Bayerischer Industriegemüsetag 2026 in Aiterhofen

Am 12. Januar 2026 trafen sich traditionell Anbauer, Berater, Vertreter der Sauerkonservenindustrie, der Züchtung, der Verbände sowie verschiedener staatlicher Institutionen zum Industriegemüsetag 2026 im Gasthaus Karpfinger in Aiterhofen. Der neue Leiter der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Dr. Jörg Hirsche, nutzte die Gelegenheit, sich den Teilnehmenden vorzustellen, und eröffnete die Veranstaltung. Trotz des widrigen Wetters konnte Dr. Hirsche mehr als 70 Teilnehmende im Saal sowie 45 Online-Teilnehmende begrüßen.

Saisonrückblick aus Sicht der Anbauberatung und des Pflanzenschutzes

Carolin Füssl vom Erzeugerring für Obst und Gemüse Straubing e.V. ließ traditionell mit ihren Praxisbeobachtungen das vergangene Anbaujahr aus Sicht der Anbauberatung Revue passieren. Eine besondere Herausforderung im Jahr 2025 war die Wahl des richtigen Aussaattermins für Einlegegurken. Die lange Frühjahrstrockenheit führte zu Problemen bei der Bestandsetablierung, insbesondere durch einen mangelhaften Aufgang der Einlegegurken. Beim Industriekraut stellte der Kohlerdfloh eine weitere Herausforderung dar. Zudem führten niedrige Temperaturen in der zweiten Julihälfte zu verminderten Erträgen bei Einlegegurken.

Markus Göttl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf-Straubing ging in seinem Vortrag zunächst ebenfalls auf die abgelaufene Saison aus Sicht des Pflanzenschutzes ein. Darüber hinaus informierte er über die aktuelle Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln, darunter Verlängerungen, Neuzulassungen sowie laufende Notfallanträge. Ein weiterer Schwerpunkt seines Beitrags war die Situation des Monitorings der Schilfglasflügelzikade.

Im Anschluss gingen die Beraterkollegen Julia Böhringer und Robert Kirchner vom Gartenbaulichen Beratungsdienst für integrierten Gemüsebau Heilbronn e. V. konkret auf den aktuellen Sachstand zum Thema Glasflügelzikade im Gemüsebau ein. Anschaulich wurden den Zuhörern der Entwicklungszyklus sowie die Schadsymptome vorgestellt. Unter anderem ist der Schädling mittlerweile Überträger des Stolbur-Erregers bei Roter Bete, was zu Welkeerscheinungen an den Blättern sowie zu Fäulnis und der Ausbildung sogenannter „Gummiknollen“ führt. Auch andere Gemüsekulturen wie Rhabarber, Möhre, Pastinake, Kopfkohl, Zwiebeln und Wurzelpetersilie sind betroffen. Vorbeugende Maßnahmen bestehen unter anderem in einer angepassten Fruchtfolge, Schwarzbrache, dem Einsatz von Netzen sowie von Insektiziden.

Welche Sorte ist die Richtige? Vorstellung der Ergebnisse aus den Anbauversuchen in Niederbayern

Florian Hageneder vom AELF Abensberg-Landshut stellte die Ergebnisse des Einlegegurken-Anbauversuchs vor. Neben der Ertrags-, Qualitäts- und Mangelbonitur wurden die geprüften Sorten auch hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber dem Falschen Mehltau untersucht. Dabei kamen lediglich sechs Behandlungen anstelle der üblichen zwölf Anwendungen gegen den Falschen Mehltau zum Einsatz. Im Exaktversuch wurden insgesamt sieben Sorten geprüft, wobei die Sorte Sebate als Standardsorte diente. Ergänzend wurde ein Schauversuch mit acht Sorten angelegt, der der Kandidatenfindung für den Exaktversuch im kommenden Jahr dient. In diesem Rahmen wurde auch eine Bio-Sorte ausgesät, die über eine Resistenz gegenüber dem Falschen Mehltau verfügt.

Anschließend präsentierte Daniela Gleißner vom AELF Landshut-Abensberg die Ergebnisse der Sortenschauversuche Industrieweißkraut aus den Jahren 2022 bis 2025. Die geprüften Sorten wurden unter anderem hinsichtlich ihrer Eignung für die Direktsaat, ihres Ertragspotenzials, der Innenqualität sowie ihrer Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen bewertet. Ergänzend erfolgte eine Bonitur äußerer Merkmale wie Kopfform, Standfestigkeit, Pflanzengröße, Feldhaltbarkeit und Seitentriebbildung. An einem weiteren Standort wurden Maßnahmen wie die Netzabdeckung, der Einsatz von Kristallkalk sowie zwei Biostimulanzien zur Reduzierung von Trockenstress im Sommer untersucht. Abschließende Aussagen hierzu sind derzeit noch nicht möglich, da die Vegetationsperiode 2025 vergleichsweise feucht verlief.

