Nachbericht Öko-Akademie
Bio-Schnittblumen Seminar

Ein Blütenmeer von Schnittblumen-Blüten in einem Teich

Am 29.10.2025 lud die Öko-Akademie der LWG Bamberg gemeinsam mit der Fördergemeinschaft ökologischer Zier- und Gartenpflanzen (föga) e.V. und ÖKOmene zum Bio-Schnittblumen Seminar (online) ein. Rund 80 Teilnehmende erhielten vielfältige Einblicke in Praxis, Vermarktung, Biodiversität, Bio-Saatgut sowie aktuelle Förder- und Vernetzungsmöglichkeiten im Bereich ökologischer Schnittblumen. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Überblick über die Dynamik und die Herausforderungen einer Branche, die sich zunehmend nachhaltiger aufstellt.

Bio-Blumen aus dem Königsland

Zu Beginn berichtete Nicole Schenkel-Zureikat über die Entwicklung ihres Betriebs Rox & Rose in Kaiserslautern, der seit 2013 bio-zertifiziert ist und von Anfang an auf torffreie und plastikreduzierte Produktion setzte. Aus kleinen Anfängen hat sich der Betrieb zu einer rund 1,4 Hektar großen Freiland- und Tunnelfläche entwickelt und bietet heute ein breites Sortiment an Schnittblumen, Stauden und Beet- und Balkonware. Die Vermarktung erfolgt hauptsächlich über den Wochenmarkt, der eine enge Bindung zu Kunden ermöglicht. Trotz Herausforderungen wie Wildschäden, Wind und begrenztem Wasserzugang zeigt der Betrieb, wie ökologischer Schnittblumenanbau erfolgreich umgesetzt werden kann.

Überraschend Anders

Sonia Grimm und Markus Schmälzle von Floralita schilderten den Wandel ihres Unternehmens von einem Rosenschnittblumenbetrieb hin zu einem vielfältigen, ökologisch wirtschaftenden Bio-Betrieb. Der Transformationsprozess verlief schrittweise über den Einsatz von Nützlingen, die Etablierung von Stauden, die Umstellung auf organische Dünger und die weitgehende Aufgabe der Gewächshausbeheizung. Heute spielt auch die Trockenblumenproduktion eine wichtige Rolle, wobei der richtige Erntezeitpunkt und eine trockene, energiearme Lagerung entscheidend sind. Zur Beikrautregulierung setzt der Betrieb auf Gründüngung, Hacktechnik, Handarbeit, Kompost und verschiedenes Mulchmaterial wie Stroh oder Silage, das sich in der Praxis als wirkungsvoll erwiesen hat.

Mehr Biodiversität auf dem Schnittblumenfeld

Phillip Dehn vom Verband deutscher Wildpflanzenproduzenten (VWW) betonte im Anschluss die Bedeutung heimischer Wildpflanzen für die Biodiversität. Viele spezialisierte Insekten seien auf bestimmte Wildpflanzen angewiesen, während Kulturpflanzen überwiegend Generalisten fördern. Wildpflanzen seien zugleich pflegeleicht, klimafest und ästhetisch vielseitig einsetzbar. Sie eröffnen der Floristik zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten und stellen eine ökologisch wie wirtschaftlich sinnvolle Ergänzung im Bio-Schnittblumenanbau dar.

Mehr Bio-Saatgut und Co. im Schnittblumenbereich

Andrea Frankenberg stellte anschließend Ergebnisse aus dem Projekt BioZierPVM vor, das die Verfügbarkeit und Vielfalt von Bio-Saatgut und Jungpflanzen im Zierpflanzenbereich verbessern soll. Eine Umfrage zeigte, dass zwar viele Sorten als Bio-Pflanzenvermehrungsmaterial beantragt, jedoch deutlich weniger tatsächlich bestellt werden. Zu den Hemmnissen gehören ein oft unpassendes oder zu schmales Sortiment an geeigneten Bio-Sorten, fehlende Listungen in der Datenbank OrganicXseeds sowie eine geringe Sichtbarkeit von Bio-Anbietern und mangelnde Kenntnisse zu rechtlichen Vorgaben. Als Lösungsansätze wurden eine engere Vernetzung zwischen Praxis, Forschung sowie Saatgut- und Jungpflanzenbetrieben, gezielte Schulungen und eine stärkere Nachfrage durch Verbrauchende diskutiert.

