Versuchsergebnisse aus der Praxis
Frühjahrsblüher in torfreduzierten und torffreien Substraten

Zwei Pflanztöpfe mit blühenden Blütenpflanzen stehen nebeneinander zum Vergleichen.

Der momentane Trend zu biologisch und ökologisch produzierten Pflanzen wird im Bereich der Nutzpflanzen wie Topfkräuter und Gemüsejungpflanzen in den nächsten Jahren wohl zum Standard werden. Bedingt durch den aktuellen Bio-Boom gibt es jedoch auch zunehmend Zierpflanzenbetriebe, die ihre Produktion nachhaltig oder ökologisch ausrichten. Dies erfordert unter anderem die Verwendung eines zertifizierten Biosubstrates mit reduziertem Torfanteil. Mittlerweile haben die meisten führenden Substrathersteller torfreduzierte oder sogar torffreie Substrate in ihre Produktpalette aufgenommen.

Die positiven Eigenschaften des Torfes waren in der Vergangenheit nicht ohne weiteres mit Torfersatzstoffen zu erreichen. Daher besteht von Seiten der Gärtner nach wie vor Unsicherheit darüber, was bei der Produktion in torfreduzierten Substraten zu beachten ist und ob darin vergleichbare Pflanzenqualitäten erzielt werden können wie in konventionellen Torfsubstraten.

Mit diesem Hintergrund hat sich die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) im Rahmen eines Forschungsprojektes zur nachhaltigen Produktion von Zierpflanzen zum Ziel gesetzt, die Eignung torfreduzierter und torffreier Substrate für die Kultur von Zierpflanzen zu prüfen. In einem ersten Versuch wurden Frühjahrsblüher mit unterschiedlichen Nährstoffansprüchen in sieben torfreduzierten und einem torffreien Substrat kultiviert.

Versuchsdaten

Für den Versuch wurden zwei Arten mit unterschiedlichen Nährstoffansprüchen verwendet. Stellvertretend für salzempfindliche Frühjahrsblüher mit geringen Nährstoffansprüchen wurde Primula malacoides 'Prima White' gewählt. Die Frühjahrsblüher mit hohen Nähstoffansprüchen werden durch Pericallis 'Senetti Magenta' vertreten. Bei der Anzucht von Pericallis ist zudem auf eine ausreichende Versorgung und Verfügbarkeit von Spurennährstoffen zu achten, da anderenfalls rasch Mangelsymptome sichtbar werden.

Die Auswahl der Substrate erfolgte in Zusammenarbeit mit Vertretern der Substratfirmen. Es kamen Produkte zum Einsatz, die sich nach Ansicht der Firmenvertreter gut für die temperierte Produktion von Frühjahrsblühern eignen.

Als Vergleich dienten zwei handelsübliche Torfsubstrate. Bei Primula malacoides 'Prima White' die schwach aufgedüngten Substrate P-Erde (Patzer) und C 420 (Stender) und für Pericallis 'Senetti Magenta', ED 73 pH Eisen (Patzer) und C 420, das mit einer Grunddüngung von 4 kg Osmocote/m3 (5-6 Monate) versehen wurde.

Verwendete Substrate

Tabelle 1: Verwendete Substrate

SubstratFirmaKomponentenKultur
P-ErdeErdenwerk PatzerWeißtorf, NaturtonPrimula malacoides 'Prima White'
ED 73 pH EisenErdenwerk PatzerWeißtorf, Sodentorf, NaturtonPericallis 'Senetti Magenta'
C 420Stender AGHochmoortorf, TonPrimula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'
EE Bio-TopfsubstratErdenwerk PatzerWeißtorf, Sodentorf, Naturton, SubstratkompostPrimula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'
Eurohum Tonsubstrat CRHErdenwerk PatzerWeißtorf, Holzfaser, Ton, RindenhumusPrimula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'
Floragard Biokräuter- und TopferdeFloragard Vertriebs GmbHWeißtorf, Schwarztorf, Perlit, Kokosmehl, GrünschnittkompostPrimula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'
ECO Pot HRBrill-SubstrateWeißtorf, Schwarztorf, Ton, Substratkompost, HolzfaserPericallis 'Senetti Magenta'
Topfsubstrat ohne TorfKleeschulte ErdenRindenhumus, Kleeschulte BioSubstratfaser®, Cocopeat, KokosfaserPrimula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'
TonsubstratKleeschulte ErdenWeißtorf, Mischtorf, Rindenhumus, Ton, Kleeschulte Substratfaser®Primula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'
KKS-BiotopfsubstratKlasmann-Deilmann GmbHWeißtorf, Schwarztorf, GrüngutkompostPrimula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'
Topferde Typ BioÖkohum GmbHökohum® - Pflanzhumus, Weißtorf, Holzfaser, Cocopeat, NaturbimsPrimula malacoides 'Prima White'; Pericallis 'Senetti Magenta'

