitfaden

Umschlag des Rebschutz-Leitfaden 2022 zum Thema Digitalisierung im Rebschutz

Grundlegende Entscheidungshilfe für die Winzerschaft ist der jährlich erscheinende Rebschutz-Leitfaden der LWG. Dabei handelt es sich um eine kleinformatige Broschüre im Umfang von 75 Seiten. Hier werden alle relevanten Rebschutz­themen kompakt abgehandelt. Dazu gehören rechtliche Vorgaben zum Schutz von Gewässern, Kleinstrukturen, Anwohnern und sonstigen sensiblen Bereichen. Soweit Schadschwellen zu Krankheiten und Schädlingen existieren, werden auch diese hier explizit aufgeführt. Der Leitfaden gibt wichtige Hinweise zur Nützlingsschonung und -förderung. Ausführlich werden vorbeugende Kultur­maßnahmen (Laubarbeit, Traubendesign, Begrünungs­management) erläutert.
Der Rebschutz-Leitfaden wird im Rahmen der Fränkischen Weinbautage den Winzern kostenlos zur Verfügung gestellt und kann auch auf der Homepage der LWG abgerufen werden.  Mehr

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Weinbaufax Franken / Ökofax Franken

Auszug aus dem Weinbaufax vom 23. Mai 2022 mit dem Bild eines Gescheins kurz vor der Blüte

Aktuelle Entscheidungshilfe für die fränkische Winzerschaft hinsichtlich Behandlungs­maßnahmen ist das "Weinbaufax Franken“, für ökologisch arbeitende Betriebe das "ÖkoWeinbaufax Franken". Es gibt in der Vegetationsperiode zweimal pro Woche einen Überblick über notwendige oder nicht notwendige bzw. vorbeugende Maßnahmen. Es wird per Mail über den Weinbauring Franken e. V. versendet. Zusätzlich ist das Weinbaufax online abrufbar.  Mehr

Praktikable Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz

Neben den bereits oben aufgeführten, seit Jahren beratenen, indirekten Maßnahmen zum Integrierten Pflanzenschutz gibt es zurzeit keine Präparate, die nicht als Pflanzenschutzmittel gelistet sind und gleichzeitig eine ausreichende Wirkung aufweisen.

Als Pflanzenschutzmittel gelistete Präparate mit nicht-chemischer Wirkungsweise

Verwirrverfahren zur Bekämpfung der Traubenwickler

Die Bedeutung des Verwirrverfahrens mit Sexual­pheromonen nimmt ständig zu, nicht zuletzt auch dank finanzieller Unterstützung des Freistaats Bayern. So stieg die Fläche, auf der dieses Verfahren angewandt wird, in den letzten Jahren deutlich an. Beim Verwirrverfahren werden Pheromon­dispenser im Weinberg verteilt aufgehängt. Die daraus ausströmenden weiblichen Sexualhormone bilden eine "Duftwolke" und verhindern dadurch, dass die männlichen Traubenwickler die begattungsfähigen Weibchen finden, so dass letztere keine befruchteten Eier mehr ablegen können. Das Verfahren ist für den Winzer unkompliziert, da die Pheromon­dispenser in einem einfachen Schema vor dem Flugbeginn der Traubenwickler im Frühjahr ausgehängt werden können. Nach Ablauf der Saison werden die Dispenser wieder entfernt, um einer Belastung der Flächen mit Mikroplastik entgegen zu wirken.

Regulierung der Traubenwickler mit Bacillus thuringiensis-Präparaten

Dieses Bakterienpräparat dient der Bekämpfung der aus den Eiern schlüpfenden Traubenwicklerlarven. Es wird von den Larven beim Fraß aufgenommen und bewirkt einen Fraßstopp bei den Larven. Diese Wirkung ist sehr spezifisch für bestimmte Kleinschmetterlinge. Für andere Insektengattungen sowie für Warmblüter und Vögel ist diese Bakterienart unbedenklich. Gegenüber zugelassenen Insektiziden hat das Mittel eine deutlich verkürzte Wirkungsdauer von nur 4-5 Tagen und ist bei Starkniederschlägen stark abwaschungsgefährdet.
Das Verfahren ist in Biobetrieben neben dem Verwirrverfahren das einzig zugelassene Verfahren zur Regulierung des Traubenwicklers.

