Rebschutz
Frühling im Weinberg

Weinberg im zeitigen Frühjahr mit blühenden Weinbergstulpen
Nach dem Winter starten die Reben nun langsam in die neue Vegetationsperiode. Die Rebenentwicklung beginnt im langjährigen Mittel mit dem Wollestadium am 18. April, gefolgt vom Beginn des Knospenaufbruchs am 25. April. Zu den ersten Rebschutzarbeiten im Weinberg gehört die Aushängung der Pheromonfallen für die Flugüberwachung des Traubenwicklers, sowie die Ausbringung der Pheromonampullen für das Verwirrungsverfahren. Bei Vorjahresbefällen oder aktuell festgestelltem Befall mit Kräuselmilben, Pockenmilben, Obstbaumspinnmilben/Rote Spinne oder Schildläusen sollte eine Bekämpfung noch vor dem Austrieb durchgeführt werden. Weitere Schädlinge, die zu Beginn der Saison beobachtet werden können, sind die Knospenschädlinge zu denen Erdraupen, Rhombenspanner und Dickmaulrüssler gehören.

Traubenwickler

Links Falter des Bekreuzten, rechts Falter des Einbindigen Traubenwicklers
Der Traubenwickler (Tw) kommt in Franken mit zwei Arten vor: Der Einbindige Tw - Eupoecilia ambiguella und der Bekreuzte Tw - Lobesia botrana. Beide Arten überwintern im Puppenstadium; die Falter schlüpfen bei steigenden Temperaturen im Frühjahr. Die Männchen, die meist einige wenige Tage vor den Weibchen schlüpfen, machen sich dann auf die Suche nach einem frischgeschlüpften Weibchen. Dabei orientieren sie sich am "Parfüm", dem Pheromon, der Weibchen. Dies kann man zur Überwachung mittels Pheromonfallen, aber auch für die Bekämpfung über ein Verwirrverfahren nutzen.
Pheromonfallen
Vor Beginn der Flugaktivität der Traubenwickler sind für deren Flugüberwachung Pheromonfallen auszuhängen. Die Fallen sind so aufzuhängen, dass sie sich im Bereich der späteren Traubenzone befinden und die Falleneingänge später nicht von Blättern und Trieben verdeckt werden. Wichtig ist, dass die Mindestabstände der Fallen zueinander eingehalten werden. Fallen für die gleiche Art sollten mindestens 50 m auseinanderliegen, die Fallen für Bekreuzten und Einbindigen dagegen mindestens 100 m Abstand voneinander haben. Wichtig ist zudem, dass diese nicht hintereinander in der Windrichtung hängen. Da mit dem Beginn des Falterfluges um den 20. April gerechnet wird, sollten diese vor diesem Termin aufgehängt werden. Die Kontrolle der Fallen erfolgt alle 2 - 3 Tage; notieren Sie sich dabei auch Null-Fänge, um das Aktivitätsmuster der Tiere zu registrieren. Entfernen sie ausgezählte Falter vom Leimboden, um die folgenden Kontrollen zu vereinfachen. Bei sehr starker Verunreinigung den Leimboden auswechseln.
Pheromonverwirrung mittels Pheromonampullen
Pheromonverwirrung
Die Pheromonampullen zur Verwirrung der Männchen müssen vor der Flugsaison der Falter, also bis 20. April 2015, in den Rebflächen ausgebracht werden. Sie verströmen das Pheromon über die Heu- und die Sauerwurmgeneration hinweg. Die Pheromon - Wolke verhindert, dass die Männchen zu den Weibchen finden und verhindert so die Begattung. Nachfolgend unterbleibt die Eiablage und somit die Entwicklung einer neuen Generation von Einbindigen bzw. Bekreuzten Traubenwicklern. Voraussetzung dafür ist die Verteilung der Phermonampullen laut Vorgabe des Herstellers sowie die optimale Aushängung in den Randbereichen der Reblage.