Slowflower-Bewegung, was bringt eine Mitgliedschaft?

Emma Auerbach gab anschließend einen Einblick in die Slowflower-Bewegung und ihren eigenen Betrieb Bei den Blumen. Die Bewegung setzt sich für regional, saisonal und ressourcenschonend produzierte Schnittblumen ein und versteht sich als Netzwerk ohne Zertifizierungspflicht. Mit inzwischen rund 400 Mitgliedern bildet sie eine wichtige Austauschplattform für Floristikbetriebe und gärtnerische Unternehmen. Auerbach schilderte, wie sie 2023 ihren eigenen kleinen Schnittblumenbetrieb gegründet hat, der ein breites Sortiment von frühen Blühern über Sommerblumen bis zu Dahlien und Stauden umfasst. Die Vermarktung erfolgt über Bioläden, Verbrauchergemeinschaften sowie eine gut angenommene Selbstpflücke mit Vertrauenskasse.

Bio-gAartenVielfalt in Beeten, Töpfen & Vasen – Die föga stellt sich vor

Einen Überblick über das Netzwerk der föga gab anschließend Herbert Vinken. Die Organisation umfasst inzwischen rund 90 Mitglieder und versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Bio-Betrieben, konventionellen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren des Gartenbaus. Ein Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Veranstaltungen, Exkursionen und Schulungen, die den Wissenstransfer fördern und neue Impulse für die gärtnerische Vielfalt setzen.

Möglichkeiten der regionalen und überregionalen Vernetzung

In einer Austauschrunde wurden anschließend Möglichkeiten der regionalen und überregionalen Vernetzung diskutiert. Als hilfreich wurden kleinere digitale Gruppen auf WhatsApp oder Signal genannt, die idealerweise nicht zu groß sein sollten, um einen aktiven Austausch zu ermöglichen. Zusätzlich wurden themenspezifische Gruppen sowie regelmäßige Online-Treffen als wertvolle Ergänzung genannt. Besonders wirksam sei der persönliche Austausch vor Ort, der in vielen Regionen bereits gut funktioniere.

Impulse für den Bio-Anbau

Lena Lips stellte Fördermöglichkeiten für Bio-Schnittblumenbetriebe sowie aktuelle Entwicklungen im Ökolandbau vor. Die Bio-Fläche in Deutschland liegt derzeit bei 11,4 Prozent. Während die Zahl der Betriebe leicht zurückgegangen ist, hat die zu bewirtschaftende Fläche weiter zugenommen. Die Förderprogramme unterscheiden sich je nach Bundesland und Anbausystem, setzen aber in der Regel eine fünfjährige Bindung an den Bio-Anbau voraus. Ergänzt werden sie durch Projekte wie NABU „Boden Gut Machen“ oder das Netzwerk der Demobetriebe Ökolandbau.

Weitergedacht: Nachhaltige Verpackung und Co. im Schnittblumenbetrieb

Abschließend wurden die Ergebnisse der Umfrage aus dem Schnittblumenverteiler zu nachhaltigen Verpackungs- und Verarbeitungslösungen vorgestellt. Viele Betriebe verzichten heute bereits bewusst auf Steckschaum und testen Alternativen wie Hühnerdraht, Kenzan oder basaltbasierte Steckwolle. Bei Transport- und Umverpackungen wird zunehmend auf Papiermaterialien gesetzt, dennoch besteht weiterhin Bedarf an praktischen, wasserdichten und nachhaltigen Lösungen sowie an einem spezialisierten Bio-Großhändler, der passende Produkte verfügbar macht.

Das Bio-Schnittblumen Seminar verdeutlichte insgesamt die Vielfalt der Branche und die große Bereitschaft, ökologische, ökonomische und gestalterische Aspekte weiterzuentwickeln. Deutlich wurde auch der Bedarf an verlässlichem Bio-Pflanzgut, an funktionierenden Vernetzungsstrukturen sowie an nachhaltigen Verpackungslösungen. Die Veranstaltung bot wertvolle Impulse für Betriebe und Interessierte, die den ökologischen Schnittblumenanbau weiter voranbringen möchten. Wir freuen uns, Sie bei einem weiteren Seminar der Öko-Akademie begrüßen zu dürfen.