Regulierung der Botrytis (Grau- und Sauerfäule)

Mit dem natürlichen Gegenspieler Aureobasidum pullolans soll der Traubenfall mit Botrytis reguliert werden. Die Mikroorganismen besiedeln die feinen Mikrorisse der Beerenhaut und blockieren so das Wachstum des Graufäulepilzes Botrytis cinerea an diesen Stellen. Das biotechnologische Pflanzenschutzmittel basiert auf der natürlichen Konkurrenz um Platz und Nährstoffe zwischen Pathogenen und Antagonisten auf der Beerenoberfläche. Die Wirkung dieses alternativen Verfahrens erwies sich in den von der LWG durchgeführten Versuchen jedoch als unzureichend.

Regulierung der Kirschessigfliege

Bei alternativen Behandlungsstoffen erzielte die Tonerde Kaolin sehr gute Wirkungsgrade. Dieses Mittel ist auch im ökologischen Weinbau einsetzbar. Ein Nachteil von Kaolin ist der weithin sichtbare weiße Spritzbelag auf den Trauben und Blättern. Die weiße Farbe und die feinen Partikel des Kaolins machen eine Besiedlung der Trauben für die KEF unattraktiv. Das Kaolin selbst hat keine Einflüsse auf die Trauben und den späteren Wein. Damit Passanten sich über diese alternative Methode informieren können, wird empfohlen bei Kaolineinsatz ein Hinweisschild an den behandelten Weinberg anzubringen.

Regulierung von Holzkrankheiten

Mit den Sporen des Pilzes Trichoderma Altroviride SC1 soll die Regulierung der Esca-Krankheit ermöglicht werden. Der Pilz wirkt als natürlicher Gegenspieler zum pilzlichen Erregerkomplex der Esca-Krankheit. Die Sporensuspensiion wird nach dem Rebschnitt im Frühjahr mit Hilfe einer Rückenspritze gezielt auf die Schnittstellen ausgebracht. Die Wirkungsweise ist protektiv, d.h. die Schnittwunde muss bereits versorgt werden, bevor Sporen des Esca-Erregerkomplexes diese kontaminiert haben.

Maßnahmen gegen Knospenschädlinge

Die Larven von Eulenfalter, Rhombenspanner, Springwurmwickler und die erwachsenen Dickmaulrüsslerkäfer fressen die Knospen, die die fruchttragenden Triebe des Jahrgangs werden sollten. Obgleich hier zum Teil Insektizide zugelassen sind, werden diese wegen des meist fehlenden flächigen Auftretens der Knospenschädlinge nicht empfohlen und nicht eingesetzt. Stattdessen ist das nächtliche Absammeln der Schädlinge von den Rebstöcken das Mittel der Wahl und wird von den Winzern auch entsprechend praktiziert. Geschädigte Stöcke werden am Tage entsprechend markiert, so dass das Absammeln der nachtaktiven Schädlinge mit der Taschenlampe erleichtert wird.

Förderung natürlicher Gegenspieler von Schadmilben

Soweit Schadmilben wie Spinnmilben, Kräuselmilben oder Pockenmilben in Rebanlagen ein Problem darstellen, besteht die Möglichkeit Raubmilben einzubringen und deren Verbreitung zu fördern. Raubmilben können über Schnittgut bzw. Ausbrechtriebe im Frühjahr aus Anlagen mit gutem Raubmilbenbesatz sehr einfach eingebracht oder auch im Landhandel käuflich erworben werden. Blütenreiche Begrünungen fördern die Raubmilben und andere Nützlinge, da sie mit ihrem Pollenangebot eine guten Nahrungsgrundlage beim Fehlen von Schadmilben darstellen.