Sämtliche Versuchsergebnisse sind in den entsprechenden Versuchsberichten sowie im „Gelben Heft“ dokumentiert.

Bio-Anbau bei Einlegegurkenanbau

Abschließend widmete sich die Veranstaltung dem Bio-Einlegegurkenanbau – einer Nische mit Zukunft? Was früher als Betätigungsfeld für Idealisten galt, entwickelt sich zunehmend zu einer wirtschaftlich interessanten Geschäftsidee. Ein erfolgreicher Anbau von Einlegematerialien erfordert bislang häufig den Einsatz von Polyethylen- bzw. biologisch abbaubaren Folien. Eine spannende Alternative stellte Dr. Michael Kirchinger vom Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Straubing vor: LiquiMulch, ein sprühbarer, biologisch abbaubarer Mulch, der unter anderem für den Einsatz im Wein- und Gemüsebau entwickelt wurde. Das Produkt wurde kürzlich patentiert und kann nun in der Praxis eingesetzt werden. Im Rahmen von zwei Projekten, finanziert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, konnte eine beikrautunterdrückende Wirkung nachgewiesen werden. Für die Anwendung wurde vom Unternehmen Amazone eine spezielle Applikationstechnik entwickelt.

Andreas Herr, ein anerkannter und global agierender Spezialist im Bereich des Einlegegurkenanbaus, gab einen Überblick zu Anbausystemen und Sorten. In Deutschland werden derzeit rund zwei Prozent der Produktionsmenge auf etwa 100 bis 150 Hektar im ökologischen Anbau erzeugt. Bio-Einlegegurken stellen dabei ein Premium-Nischenprodukt dar. Ursachen hierfür sind unter anderem um rund 50 Prozent niedrigere Erträge sowie die hohe Nachfrage nach kleinfrüchtigen Gurken, was zu steigenden Rohwarenkosten führt. Gleichzeitig ist jedoch eine zunehmende Nachfrage zu verzeichnen. Grundsätzlich lassen sich zwei Anbaustrategien unterscheiden. Zum einen wird eine frühe Ernte durch Pflanzung und die Wahl geeigneter Sorten angestrebt, so dass die Ernte beginnt, bevor verstärkt Krankheitsdruck auftritt. Zum anderen stehen mittlerweile mehltauresistente Sorten zur Verfügung, die eine längere Erntesaison ermöglichen. Diese Sorten gelten jedoch derzeit noch als vergleichsweise ertragsschwach, so Andreas Herr.

Abgeschlossen wurde der Tag durch den Beitrag von Dr. Axel Böhme, Geschäftsführer des Biohofes Schöneiche aus dem Spreewald. Der Betrieb wurde 2006 gegründet, ist seit 2010 Naturland- und seit 2024 Bioland-zertifiziert. Im Einlegegurkenanbau kommen ungebeizte konventionelle Standardsorten wie Liszt und Albatros sowie die (falscher-)mehltauresistente Sorte Zirkon zum Einsatz. Grundsätzlich erfolgt der Anbau über Pflanzung. Die Beikrautunterdrückung erfolgt mechanisch mithilfe von Fingerhacken sowie ergänzend per Handhacke. Nach einer Grunddüngung mit Kalk, organischen flüssigen NPK-Mehrnährstoffdüngern (PPL) und pelletiertem Hühnertrockenkot (HTK) wird während der Kulturzeit Vinasse als Stickstoffdünger eingesetzt. Der Bio-Gurkenanbau erfordert deutlich mehr Handarbeit als der konventionelle Anbau, bei gleichzeitig deutlich niedrigeren Erträgen. Insbesondere steigende Lohnkosten treiben die Kostenschere zwischen konventionellem und ökologischem Anbau weiter auseinander, so Dr. Böhme.
Andreas Schmitt von der LWG beendete die Veranstaltung mit dem Hinweis auf den Industriegemüsetag 2027, der im Januar 2027 in Veitshöchheim stattfinden wird.

Kontakt
Martin Schulz
E-Mail: martin.schulz@lwg.bayern.de