Nachbericht zur Veranstaltung am 02.02.2026
Straubinger Vortragsreihe - Ökogemüse und Marktgärtnerei

Im Laden mit Kohl, Lauch, Pastinaken, Karotten, Zwiebeln in einer Kiste und Preistafeln

Am 02.02.2026 lud die Öko-Akademie der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Bamberg zu einer Hybridveranstaltung im Rahmen der Straubinger Vortragsreihe ein. Der vierte und abschließende Termin stellte besonders die ökologische und kleinstrukturierte Anbauweise in den Fokus. Die Teilnehmer erhielten spannende Einblicke zum Thema Marktgärtnerei, Vermarktung und Betriebswirtschaft. Die Begrüßung fand durch Andreas Schmitt, Leiter des Arbeitsbereiches Umweltgerechte Erzeugung an der Öko-Akademie Bamberg statt.

Marktgärtnerei - das Comeback der Kleinstruktur

Das Seminar eröffnete Johannes Pelleter mit einem Vortrag über den effizienten Gemüseanbau auf engsten Raum – die Marktgärtnerei. Zu Beginn seines Vortrages betonte Pelleter die Wichtigkeit der kleinstrukturierten Landwirtschaft bei der Versorgung der Bevölkerung. Die Betriebe bewirtschaften nur 12 % der gesamten Agrarfläche weltweit, produzieren darauf aber mehr als 70 % der konsumierten Lebensmittel. Diese Form der Landwirtschaft, im Gemüseanbau Marktgärtnerei genannt, erlebt derzeit ein Comeback. Weiter ging der Referent im Folgenden auf drei wichtige Punkte beim Anbau auf kleinstrukturierten Flächen ein: Durch die biointensive Bewirtschaftung kann bodenschonend, humusaufbauend und nützlingsfördernd kultiviert werden, und zwar auf standardisierten Beetflächen mit einer Satzstaffelung und Mehrfachbelegung. Diese intensive Kulturführung setzt eine gute Anbauplanung voraus. Durch die überwiegende Handarbeit, muss allerdings mit bis zu 8000 Akh pro Hektar und Jahr gerechnet werden. Im Punkt saisonale Vielfalt betonte Pelleter wie wichtig die außergewöhnliche Fülle der Gemüsekulturen seien, wobei v.a. Wintergemüsearten nicht zu vernachlässigen sind. Beim Thema Direktvermarktung betonte der Referent die Wichtigkeit der Preisgestaltung, die hier ohne den Zwischenhandel und durch den direkten Kontakt mit dem Kunden möglich ist. Am Ende seines Vortrages stellt der Referent kurz das IEP Projekt „Die Operationelle Gruppe Marktgärtnerei“ vor. Hier setzen sich erstmals Akteure wissenschaftlich mit dem biointensiven Gemüseanbau in Handarbeit auseinander.

Vielfalt des Gemüseanbaus für die Direktvermarktung

Im Anschluss gewährte Helmut Ettl Einblicke in seine Gärtnerei. Diese bewirtschaftet er seit 44 Jahren erfolgreich mit Direktvermarktung im bayrischen Wald. Sein Betrieb liegt auf 570 Höhenmeter mit einer durchschnittlichen Regenmenge von 750-850 mm pro Jahr. Das Bayerwaldgemüse Ettl wird über drei Absatzwege vermarktet: eigener Hofladen, Direktlieferung an regionale Gastronomie und über den Bauernmarkt in Rattenberg. Ettl stellte seine Vision eines zukunftsfähigen Bauernmarktes vor. Hierbei sind ein attraktives Sortiment, feste Bauernmarkttage und v.a. eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde oder der Stadt wichtig. Danach gab der Gärtnermeister einen Einblick in die Vielfalt seiner Kulturen. Um am Markt attraktiv zu bleiben, werden verschiedene Sorten von Tomaten angebaut, eher außergewöhnliche Kulturen wie Ingwer und Peperoni im Freiland sowie Minigemüse oder Rosenkohl an der Stange. Eine ansprechende Präsentation der Verkaufsware sei sowohl am Markt wie auch im eigenen Hofladen besonders wichtig. Die Gärtnerei Ettl erweitert ihr Sortiment von Juni bis Oktober mit Schnittblumen aus eigenem Anbau.