Alternative Unkrautregulierung

Der Einsatz von Herbiziden ist in der Öffentlichkeit stark in die Kritik gekommen. Vor allem der Wirkstoff Glyphosat, welcher auch im Weinbau eine große Verbreitung hat, ist davon betroffen. Im Weinbau werden glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel zur Unkrautbekämpfung vorwiegend in Form von Streifenbehandlung direkt unter den Rebstöcken verwendet.
Während in Flachlagen eine mechanische Bearbeitung des Unterstockbereiches nach dem heutigen Stand der Technik sehr gut durchführbar ist, ist der Verzicht auf Herbizide in steileren und Steillagen mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand (mehrfache Befahrung) und gesteigertem Erosionsrisiko verbunden. Bei den mechanischen Möglichkeiten werden die Grenzen der Einsatzfähigkeit im Steillagenweinbau schnell erreicht. Keine Alternativen stellen Unterstockbodenbearbeitungsgeräte bei der Bewirtschaftung von Terrassen dar, da diese überwiegend nicht mit Maschinen befahren werden können.
Mechanische Verfahren im Unterstockbereich bergen die Gefahr von Stammverletzungen. Diese können Mauke (krebsartige Wucherungen) und Holzkrankheiten fördern, was zu einer deutlichen Verkürzung der Standzeit einer Anlage führen kann.

Pflanzenschutzmittel im Ökologischen Weinbau

Wirkstoff Kupfer:
Der Einsatz von Kupferpräparaten zur Bekämpfung von Falschem Mehltau im biologischen Weinbau wird seitens der Zulassungs- und Umweltbehörden kritisch gesehen. Kupfer ist ein Schwermetall, dass sich nicht abbaut und daher im Boden anreichert. Eine Empfehlung im konventionellen Weinbau erfolgte daher kaum noch und sollte dort aus fachlicher Sicht auch nicht propagiert werden. Vergleichbar wirksame Alternativen stehen im ökologischen Weinbau jedoch nicht zur Verfügung.

Wirkstoff Schwefel:
Schwefel wird gegen den Echten Mehltau verwendet. Bei häufigem Einsatz mit hohen Aufwandmengen ist Schwefel für Raubmilben und andere Nützlinge schädigend. Im konventionellen Weinbau wird Schwefel daher nur zu Beginn der Rebsaison eingesetzt. Auch hier stehen vergleichbar wirksame Alternativen im ökologischen Weinbau nicht zur Verfügung.

Wirkstoff Hydrogencarbonate:
Diese Wirkstoffe werden gegen Echten Mehltau verwendet. Bei Trockenheit und hohen Temperaturen können leicht Verbrennungen (Salze) an den Pflanzen auftreten. Bei Nützlingen ist eine schädigende Wirkung laut Zulassung gegeben.
Im konventionellen Weinbau wird das Produkt vor allem für Abschlussbehandlungen verwendet, wenn dies in Jahren mit sehr starkem Oidiumbefall im Sinne eines Wirkstoffwechsels erforderlich wird.

Forschungsaktivitäten zu praxistauglichen Alternativen

Alternative Präparate im Rahmen der amtlichen Mittelprüfung

Die LWG testet bereits seit 30 Jahren alternative Präparate wie Pflanzenstärkungsmittel, Biostimulanzien u.a. Dabei zeigte sich immer wieder, dass derartige Präparate bei geringem Befallsdruck noch zufriedenstellende Wirkungen erbringen können, dass aber bei mittlerem bis starkem Befallsdruck brauchbare Wirkungen nicht mehr gewährleistet sind. Selbst Produkte, die für den ökologischen Weinbau zugelassen sind (Kupfer- und Schwefelpräparate), haben bei stärkerem Befallsdruck Probleme, ausreichende Wirkungsgrade zu erzielen. Daher besteht bei ökologisch arbeitenden Betrieben auch die Notwendigkeit, keinen Befallsdruck aufkommen zu lassen. Dies muss durch eine Bündelung vorbeugender Maßnahmen und einen rechtzeitigen Behandlungsbeginn sichergestellt werden.

