Nachbericht - Techniktag am 17. Juni 2026
Techniktag im Obstbau

Zahlreiche Fachbesucher auf dem Versuchsgelände bei der Maschinenvorführung.

Beim Techniktag-Obstbau auf dem Versuchsgelände der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Thüngersheim präsentierten führende Hersteller am 17. Juni 2026 praxisnah ihre aktuellen Entwicklungen für einen modernen, effizienten und zunehmend elektrifizierten Obstbau. Nach der Begrüßung durch Stefan Kirchner, Leiter des Instituts für Erwerbs- und Freizeitgartenbau (IEF) führte Alexander Zimmermann, Obstbau-Versuchsingenieur der LWG durch die Veranstaltung. In zahlreichen Live-Demonstrationen konnten die Besucherinnen und Besucher Maschinen und Systeme zur mechanischen Beikrautregulierung, smarten Pflegetechnik, E-Mobilität, Akku-Technik sowie Ernte- und Lagertechnik im Praxiseinsatz erleben.


Kurzfazit

Mechanik, Elektrifizierung und smarte Steuerungssysteme wachsen zunehmend zusammen. Die vorgestellten Lösungen zielen darauf ab, die Arbeitseffizienz zu steigern, Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren und Energieressourcen zu schonen sowie die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Trends und übergeordnete Erkenntnisse

  • Mechanische Unterstockpflege und automatisierte Ausdünntechnik werden kontinuierlich weiterentwickelt, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und Arbeitszeit einzusparen.
  • Elektrische Antriebe und leistungsfähige Akkus ermöglichen längere, emissionsarme Einsätze und integrieren sich zunehmend in Smart-Farming-Konzepte.
  • Präzisionsfunktionen wie Reihenerkennung, automatische Abschaltung und digitale Dokumentationssysteme gewinnen weiter an Bedeutung, da sie die Nachvollziehbarkeit und Effizienz betrieblicher Maßnahmen verbessern.


Geräte und Vorführungen (Auswahl)

Illmer – Doppelseitiger Fadenmäher und Krümler

Illmer präsentierte einen doppelseitigen Fadenmäher mit einer Arbeitsbreite von circa 35 cm. Das Gerät kann mit Mulchgeräten kombiniert werden und ist für Reihenarbeitsbreiten von bis zu vier Metern ausgelegt. Ein integrierter Drehzahlmesser lässt sich per Smartphone auslesen sowie beidseitig einstellen, dies erleichtert die Kontrolle während des Einsatzes.
Der vorgestellte Krümler verfügt über eine elektrohydraulische Feintastung mit eigenem Ölkreislauf. Dadurch sind präzise Einstellungen möglich, gleichzeitig wird die beidseitige Nutzung des Geräts erleichtert. Beide Systeme unterstreichen die Bedeutung flexibler Lösungen für unterschiedliche Reihenabstände und eine effiziente Unterstockpflege.

Braun – Rollhacke und Sichelmulcher

Braun zeigte eine Rollhacke mit Schwimmstellung und Parallelogrammführung. Das System passt sich wechselnden Bodenverhältnissen an und ermöglicht eine bodenschonende mechanische Unkrautregulierung.

Der vorgestellte Sichelmulcher arbeitet mit einem frei drehbaren äußeren Teller sowie einem anpassbaren Schleifteller, um Beschädigungen an Baumstämmen zu vermeiden. Die angegebenen Anschaffungskosten von etwa 12.000 bis 13.000 Euro für die Rollhacke beziehungsweise rund 3.500 Euro für den Sichelmulcher verdeutlichen, dass die Geräte auch für kleinere und mittlere Betriebe wirtschaftlich interessant sein können.

Clemens – Unterstockmäher der neuen Generation

Clemens präsentierte einen kombinierbaren Unterstockmäher mit doppeltwirkendem System. Insbesondere in jungen Anlagen soll das Gerät eine schonende und zugleich effektive Bearbeitung ermöglichen. Konstruktive Verbesserungen sorgen nach Herstellerangaben für eine gleichmäßige Mähqualität und reduzieren den Pflege- und Nachbearbeitungsaufwand.

FruitTec und ERO – Darwin-Ausdünnmaschine und Baumschneider

FruitTec stellte die Ausdünnmaschine Darwin vor, die mithilfe einer KI-gestützten Blütenerkennung den Blütenbesatz erfasst und die Spindelgeschwindigkeit automatisch anpasst. Die Steuerung erfolgt wahlweise per Smartphone, Tablet oder Joystick. Die Kosten liegen je nach Ausführung bei etwa 3.500 bis 4.500 Euro für Anbaulösungen beziehungsweise zwischen rund 8.500 und 10.500 Euro für Stand-alone-Varianten.
Darüber hinaus wurde ein Baumschneider mit variabler Neigungs-, Höhen- und Seitenverstellung vorgestellt. Das Schlagmessersystem ist auch für stärkeres Holz ausgelegt und soll präzise Schnittbilder bei reduziertem Zeitaufwand ermöglichen. Die Anschaffungskosten liegen bei rund 20.000 Euro.

