Esca - Vorsorge
Vorbeugung Esca/Holzkrankheiten

Dunkle Flecken im Holzquerschnitt durch Pilzbefall

Ein sachgerechter Rebschnitt, der große Wunden am Rebstock vermeidet, ist die beste Vor­beugung gegen das Überhand­nehmen von Holz­krankheiten. Diesbezügliche Rebschnitt­kurse werden durch den Weinbauring Franken e. V. immer im November/ Dezember angeboten.
Zusätzlich können nach dem Rebschnitt schützende Maßnahmen ergriffen werden. Eine durch­gehende Behandlung in Junganlagen ist eine gute Möglichkeit Infektionen und frühzeitigen Stockausfällen vorzubeugen. Bei der Anwendung ist auf mildes und niederschlagsfreies Wetter zu achten.

Hintergrund zu Esca

Die beiden ErregerPhaeomoniella chlamydospora (Pch) und Phaeoacremonium aleophilum (Pal) gehören zum Erregerkomplex der Esca Krankheit. Vor allem in jungen Reben können die Erreger bei starkem Befall Schädigungen durch die Besiedlung der Leitungsbahnen hervorrufen. Diese äußern sich durch Schwarzfärbungen im Holzquerschnitt von Unterlage und Edelreis und vermindertem Wachstum bis zum Absterben der Reben. Auch als Voraussetzung für die spätere Besiedlung älteren Holzes durch den Weißfäuleerreger Fomitiporia mediterranea stehen beide Pilze im Verdacht. Pal und Pch produzieren Konidien, ab Temperaturen von 10°C bis in den späten Sommer hinein. Gelangen Konidien durch Wind oder Wassertropfen auf Wunden der Rebe können die Pilze ins Holz hineinwachsen und dieses besiedeln. Schäden können bei geschwächten Reben bereits im Jugendstadium auftreten. Eine latente Besiedelung wird auch als Eintrittspforte für den Weißfäuleerreger Fomitiporia mediterranea stark diskutiert. Dieser ist für die typischen Symptome der Esca wie Tigerstreifen und black measles bei älteren Stöcken verantwortlich.


Um das Eindringen von Esca-Erregern und weiterer Schaderreger in die Reben zu reduzieren, können zwei Mittel auf frische Schnittwunden aufgebracht werden.

Biologischer Gegenspieler - Präparat Vintec


Das Präparat Vintec (Fa. Belchim) enthält als Wirkstoff Trichoderma atroviride SC1. Dieser Pilz ist ein Gegenspieler (Antagonist) von Esca verursachenden Pilzen. Dies bedeutet, dass mit Trichoderma besiedeltes Holz weitgehend nicht von Esca-auslösenden Pilzen infiziert werden kann. Bei verschieden Versuchen konnten gute Besiedelungsraten des Holzes nach der Anwendung festgestellt werden.

Anwendung

Das Präparat Vintec ist für einen Einsatz in der Rebschule und im Freiland, v.a. bei jungen Reben, vorzusehen. Eine gute Benetzung der Schnittflächen ist Voraussetzung für eine sichere Etablierung des antagonistischen Pilzes. Die weiteren Empfehlungen dienen ebenso diesem Ziel.

Folgende Anwendungsbedingungen im Freiland sind einzuhalten.

  • Die Aufwandmenge beträgt 200 g/ha in 100 l Wasser. Die Anwendungskonzentration von 0,2% (2 g/l Wasser) muss eingehalten werden.
  • Eine gute Benetzung der Wunden im Bereich des Stammkopfes ist sicher zu stellen. Daher sind Geräte, die gezielt auf die Schnittwunden applizieren (Rückenspritze), am sinnvollsten.
  • Vor dem Ansetzen mit Vintec ist der Brühetank gut von Pflanzenschutzmittelrückständen zu reinigen.
  • Die Anwendung muss vor dem starken Bluten der Reben stattfinden, um ein Abwaschen zu verhindern.
  • Neben der guten Benetzung sind die Witterungsbedingungen für eine erfolgreiche Ansiedlung des Antagonisten zu beachten:
    • Die Temperatur muss mindestens 5 Stunden über 10°C liegen
    • Die Luftfeuchtigkeit muss über 70% relativer Luftfeuchte liegen
  • Fällt nach der Behandlung starker Regen oder tritt ein Nachtfrost ein, ist die Behandlung zu wiederholen.
  • Eine zweimalige Behandlung ist zugelassen.
  • Der Einsatz ist auch im ökologischen Weinbau möglich. Das Mittel ist FiBL gelistet.

Vintec ist beim Landhandel nicht immer vorrätig. Bei geplanten Behandlungen sollte das Mittel einige Tage vorher bestellt werden. Vintec ist bei einer Lagertemperatur von 4-5°C ca. zwei Jahre, bei 15°C nur 6 Monate in der ungeöffneten Packung haltbar.

Wundverschluss mit Wirkstoff - Präparat Tessior

Das Produkt Tessior® enthält eine wasser­basierte, sprühbare Polymer­dispersion und zwei breit wirksame fungizide Wirkstoffe (Pyraclostrobin, Boscalid). Durch diese Kombination wird ein doppelter Schutz erzielt. Tessior® bildet eine physikalische Barriere durch einen haltbaren Film auf der Wunde und eine chemische Barriere durch zwei eingebettete Breit­band­fungizide. Hierbei sind alle Wunden im Kopf­bereich inkl. Ersatz­zapfen zu behandeln. Tessior® kann in einem weiten Temperatur­bereich (auch bei leichtem Frost) eingesetzt werden. Nach dem Antrocknen ist der Wund­verschluss wetterfest und die Wunde dauerhaft geschützt.
Am sparsamsten wird das Produkt mit dem von der Fa. BASF und der Fa. Mesto entwickelten Anwendungs­gerät ausgebracht, ca. 3-6 l Tessior je ha. Bei kleineren Anwendungs­flächen kann mit einer Spritzflasche gearbeitet werden, die eine gezielte Applikation auf die Schnittwunden ermöglicht.

Für beide Präparate gilt:

Behandeln Sie die Schnittwunden bei geeigneten Bedingungen möglichst zeitnah. Dies gilt vor allem dann, wenn mit einem hohen Sporenflug der Esca-Erreger bei wärmeren und feuchten Witterungsbedingungen zu rechnen ist. Bei kalten Temperaturen (kleiner 8°C) kann mit einer Behandlung auch zugewartet werden.

Beide Mittel müssen vorbeugend ausgebracht werden. Eine Anwendung ist vor allem bei Junganlagen sinnvoll, denn frühe Infektionen sorgen für eine geringe Lebenserwartung der infizierten Rebe.

Wenn Sie Reben entfernen, lagern Sie diese nicht in der Nähe von Weinbergen! Komplette Stämme können auch nach dem Aushauen bei feuchten Bedingungen zum Sporenflug beitragen. Verbrennen sie die Rebstämme sofort oder lagern sie diese weit entfernt von Weinbergen mit einer Abdeckung, die zum Austrockenen führt.