Sogenannte Biocontrols, Biologicals, Biofungizide, Biostimulanzien etc. sind in ihrer Wirkpotenz in der Regel nicht mit der eines „herkömmlichen“ Pflanzenschutzmittels vergleichbar. Leider stellen nur wenige Hersteller und Vertreiber diese Tatsachen in der Produktbeschreibung deutlich heraus. Formulierungen wie „biologisches Produkt“, „zur Befallsminderung und bei schwachem Befallsdruck“ werden stattdessen bevorzugt. Eine Wirkung gegen den Schaderreger kann vollständig ausbleiben. Dies sollte jedem Anwender bewusst sein. Auf der anderen Seite können solche Präparate bei schwachem Befallsdruck und in weniger anfälligen Rebstadien dazu beitragen, den Einsatz chemischer Pflanzen­schutz­mittel zu verringern oder für Rückstandsfreiheit zu sorgen.
(Eine Liste mit derartigen Mitteln und ihrer Wirksamkeit finden Sie im Rebschutz-Leitfaden)

Alternatives Beikrautmanagement im Obst- und Weinbau

Im Jahr 2019 startete das Forschungsvorhaben „Alternatives Beikrautmanagement im Obst- und Weinbau mit ökologisch unbedenklichen Substanzen und einem alternativen Mulchverfahren auf Basis Nachwachsender Rohstoffe – ABOW“. Innerhalb dieses Kooperationsprojektes zwischen TFZ und LWG werden natürliche Substanzen mit herbizider Wirkung auf ihre Eignung als Alternative zum Einsatz von Glyphosat getestet. Des Weiteren soll ein aufspritzbares Mulchmaterial auf der Basis nachwachsender Rohstoffe getestet werden. Völlig neuartig innerhalb des Projektes ist die Verwendung eines abdeckenden Sprühmaterials zur Beikrautkontrolle.

Mobile Version von VitiMonitoring

Um die Entscheidungshilfe VitiMonitoring weiter zu verbessern und noch attraktiver zu gestalten wird eine Mobilversion entwickelt. Diese ermöglicht den Rebschutzwarten ihre Beobachtungen, Fänge aus Überwachungsfallen bzw. Boniturergebnisse vor Ort einzugeben und damit der gesamten Winzerschaft augenblicklich zur Verfügung zu stellen. Dies erlaubt den Winzern eine noch besser angepasste Pflanzenschutzstrategie für ihre Weinlagen zu erarbeiten.

Umwelt- und ressorcenschonender Beratungsstandard

Rebschutzstrategien seit 1992
Zeitgemäß und umweltschonend war der damalige Text überschrieben und macht auch inhaltlich deutlich, dass der integrierte Pflanzenschutz bei der LWG und den fränkischen Winzern seit Jahrzehnten den Stellenwert einnimmt, den die öffentliche Meinung jetzt einfordert.
Die Broschüre, auf die am Ende des Textes Bezug genommen wird, ist der Rebschutz-Leitfaden.

Rebschutz-Leitfaden 1992 pdf 7,5 MB

Bodenpflegemanagement

  • standortangepasste, reichhaltige Begrünung
  • zur Verhinderung von Nährstoffausträgen (v.a. über Winter)
  • zur Verhinderung von Wachstumsschüben, die die Krankheitsanfälligkeit fördern
  • zur Förderung einer reichhaltigen Fauna im Weinberg mit positiven Wirkungen auf die Nützlingsfauna

Laubwandmanagement

  • für eine luftige, lichtdurchflutete und schnell abtrocknende Traubenzone
  • zur Abhärtung der Trauben gegen pilzliche Schaderreger und abiotische Schädigungen (Sonnenbrand)
  • zur Verschlechterung der Bedingungen für pilzliche und tierische Schaderreger durch geringere Luftfeuchtigkeit (Peronospora, Oidium) und höhere Temperaturen (Traubenwickler, Kirschessigfliege)

Nützlings- und umweltschonende Spritzfolgen

  • Präparateliste mit umweltschonenden Präparaten
  • Hinweise zur Anwendungshäufigkeit und Resistenzvermeidung
  • Gestaltung des Weinbergs und der Randbereiche zur Nützlingsförderung

Praktischer Pflanzenschutz

  • Gerätekalibrierung und sachgerechte Einstellung
  • Abstandsauflagen (Gewässser, terrestrische Saumstrukturen, Bebauung)
  • Witterungsbedingungen bei der Behandlung
  • Gerätereinigung
  • Dokumentation