Forschungs- und Innovationsprojekt
Nutzwasser für städtisches Grün

In Zeiten zunehmender Wasserknappheit und wachsendem Umweltbewusstsein gewinnt die effiziente Nutzung von alternativen Wasserressourcen in urbanen Räumen immer mehr an Bedeutung. Das Forschungsprojekt „Nutzwasser für städtisches Grün“ widmet sich genau diesem Thema, um die im Vorgängerprojekt "Nutzwasserbereitstellung und Planungsoptionen für die urbane und landwirtschaftliche Bewässerung" durch eine weitergehende Reinigung von Kläranlagenabläufen produzierte Wasserqualität „Nutzwasser“ im urbanen Bereich zum Einsatz zu bringen.
Ziel des Projekts
Ziel ist es, für die Bewässerung der städtischen Grünanlagen eine verlässliche, von Trockenperioden unabhängige Wasserquelle zu erschließen. Dadurch sollen sowohl der Verbrauch von Trinkwasser reduziert als auch die Grundwasserressourcen langfristig geschont werden. Parallel dazu wird untersucht, ob es während der Wasserzwischenspeicherung zu einer erneuten mikrobiellen Belastung kommen kann, um die Qualität und Sicherheit des Wassers dauerhaft zu gewährleisten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der praxisnahen Umsetzung der Wasseraufbereitung, einschließlich Speicherung, Verteilung und gezielter Ausbringung auf den öffentlichen Grünflächen der Stadt Schweinfurt.
Methode des Projekts
Das Projekt setzt sich aus übergeordneten Arbeitspaketen zusammen, die von verschiedenen Partnern bearbeitet werden. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) agiert im Arbeitspaket 4: Bedarfsbereitstellung, Speicherung und Ausbringung des Nutzwassers.
Um eine ausreichende Menge an Nutzwasser durch die Aufbereitungsanlage bereitstellen zu können, ist eine Ermittlung der lang- und kurzfristigen Bewässerungsbedarfe maßgebend. Die hierzu relevanten Flächen wurden in Zusammenarbeit vom Servicebetrieb für Stadtgrün und Bau und der Landesanstalt für Wein und Gartenbau in einem Kataster zusammengefasst und ausgewertet. Zusätzlich werden Daten von lokalen Grundwassermessstellen und Bodenfeuchtesensoren, z. B. im Sachs-Stadion in Echtzeit erfasst. Alle Daten werden in die Cloud des Leibniz-Rechenzentrums eingespeist und dann ebenfalls für eine bedarfsgerechte Nutzwasserbereitstellung herangezogen. Mithilfe des Katasters und der erfassten Daten wurden die potenziellen Bewässerungsbedarfe der Grünflächen der Stadt Schweinfurt errechnet. Anhand dieser Bedarfsermittlung kann die Dimensionierung zukünftiger Speicherbauwerke abgeschätzt werden.
Das Nutzwasser wird im Stadtgebiet mittels eines Wasserfasses ausgebracht. Das Fass verfügt über einen hydraulischen Hochverteiler, der direkt aus der Fahrerkabine bedient werden kann. Dadurch lässt sich das Wasser gezielt an Bäumen, in Beeten oder auf anderen Grünflächen ausbringen. Welche Grünflächen angefahren werden, ergibt sich aus den Messwerten der Bodenfeuchtesensoren, die in verschiedenen Stadtbereichen in Baumgruben und Beeten installiert sind. Registriert ein Sensor eine zu niedrige Bodenfeuchte, wird das entsprechende Gebiet zur Bewässerung eingeteilt.
Lysimeterversuch
Begleitend zur Bewässerung mit Nutzwasser in Schweinfurt wird an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau ein umfangreicher Versuch in den Lysimetern durchgeführt. Während der gesamten Projektlaufzeit werden dort sechs baugleiche Lysimeter mit vier verschiedenen Wasserqualitäten bewässert. Mit Saugkerzen wird das in unterschiedlichen Tiefen anfallende Sickerwasser entnommen und aufgefangen. Zu Beginn des Versuchs wurden aus den eingebauten Bodensubstraten Nullproben entnommen. Die durch die Saugkerzen entnommenen Wasserproben sowie die Bodenproben werden von der TUM auf Spurenstoffe und vom TZW mikrobiologisch untersucht.
Das Ziel der Untersuchung ist, nachzuvollziehen, in welchem Ausmaß Rückstände und gelöste Bestandteile aus den verschiedenen Wasserqualitäten im Boden verbleiben, sich innerhalb der Schichten verlagern oder möglicherweise bis in das Grundwasser gelangen können. Auf diese Weise sollen potenzielle Auswirkungen auf Umwelt, Bodenqualität und Grundwasser fundiert eingeschätzt werden können.
Projektpartner
Informationen zu unseren abgeschlossenen Forschungs- und Innovationsprojekt finden Sie unter:
Nutzwasserbereitstellung und Planungsoptionen für die urbane und landwirtschaftliche Bewässerung
Projektdaten:
Projektleitung: Nikolai Kendzia
Projektbearbeiter: Patrick Bruns
Laufzeit: 01.07.2025 bis 30.06.2027
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz,
vertreten durch das Bayerische Landesamt für Umwelt
Projektpartner: Technische Universität München (TUM); TZW: DVGW - Technologiezentrum Wasser; Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (LRZ); Stadt Schweinfurt; Xylem Services GmbH; Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG)
Förderkennzeichen: LfU 94-0270-67470/2024