Kulturdaten

Tabelle 2: Kulturdaten der Primula malacoides 'Prima White' (Nordic)

TopfenWoche 43/2010
Kulturtopf11-cm-Kunststofftopf
TemperaturführungHeiztemperatur: 10 °C; Lüftungstemperatur: 12 °C
Bewässerung *• Woche 43 bis 45/2010: über Kopf
• ab Woche 46/2010: Anstaubewässerung 1-mal wöchentlich
Düngung• Woche 45/2010: Kopfdüngung 0,05 % Ferty 3 (15-10-15) (Planta Düngemittel GmbH, Regenstauf) in P-Erde und C 420
• Woche 46 bis 47/2010: Intervalldüngung 1-mal wöchentlich über Anstaubewässerung 0,05 % Ferty 3 (15-10-15)
• ab Woche 48/2010: 0,05 % Ferty 2 (15-5-25) (Planta Düngemittel GmbH, Regenstauf)
Pflanzenabstandab Woche 48/2010: 25 Pflanzen/m2
Hemmstoffbehandlungkeine
VerkaufsreifeWoche 3/2011

Tabelle 3: Kulturdaten der Pericallis 'Senetti Magenta' (Kientzler)

TopfenWoche 45/2010
Kulturtopf12-cm-Kunststofftopf
TemperaturführungHeiztemperatur: 10 °C; Lüftungstemperatur: 12 °C
Bewässerung *• Woche 45 bis 47/2010: über Kopf
• ab Woche 48/2010: Anstaubewässerung 1-mal wöchentlich
DüngungIntervalldüngung 1-mal wöchentlich über Anstaubewässerung
• ab Woche 48/2010: 0,05 % Ferty 2 (15-5-25)
• ab Woche 2/2011: 0,08 % Ferty 2 (15-5-25)
• ab Woche 5/2011: 0,1 % Ferty 2 (15-5-25)
Pflanzenabstandab Woche 49/2010: 12,5 Pflanzen/m2
StutzenWoche 48/2010
Hemmstoffbehandlungkeine
VerkaufsreifeWoche 8/2011

* Machten Witterung und Pflanzenwachstum neben der einmal wöchentlichen Anstaubewässerung, weitere Wassergaben notwendig, so wurden die verschiedenen Substrate individuell per Hand ausgegossen. Um Informationen über das Wasserspeicher und Wasserabgabeverhalten der Substrate zu erlangen, wurde die Häufigkeit der zusätzlichen Wassergaben für jede Versuchsvariante notiert

Ergebnisse 2011

Primula malacoides 'Prima White'

In allen untersuchten Substraten konnten marktfähige Primeln produziert werden. Die Wachstumsunterschiede zwischen den Pflanzen in den unterschiedlichen Substratvarianten waren gering. Während die Vergleichssubstrate auf Torfbasis, abgestimmt auf die geringe Salztoleranz der Kultur nur schwach aufgedüngt waren, lag die Nährstoffbevorratung fast aller torfreduzierter, organisch aufgedüngter Substrate deutlich höher. Obwohl die organischen Dünger im Verlauf der Kultur mineralisiert wurden und die Salzkonzentration pro Liter in zwei Substraten auf über 2 g anstieg (Tonsubstrat (Kleeschulte), Topferde Typ Bio (Ökohum)) traten keine Pflanzenschäden auf.

Mit einer Ausnahme (EE Bio Topferde (Patzer)) wurde die sichtbare Durchwurzelung der Topfballen in allen Substraten als gut bewertet. Besonders dicht schienen die Wurzeln in der Floragard Biokräutererde (Floragard) und dem Topfsubstrat ohne Torf (Kleeschulte) zu sein.

Wurzeln der neun getesteten Substrate als Säulendiagramm dargestellt.

Grafik 1: Durchschnittliches Wurzelbild Primula malacoides 'Prima White' in Abhängigkeit vom Kultursubstrat
(Boniturskala von 1 bis 9: 1 = keine Wurzeln auf Ballenoberfläche sichtbar; 9 = nahezu 100 % der Ballenoberfläche mit Wurzeln bedeckt)

Die Verkaufsreife (50 Prozent der Pflanzen pro Parzelle blühend) erreichten die Primeln nach durchschnittlich 80 Tagen ab dem Topftermin. Trotz trüber Witterung in den Monaten November 2010 bis Januar 2011 und zugleich kühler Kulturführung neigte keines der torfreduzierten beziehungsweise torffreien Substrate zum Vernässen.