Arbeitswirtschaft und Deckungsbeitrag als Schlüssel zur nachhaltigen Betriebsentwicklung

Unter dem Motto „Bauch oder Zahl“ wurden im dritten Teil der Veranstaltung die Grundlagen der Deckungsbeitragsberechnung als Basis für die Anbauplanung, sowie die verschiedenen Aspekte der Arbeitswirtschaft behandelt. Den Anfang gestaltete Christine Lenhardt mit einer kurzen Darstellung der Berechnung des Deckungsbeitrages. Lenhardt ist Mitarbeiterin an der Öko-Akademie Bamberg und für die Erarbeitung von Daten zum ökologischen Gartenbau insbesondere in den Bereichen Markt und Betriebswirtschaft zuständig. In ihrem Vortrag erläuterte diese die Vorteile der Deckungsbeitragsberechnung. Zum einen können hiermit Kulturen untereinander verglichen werden, zum anderen zeigt der Deckungsbeitrag einen möglichen Handlungsbedarf in der Kulturplanung und Preisgestaltung auf. Der Deckungsbeitrag errechnet sich durch den Abzug der Direktkosten vom Erlös einer Kultur. Vor allem wies die Referentin bei den Direktkosten auf die stetig steigenden Personalkosten hin. Deshalb sei es sehr wichtig auf den effektiven Einsatz seiner Arbeitskräfte zu achten. Mit diesem Punkt verwies Frau Lenhardt auf den nachfolgenden Vortrag über die verschiedenen Aspekte der Arbeitswirtschaft als Schlüssel zur nachhaltigen Betriebsentwicklung.

„Betriebsleiter verlassen sich oftmals auf ihr Bauchgefühl – so auch bei der Arbeits- und Betriebswirtschaft.“ Peter Eichel und Rainer Petzi von der Abteilung Gartenbau am AELF Abensberg-Landshut setzten sich nachfolgend mit dieser These auseinander und beleuchteten verschiedene arbeitswirtschaftliche Optimierungsmöglichkeiten – vom theoretischen Ansatz bis hin zu konkreten Beispielen. Die Grundlage für arbeitswirtschaftliche Prozessoptimierungen sollten demnach stets konkrete, betriebsindividuelle Daten sein. Auf dieser Grundlage können faktenbasierte Entscheidungen zur Optimierung der Arbeitsleistung, zur Qualitätssteigerung oder zur Kosteneinsparung getroffen werden. Bei allen Optimierungsvorhaben darf jedoch die Mitarbeiterzufriedenheit nicht vernachlässigt werden. Für Betriebsleitungen bedeutet dies, die Mitarbeitergesundheit zu fördern sowie einen gewissen „Spaßfaktor“ ins Arbeitsgeschehen zu integrieren. Rainer Petzi zeigte anhand praktischer Beispiele, wie die Theorie in die Praxis überführt und dabei ein Mehrwert für Betrieb und Mitarbeiter geschaffen werden kann. Er zeigte auf, dass in manchen Fällen „die Justierung kleiner Stellschrauben“ – wie beispielsweise die Änderung der Arbeitsplatzorganisation oder -gestaltung – bereits nach kurzer Zeit merkliche Verbesserungen nach sich ziehen kann.

Das Seminar bot den Teilnehmenden nicht nur wertvolle Einblicke in die Welt der Marktgärtnerei sowie der Direktvermarktung im Gemüsebau, sondern zeigte auch arbeitswirtschaftliche Aspekte als Schlüssel einer nachhaltigen Betriebsentwicklung auf.