Bayerischer Industriegemüsetag 2026 in Aiterhofen
Am 12. Januar 2026 trafen sich traditionell Anbauer, Berater, Vertreter der Sauerkonservenindustrie, der Züchtung, der Verbände sowie verschiedener staatlicher Institutionen zum Industriegemüsetag 2026 im Gasthaus Karpfinger in Aiterhofen. Der neue Leiter der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Dr. Jörg Hirsche, nutzte die Gelegenheit, sich den Teilnehmenden vorzustellen, und eröffnete die Veranstaltung. Trotz des widrigen Wetters konnte Dr. Hirsche mehr als 70 Teilnehmende im Saal sowie 45 Online-Teilnehmende begrüßen.
Saisonrückblick aus Sicht der Anbauberatung und des Pflanzenschutzes
Markus Göttl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf-Straubing ging in seinem Vortrag zunächst ebenfalls auf die abgelaufene Saison aus Sicht des Pflanzenschutzes ein. Darüber hinaus informierte er über die aktuelle Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln, darunter Verlängerungen, Neuzulassungen sowie laufende Notfallanträge. Ein weiterer Schwerpunkt seines Beitrags war die Situation des Monitorings der Schilfglasflügelzikade.
Im Anschluss gingen die Beraterkollegen Julia Böhringer und Robert Kirchner vom Gartenbaulichen Beratungsdienst für integrierten Gemüsebau Heilbronn e. V. konkret auf den aktuellen Sachstand zum Thema Glasflügelzikade im Gemüsebau ein. Anschaulich wurden den Zuhörern der Entwicklungszyklus sowie die Schadsymptome vorgestellt. Unter anderem ist der Schädling mittlerweile Überträger des Stolbur-Erregers bei Roter Bete, was zu Welkeerscheinungen an den Blättern sowie zu Fäulnis und der Ausbildung sogenannter „Gummiknollen“ führt. Auch andere Gemüsekulturen wie Rhabarber, Möhre, Pastinake, Kopfkohl, Zwiebeln und Wurzelpetersilie sind betroffen. Vorbeugende Maßnahmen bestehen unter anderem in einer angepassten Fruchtfolge, Schwarzbrache, dem Einsatz von Netzen sowie von Insektiziden.
Welche Sorte ist die Richtige? Vorstellung der Ergebnisse aus den Anbauversuchen in Niederbayern
Anschließend präsentierte Daniela Gleißner vom AELF Landshut-Abensberg die Ergebnisse der Sortenschauversuche Industrieweißkraut aus den Jahren 2022 bis 2025. Die geprüften Sorten wurden unter anderem hinsichtlich ihrer Eignung für die Direktsaat, ihres Ertragspotenzials, der Innenqualität sowie ihrer Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen bewertet. Ergänzend erfolgte eine Bonitur äußerer Merkmale wie Kopfform, Standfestigkeit, Pflanzengröße, Feldhaltbarkeit und Seitentriebbildung. An einem weiteren Standort wurden Maßnahmen wie die Netzabdeckung, der Einsatz von Kristallkalk sowie zwei Biostimulanzien zur Reduzierung von Trockenstress im Sommer untersucht. Abschließende Aussagen hierzu sind derzeit noch nicht möglich, da die Vegetationsperiode 2025 vergleichsweise feucht verlief.
Sämtliche Versuchsergebnisse sind in den entsprechenden Versuchsberichten sowie im „Gelben Heft“ dokumentiert.
Bio-Anbau bei Einlegegurkenanbau
Andreas Herr, ein anerkannter und global agierender Spezialist im Bereich des Einlegegurkenanbaus, gab einen Überblick zu Anbausystemen und Sorten. In Deutschland werden derzeit rund zwei Prozent der Produktionsmenge auf etwa 100 bis 150 Hektar im ökologischen Anbau erzeugt. Bio-Einlegegurken stellen dabei ein Premium-Nischenprodukt dar. Ursachen hierfür sind unter anderem um rund 50 Prozent niedrigere Erträge sowie die hohe Nachfrage nach kleinfrüchtigen Gurken, was zu steigenden Rohwarenkosten führt. Gleichzeitig ist jedoch eine zunehmende Nachfrage zu verzeichnen. Grundsätzlich lassen sich zwei Anbaustrategien unterscheiden. Zum einen wird eine frühe Ernte durch Pflanzung und die Wahl geeigneter Sorten angestrebt, so dass die Ernte beginnt, bevor verstärkt Krankheitsdruck auftritt. Zum anderen stehen mittlerweile mehltauresistente Sorten zur Verfügung, die eine längere Erntesaison ermöglichen. Diese Sorten gelten jedoch derzeit noch als vergleichsweise ertragsschwach, so Andreas Herr.
Kontakt
Martin Schulz
E-Mail: martin.schulz@lwg.bayern.de







