Pressemitteilung - 26. März 2026
Gemeiner Natternkopf ist Wildpflanze des Jahres: Ehrentag der Pflanze am 13. April

Am Montag, den 13. April, ist wieder der Internationale Ehrentag der Pflanze. Er macht auf ihre große Bedeutung für unseren Alltag aufmerksam. In diesem Jahr ist der Gemeine Natternkopf die Wildpflanze des Jahres, der im Sommer mit seinen auffallend blauen Blütenständen die fränkischen Weinberglandschaften prägt.

Hört man den Namen „Natternkopf“ zum ersten Mal, würde man ihn wohl eher der Tierwelt zuordnen. Für die Namensgebung gibt es verschiedene Erklärungen. Eine Herleitung bezieht sich auf die Form der Blüten und Griffel, die dem Kopf einer Schlange mit herausgestreckter Zunge ähneln. Die Griffel sind am Ende gespalten – wie die Zungen bei Schlangen. Früher wurde die Pflanze als Antidot bei Schlangenbissen eingesetzt. Das Raublattgewächs enthält Allantoine, die antimikrobiell wirken. Mittlerweile wird der Natternkopf in der Kräuterheilkunde kaum noch eingesetzt, da die Pflanzen auch die lebertoxischen Pyrrolizidinalkaloide enthalten.

Genügsam
Nährstoffarme, trockene Böden mit hohem Steinanteil – für die meisten Pflanzen eher abschreckende Standorte, aber nicht für den Gemeinen Natternkopf! Er bevorzugt genau diese Eigenschaften. Um mit diesen extremen Bedingungen zurechtzukommen, hat der Gemeine Natternkopf etliche Anpassungen entwickelt: Bis zu zwei Meter tiefe Pfahlwurzeln gewährleisten die Wasserversorgung der Pflanze. Um die Verdunstung über die Blätter zu minimieren, besitzen diese eine sehr dicke Blatthaut. Zusätzlich nimmt die Größe der Blätter von unten nach oben hin ab, d.h. die sonnenexponierten Blätter sind kleiner.
Dank seiner Anpassungen an karge Umgebungen gehört der Natternkopf zu den sogenannten Pionierpflanzen, die vegetationsfreie Gebiete besiedeln. In Ödlandschaften wie z.B. Schotterplätze, Bahnböschungen, Brachen und Ruderalflächen ist der Natternkopf häufig anzutreffen. Man muss aber genau hinschauen, denn im das ersten Jahr bildet der Natternkopf nur eine unscheinbare Blattrosette aus. Erst im zweiten Jahr folgt die Bildung des auffälligen Blütenstandes.

Blaues Bestäuber-Paradies
Betrachtet man den Blütenstand eines Natternkopfs, fällt die hohe Anzahl an blütenbesuchenden Insekten auf. 30 Wildbienenarten und über 40 Schmetterlingsarten wurden an Blüten des Gemeinen Natternkopfs gezählt. Wieso ist er so umschwärmt? Stellen Sie sich vor, Sie sind hungrig, aber das bisher reichhaltige Buffet ist fast vollständig abgeräumt. In dieser Situation befinden sich die (Wild-)Bienen im Frühsommer (Mitte Mai bis Ende Juli). Die Massentrachten der Obst- und Rapsblüte im Frühling sind vorbei und auch der Löwenzahn ist verblüht. Honigbienen werden durch ihre Imkerinnen und Imker mit zusätzlicher Nahrung versorgt, aber dieser Service ist Wildbienen und Hummeln verwehrt.
Der Gemeine Natternkopf blüht ab Mai. Sein Nektar enthält zu 25 % Zucker und ist damit eine äußert wichtige Nahrungsquelle für futtersuchende Bestäuber. Auch Imkernde schätzen den Natternkopf aufgrund des hohen Zuckerwertes als Nebentracht. Bis zu 430 kg Honig kann von einer hektargroßen Fläche in einer Saison geerntet werden. Der Gemeine Natternkopf schließt die Futterlücke nach der Frühjahrsblüte. Für Bestäuber ist es daher wichtig, dass diese wertvolle Nahrungsquelle im Frühsommer nicht abgemäht oder abgemulcht wird. Entdecken Sie den Gemeinen Natternkopf im oder am Weinberg, erfreuen Sie sich an den emsig besuchten Blüten! Gästen können Sie anschließend vom umschwärmten „Stolzen Heinrich“ im Weinberg berichten – dies ist nämlich ein weiterer Name dieser Pflanze.

Save the date: Tag der offenen Tür am 05.07.
Am Sonntag, den 05. Juli 2026, findet wieder der beliebte Tag der offenen Tür der LWG statt! An den Standorten in Veitshöchheim und Thüngersheim gibt es von 9 bis 16 Uhr ein vielseitiges Programm für alle Gartenfans. Das Motto lautet „Vielfalt. Innovation“. Es gibt Führungen, Vorträge und Mitmachaktionen – auch für die Kleinen!

Eine Hummel sitzt an einer blauen Blüte des Gemeinen Natternkopfes

Dr. Beate Wende
© LWG Veitshöchheim

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