ERO demonstrierte die Darwin-Technologie in Kooperation mit FruitTec und ergänzte die Vorführung durch ein wartungsarmes Baumschneiderkonzept das mit Ober- und Unterschnittmessern ergänzt werden kann.

Fendt – E-Vario (E-Mobilität und Smart Farming)

Fendt präsentierte elektrisch betriebene Traktoren als Lösung für einen emissionsarmen und geräuschreduzierten Einsatz im Obstbau sowie als Plattform für vernetzte Assistenzsysteme. Zu den Vorteilen zählen reduzierte Wartungsintervalle und damit potenziell geringere Folgekosten. Laut einem Praxistest am Versuchsbetrieb Thüngersheim der LWG sind beim Fräsen Einsatzzeiten von bis zu neun Stunden einschließlich einer etwa 30-minütigen Zwischenladung möglich.

Elektrische Traktoren sind derzeit allerdings rund 200 Kilogramm schwerer und in der Anschaffung etwa 1,8-mal teurer als vergleichbare Dieselmodelle. Förderprogramme mit möglichen Zuschüssen von bis zu 40 Prozent (über die Rentenbank) können die Wirtschaftlichkeit jedoch deutlich verbessern.

BayWa und LWG – Smart Farming mit Lenkunterstützung und GPS-Stab

BayWa und die LWG demonstrierten Smart-Farming-Lösungen mit Lenkunterstützung und GPS-Stab, die eine präzise Spurführung in Baumreihen ermöglichen und Überlappungen deutlich reduzieren.

Solche Systeme verbessern nicht nur die Arbeitsgenauigkeit, sondern erleichtern zugleich die Dokumentation sowie die Einbindung weiterer digitaler Anwendungen, etwa teilflächenspezifischer Applikationen oder automatischer Arbeitsprotokolle. Für die Betriebe bedeutet dies weniger unnötige Fahrspuren, einen geringeren Einsatz von Betriebsmitteln und eine einfachere Vernetzung mit weiteren Smart-Farming-Komponenten.

Wanner – Präzise Sprühtechnik

Wanner stellte Sprühgeräte mit Tabletsteuerung, Reihenerkennung einschließlich automatischer Abschaltung sowie einer Dokumentation der Ausbringmengen vor. Diese Funktionen ermöglichen präzisere Applikationen, reduzieren Fehlanwendungen und unterstützen gleichzeitig die betriebliche Nachweisführung im Rahmen von Dokumentationspflichten.

Infaco und Stihl – Akku-Technik für Schnitt und Ernte

Infaco demonstrierte ein schnittschutzbasiertes System mit einem Sensor im zugehörigen Handschuh, schnell wechselbaren Werkzeugköpfen sowie Akkulaufzeiten von bis zu eineinhalb Arbeitstagen. Komplettpakete einschließlich Zubehör liegen bei etwa 1.480 Euro, Verlängerungen kosten zwischen 300 und 450 Euro.
Stihl präsentierte eine neue Akku-Zelltechnologie mit rund 3.000 Ladezyklen. Nach Herstellerangaben können die Akkus innerhalb von neun Minuten auf 80 Prozent geladen werden. Die neue Technologie bleibt mit bestehenden Geräten kompatibel und soll ab dem ersten August auch günstiger als bisherige Akkus verfügbar sein. Damit könnte die Kosten- und Leistungsbilanz kabelloser Systeme weiter verbessert werden.

CargoPlast – Erntekisten mit Rückengurt

CargoPlast zeigte stapelbare Erntekisten mit einem Fassungsvermögen von neun Kilogramm, die mithilfe eines Rückengurts getragen werden können. Dadurch bleiben während der Ernte beide Hände frei. Die Kosten liegen bei etwa 40 Euro für Kiste und Gurtsystem beziehungsweise rund neun Euro für die Einzelkiste.

Solche ergonomischen Lösungen erhöhen den Arbeitskomfort und tragen gleichzeitig zu einer schonenden Behandlung der Ware während der Nacherntelogistik bei.
Ausblick für die Praxis

Die beim Techniktag vorgestellten Technologien verdeutlichen, dass Mechanik, Sensorik und Elektrifizierung zunehmend zu integrierten Systemlösungen zusammenwachsen. Für eine breite Anwendung in der Praxis bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit entscheidend. Besonders attraktiv erscheinen modulare und förderfähige Systeme, die sich flexibel in bestehende Betriebsstrukturen integrieren lassen.