Pericallis 'Senetii Magenta'

In der zweiten Kultur waren die Unterschiede im Pflanzenwachstum und Pflanzenaufbau zwischen den verschiedenen Substraten sehr deutlich. Da auf Wuchsregulierung jeglicher Art verzichtet wurde, entwickelten sich die Pericallis in sieben der zehn Substrate sehr üppig. Kompakt blieben die Pflanzen im Topfsubstrat ohne Torf (Kleeschulte), der Topferde Typ Bio (Ökohum) und dem ECO Pot HR (Brill). Allen dreien war eine geringe Grundbevorratung mit Stickstoff und Phosphor gemeinsam. In der Topferde Typ Bio und dem ECO Pot HR wurden zu Kulturbeginn hohe Kaliumgehalte gemessen.

Pflanzenhöhe der zehn getesteten Substrate als Säulendiagramm dargestellt.

Grafik 2: Durchschnittliche Pflanzenhöhe in Zentimeter bei Pericallis 'Senetti Magenta' in Abhängigkeit vom Substrat

Zum Kulturende waren an den Pflanzen in sieben der zehn Substrate mehr oder weniger ausgeprägte Blattchlorosen zu sehen, die vermutlich auf unzureichende Eisenverfügbarkeit zurückgeführt werden können. Es fiel auf, dass neben dem Vergleichssubstrat ED 73 pH Eisen (Patzer) und dem EE Bio-Topfsubstrat (Patzer) auch die Pflanzen in der Topferde Typ Bio (Ökohum) keinerlei Mangel-Symptome aufwiesen. In diesem Substrat erhielten die Pericallis aufgrund ihres kompakten Wuchses und der satt-grünen Blattfarbe die mit Abstand beste Gesamtbewertung.

Blattfarbe der zehn getesteten Substrate als Säulendiagramm dargestellt.

Grafik 3: Durchschnittliche Blattfarbe von Pericallis 'Senetti Magenta' in Abhängigkeit vom Kultursubstrat
(Boniturskala von 1 bis 9: 1 = Blätter gelb, stark chlorotisch; 9 = Blätter satt-grün)

Hinsichtlich der Wurzelbildung fielen keine nennenswerten Unterschiede zwischen den getesteten Substraten auf. Gleiches gilt für die Kulturdauer. Die Pericallis blühten unabhängig vom verwendeten Kultursubstrat circa dreieinhalb Monate nach Kulturbeginn.

Fazit

Untersuchungen an der LWG Veitshöchheim haben im Winter 2010/2011 gezeigt, dass es möglich ist, in den getesteten torfreduzierten beziehungsweise torffreien Substraten vergleichbare Pflanzenqualitäten zu kultivieren wie in herkömmlichen Torf-Substraten. Sowohl die eher salzempfindlichen Primula malacoides 'Prima White' als auch die stark zehrenden Pericallis 'Senetti Magenta' wiesen am Ende der Kultur weder Blattverbrennungen infolge zu hoher Salzbelastung noch Laubaufhellungen oder Wuchsdepressionen bedingt durch eine mögliche Stickstofffestlegung auf. Die Grundbevorratung sowie die während der Kultur frei werdenden Nährstoffe sollten jedoch substratabhängig bei der Nachdüngung berücksichtigt werden. Anhand dieses Versuches sind alle getesteten Substrate prinzipiell als geeignet für die Produktion Primula malacoides und Pericallis-hybrida zu beurteilen.

In keinem der getesteten torfreduzierten oder torffreien Substraten traten Blattverbrennungen an den Pflanzen infolge zu hoher Salzbelastung auf. Auch Laubaufhellungen oder Wuchsdepressionen, die auf Stickstofffestlegung oder den Mangel eines anderen Hauptnährstoffes zurückzuführen sind, blieben aus. Anhand dieses Versuches sind alle getesteten Substrate als geeignet für die Produktion von Frühjahrsblühern zu beurteilen.

Die Grundbevorratung sowie die während der Kultur frei werdenden Nährstoffe sollten substratabhängig bei der Nachdüngung berücksichtigt werden. Bei der Verwendung von Substraten mit organischer Aufdüngung und Kompostanteilen ist auf den Befall von Trauermücken zu achten. Wie sich die Nährstoffdynamik der Substrate, bedingt durch die organischen Substratbestandteile und die organischen Dünger, unter anderen Kulturbedingungen verhält, muss in weiteren Versuchen geprüft werden.