Forschungsbericht
Biodiversität im Stadtgrün

Der Klimawandel führt zu phänologischen Verschiebungen bei Wildpflanzen: viele fangen mittlerweile früher an und hören früher auf zu blühen. Urbane Wärmeinseln können diesen Effekt zusätzlich verstärken. Bei der Begrünung von innerstädtischem Straßenbegleitgrün mit mehrjährigen, artenreichen Wildpflanzen sollte dies bei der Artenauswahl berücksichtigt werden. Im Projekt „Biodiversität im Stadtgrün“ wurden Blühmischungen mit Wildpflanzen unterschiedlicher Herkunft, gebietseigen und nichtheimisch, auf ihre Eignung für den Einsatz im innerstädtischen Straßenbegleitgrün getestet.
2023, 104 Seiten
Hierfür wurden zwei Blühmischungen entwickelt, eine aus rein gebietseigenen und eine aus rein nichtheimischen Wildpflanzen, und auf Grünstreifen zwischen Straße und Gehweg im Stadtgebiet Würzburgs etabliert. Auf den Flächen wurden Blüten und Blütenbesucher aufgenommen. Bereits auf den Flächen vorhandene Bäume, Silber-Linden und Mongolische Linden, wurden in die Untersuchungen mit einbezogen, um zu sehen, ob die Untersaat Einfluss auf die Blütenbesucher in den Bäumen hat.
Je nach Standjahr entwickelten sich die Blühmischungen unterschiedlich. Insgesamt blühte die gebietseigene Mischung früh im Jahr, die nichtheimische Mischung zu einem späteren Zeitpunkt und mit einem insgesamt höheren Blütenangebot. Im zweiten Standjahr, in dem es ab dem Frühjahr nur sehr wenige Niederschläge gab, litten beide Mischungen unter der anhaltenden Trockenheit, was zu einem Blüteneinbruch im Juli und August führte. Jedoch blühten in der nichtheimischen Mischung einige Arten durch, während die gebietseigene Mischung im August gar keine Blüten mehr bot. Eine vielfältige und reichhaltige Blüte ist auch für viele Blütenbesucher attraktiv, und so wurden auf der nichtheimischen Mischung mehr Wildbienenarten und Individuen festgestellt. Die meisten der Wildbienen gehörten zu den Generalisten, jedoch wurden auch oligolektische und gefährdete Wildbienen an nichtheimischen Wildpflanzen gefangen. Die Untersaat hatte keinen nachweisbaren Einfluss auf die Blütenbesucher in den Linden.
Nichtheimische Wildpflanzen können dazu beitragen, Lücken zu schließen, die durch die phänologische Verschiebung bei gebietseigenen bzw. heimischen Wildpflanzen entstehen. Durch die Kombination von heimischen und ausgewählten nichtheimischen Wildpflanzen mit spätem Blütezeitpunkt und hoher Trockentoleranz können Blühmischungen konzipiert werden, die auch an extremen Standorten wie dem innerstädtischen Straßenbegleitgrün ab Frühjahr bis in den Herbst hinein durchgängig Blüten bereitstellen. So ist es möglich, heimische Wirts- und Fraßpflanzen für spezialisierte Insekten mit einem durchgehenden Angebot an Blühressourcen zu verbinden. In Hinsicht auf den Klimawandel und urbane Wärmeinseln wird die ressourcenschonende Begrünung von innerstädtischen Grünflächen zu einer Herausforderung, das Potential nichtheimischer Wildpflanzen sollte hierbei nicht vernachlässigt werden.