Schadmilben (Kräuselmilbe, Pockenmilbe, Eier der Roten Spinne) und Schildläuse

Kräuselmilben
Wenn während der Sommermonate Kräuselmilbenbefall festgestellt wird, ist im folgenden Frühjahr von einem verstärkten Infektionsdruck auszugehen. Vor allem Jungfelder sollten während der Austriebsphase und in den Sommermonaten sorgfältig auf Befallssymptome kontrolliert werden.
Blattgallmilben, Pockenmilben
Blattgallmilben zählen im Allgemeinen zu den Gelegenheitsschädlingen im Weinbau, die keiner besonderen Bekämpfungsmaßnahme bedürfen. Baut sich jedoch ein Befall von Jahr zu Jahr stärker auf, empfehlen wir, eine Voraustriebsbehandlung mit Öl und Netzschwefel im Zeitraum des Knospenschwellens, wie zur Bekämpfung der Kräuselmilben, durchzuführen und Maßnahmen zur Förderung der Raubmilben zu ergreifen.
Spinnmilben
Spinnmilben richten in aller Regel nur in solchen Rebanlagen Schäden an, in denen ihre natürlichen Gegenspieler, insbesondere Raubmilben, überhaupt nicht oder in zu geringer Anzahl auftreten. In diesen Fällen sind Auswahl und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie die Art der Bodenpflege kritisch auf ihre Auswirkungen gegenüber den Raubmilben zu überprüfen. Die häufige Beobachtung, dass einzelne Parzellen massive Blattsymptome und hohen Spinnmilbenbesatz aufweisen, ist meistens in der Verwendung nicht raubmilbenschonender Pflanzenschutzmittel begründet. Die Rote Spinne überwintert im Eistadium an den Knoten des einjährigen Holzes und kann daher relativ leicht kontrolliert werden. Im Frühjahr sind nur die lachsrot gefärbten, zwiebelförmigen Eier entwicklungsfähig, dagegen sind die weißlich-grauen Eier von Eiparasiten zerstört worden.
Schildläuse
Die Schildläuse sind Gelegenheitsschädlinge. Die Laven überwintern am alten Holz und entwickeln sich im Frühjahr weiter. Ab Anfang Mai wölbt sich das Rückenschild der Weibchen auf und die Eiablage unter diesem schützenden Schild beginnt. Die im Juni schlüpfenden jungen Larven wandern dann auf die Rebblätter und beginnen auf deren Unterseite mit ihrer Saugtätigkeit.

Bekämpfung

  • Behandlungen gegen diese Schädlinge sind nur bei Vorjahresbefall oder aktuell festgestelltem Befall notwendig.
  • Für gute Bekämpfungserfolge sind verschiedene Punkte zu beachten:
    • Die Temperatursumme ab der Kräusel- und Pockenmilben aktiv werden, wird ab Mitte April erreicht. Vorher sollten auch keine Behandlungen durchgeführt werden.
    • Optimale Bedingungen für die Behandlung liegen vor, wenn erstens die Mehrzahl der Knospen schon schwellen, zweitens einige Tage die Tagesmitteltemperatur über 12°C liegt und drittens die Behandlung an einem warmen, sonnigen Tag durchgeführt wird.
    • Die unterschiedliche Entwicklung auf frühen und späteren Standorten sollte bei der Terminierung der Behandlung berücksichtigt werden.
    • Die Applikationstechnik ist ein weiterer entscheidender Faktor für einen optimalen Bekämpfungserfolg. Die Bogreben und der Kopfbereich des Stämmchens sind tropfnass zu spritzen (mind. 800 l/ha, mit großen Düsen, kein hoher Druck). Das bedeutet, dass die Spritzbrühe an den Holzteilen leicht verlaufen muss. Somit ist jede Gasse zu befahren!

Knospenschädlinge (Erdraupen, Rhombenspanner, Dickmaulrüssler)

Fraßschäden durch Rhombenspanner und/oder Erdraupen waren im vergangenen Jahr in vielen Anlagen zu beobachten. Daher müssen bis zum Austrieb die Anlagen besonders genau beobachtet werden. Da ein Befall oft nur herdförmig auftritt sind die Anlagen insgesamt zu kontrollieren. Entdeckte Befallsstellen markieren. Hierdurch können Erdraupen gezielt nach Einbruch der Dunkelheit abgesammelt werden.
Rhombenspannerfraß tritt meist etwas frühzeitiger auf (ab Beginn Knospenschwellen) als der Fraß durch Erdraupen.
Der Amtliche Rebschutzdienst will weitere Versuche durchführen und sucht hierfür Befallsflächen. Wenn Sie starke Befälle feststellen melden Sie sich bitte umgehend beim Rebschutzdienst: Tel. 0931-9801502 oder Mail rebschutz@lwg.bayern.de