Pressemitteilung - 15. Juli 2026
Beobachten und entspannen: Internationaler Tag der Hängematte am 22. Juli

Die Seele baumeln lassen: Am Mittwoch, den 22. Juli, ist wieder der Internationale Tag der Hängematte. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts in den USA ins Leben gerufen. Die Hängematte ist ein Symbol für Entspannung, Sommer und Freizeit – und auch auf einer Streuobstwiese lässt es sich sehr gut erholen! Sie ist außerdem ein Ort, an dem sich Tiere und Pflanzen gut beobachten lassen. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) forscht unter anderem daran, wie diese wertvollen Biotope erhalten werden können.

Entspannen, die Natur beobachten und leckeres Obst naschen – Streuobstwiesen sind wichtig für die Artenvielfalt. Benjamin Roos, Gartenbauingenieur Dipl.-Ing. (FH) an der Bayerischen Gartenakademie der LWG, ist Experte für Streuobstwiesen. Im Interview zeigt er, wie vielfältig sie sind und warum wir sie schützen sollten.

Herr Roos, was sind Streuobstwiesen denn genau?
Streuobstwiesen sind, wie der Name schon sagt, Wiesen in unserer Kulturlandschaft, auf denen verstreut hochstämmige Obstbäume stehen. Meist findet man dort nicht nur eine Obstsorte: am häufigsten sind Apfelbäume, aber auch Birnen, Zwetschgen, Pflaumen, Kirschen, Quitten und gelegentlich Speierling, Mispel oder sogar Maulbeerbäume. Typisch ist die traditionelle Doppelnutzung: oben die Obstbäume, darunter eine Wiese, die als Tierfutter, als Einstreu für Ställe oder früher auch zum Gemüseanbau genutzt wurde. Streuobstwiesen lieferten nicht nur Tafelobst, sondern oft auch Obst zur Verarbeitung – Saft, Most, Einmachen oder Backen. Deshalb findet man dort viele alte und lokale Sorten, die auf Streuobstwiesen als genetischer Vorrat erhalten bleiben.

Was macht sie so wertvoll?
Streuobstwiesen sind kleine Hotspots der Biodiversität. Durch die unterschiedlichen Baumhöhen, Kronenformen und die Mosaikstruktur von Bäumen, Wiese und oft Hecken entstehen viele Lebensräume für Insekten, Vögel, Fledermäuse und Pflanzenarten. Alte Obstsorten sind zusätzlich ein wichtiger Genpool. Kurz: Ökologisch sind sie wahre Vielfaltsoasen. Kulturell und geschmacklich bieten sie lokale Produkte mit hoher Qualität.

Warum sind sie immer seltener und quasi unbeliebter geworden?
Die Pflege einer Streuobstwiese ist arbeitsintensiv: Baumschnitt, Wiesenpflege und Ernte erfordern Zeit und Kenntnisse. Werden sie vernachlässigt, verbuschen sie und der offene Wiesencharakter geht verloren. Außerdem lässt sich das Obst oft nur schlecht vermarkten und die Erlöse decken häufig nicht die Arbeitszeit. Hinzu kommt, dass viele Bewirtschafter älter werden und Nachfolger fehlen. Zudem haben die traditionellen Obstgürtel rund um Dörfer in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen, weil Flächen zunehmend Baugebieten weichen mussten. Und nicht zu vergessen: Streuobstwiesen sind ein Generationenvertrag, viele Obstbäume können sehr alt werden und brauchen langfristige Pflege, die über Jahrzehnte und durch mehrere Generationen hinweg gewährleistet werden muss.

Welche Maßnahmen dagegen können helfen?
Ganz nach dem Motto „Schützen durch Nutzen“, also die Streuobstwiesen wieder erlebbar und wirtschaftlich machen z.B.

• durch Bildungsangebote und Kinderworkshops, damit junge Menschen Naturkenntnisse bekommen und Freude an Streuobst entwickeln.
• Schulungen sind wichtig wie Pflege- und Schnittkurse oder Gästeführerausbildungen, damit Wissen weitergegeben wird.
• Unterstützung bei Vermarktung und Verarbeitung (z. B. regionale Kooperationen, Mostereien, Direktvermarktung) und das Fördern von Verarbeitung zu hochwertigen Produkten.
• Gemeinschaftsprojekte und Patenschaften, die den Pflegeaufwand teilen.
• sowie Förderungen und Beratung, die den Aufwand wirtschaftlich attraktiver machen (z.B. Bayerischer Streuobstpakt, mehr Informationen dazu gibt es unten verlinkt.)

Wir in der LWG bieten etwa Kinderworkshops auf Streuobstwiesen an: Dort werden Kinder zu kleinen Naturforschern, entdecken die Pflanzen- und Tierwelt und verkosten Streuobstprodukte. Solche Angebote machen Wiesen erlebbar und schaffen Wertschätzung.

Was verbinden Sie persönlich mit Streuobstwiesen?
Ich erinnere mich noch gut ans Klettern in den Bäumen und an die Erntezeiten: Nach dem Keltern haben wir aus großen Fässern frischen Apfelsaft getrunken, dieses Aroma, frisch vom Baum gepresst, bleibt unvergesslich. Auch heute bin ich ein großer Fan der Streuobstwiesen! Ich gehe gern mit meinen Kindern auf unsere Wiese, wir machen Picknick, die Kinder pflücken Blumensträuße und erforschen die Tierwelt. Bei der Ernte packen alle mit an und die Kinder lieben den Apfelsaft, in den wir immer ein paar Birnen dazu mischen. Einen Teil des Obstes verarbeiten wir außerdem zu Dörrobst, so bleibt es lange haltbar und dient uns als natürlicher, süßer Ersatz für Süßigkeiten.

Vielen Dank, Herr Roos!

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Übrigens, die Schaugärten der LWG sind ganzjährig für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Informationen zu öffentlichen Führungen im Verlauf der Gartensaison sowie zu Gruppenführungen gibt es unten verlinkt. Viele weitere Gärten in ganz Bayern, die Sie im Rahmen von Führungen durch die Gartenbesitzerinnen und -besitzer selbst, zertifizierte Gästeführerinnen und -führer „Gartenerlebnis Bayern“ oder auch selbständig besuchen können, finden Sie unten.

Ein Mann liegt in einer Hängematte auf einer Wiese mit einem grünen Apfel in der Hand

Isolde Keil-Vierheilig
© LWG Veitshöchheim

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