Gartencast
Klimawandel und Biodiversität
1. Mai 2026
Der Klimawandel verändert Vegetationszeiten, Wärme- und Niederschlagsmuster und schafft damit neue Herausforderungen für wildlebende Arten. Die großen zusammenhängenden Lebensräume schrumpfen. Das macht private und städtische Gärten zu wichtigen Trittsteinen: Sie verbinden Lebensräume, bieten Nahrungsquellen und Unterschlupf.
Klimawandel und Biodiversität
Ja, sonst gäbe es sie an manchen Orten nicht mehr oder sie wären der Klimaveränderung schutzlos ausgeliefert. Gärten kühlen das Umgebungsklima, speichern Wasser und können die lokale Artenvielfalt deutlich erhöhen. Somit sind sie kleine Inseln der Biodiversität inmitten einer sich verändernden Welt. Tatsächlich gibt es inzwischen schon Arten, die in der freien Landschaft selten geworden sind, aber in Gärten noch vorkommen.
Alte Obstsorten, die es oft nur noch auf Streuobstweisen gibt. Auch traditionelle Stauden. Die sogenannten Bauerngarten-Stauden wie Stockrosen, Frauenmantel, Sonnenhut und Storchschnabel finden sich in manchen Gegenden nur noch in Gärten. Bei den heimischen Wildblumen ist ein positiver Trend zu beobachten, da durch die immer weiter zurückgefahrene Pflege auf manchen Grünflächen sich diese wieder selbst etablieren können. Auch sind in den Gärten vermehrt Wildblumen zu sehen, wie zum Beispiel Wiesen-Salbei, kriechender Günsel, Natternkopf und Wiesen-Schafgarbe.
Genau, das ist nicht nur ein Hobby, sondern ein aktiver Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Ein naturnah bewirtschafteter Garten kann Lebensräume für eine Vielzahl von Insekten bieten. Bestäuber wie Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge sichern nicht nur die Ernten, sondern sind ein zentraler Bestandteil funktionierender Ökosysteme. Ein gutes Beispiel sind heimische Wildbienen. Einige von ihnen sind spezialisiert auf ganz bestimmte Pflanzen. Die Glockenblume etwas ist für die Glockenblumen-Schmalbiene und die Glockenblumen-Scherenbiene unverzichtbar. Wer solche Pflanzen im Garten integriert, schafft gezielt Lebensräume.
Richtig, Biodiversität entsteht nicht überall von allein – sie ist im Garten das Ergebnis bewusster Entscheidungen. Die Flächen der Gärten, Balkone oder Hochbeete müssen nicht groß sein. Außerdem sind die Maßnahmen nicht nur groß zu denken, sondern können auch im Kleinen umgesetzt werden.
Hier sollte darauf geachtet werden, dass immer etwas blüht. Frühblüher wie Weiden und Krokus werden durch Obstblüten von Apfel und Kirschen abgelöst. Im Sommer blüht Salbei, Phacelia und Lavendel und später im Jahr dann noch der Sonnenhut und die Sedum-Arten. Das sind natürlich nur Beispiele, es gibt noch viel mehr Pflanzen.
Die zu schaffen, ist oft leichter als viele denken. Die überall sichtbaren Insektenhotels sind etwas fürs Auge und für Mauerbienen, die im Frühjahr bei richtiger Ausrichtung und Bohrlochgröße gern diese Bauten annehmen. Sand- und Lehmflächen, die offen gestaltet sind und nicht von Pflanzen überwuchert, sind sehr wichtig für grabende Wildbienen. Zwischen 60 und 70% der bei uns vorkommenden Wildbienen nisten im Boden!
Ja, als Altholzstapel im Garten bietet Holz für viele Käferarten Versteck und Überwinterung, es kann aber auch von Igeln und Mauswieseln angenommen werden. Steinhaufen sind wertvolle Biotope und Rückzugsorte für Eidechsen, Blindschleichen, Wildbienen und Käfer. Die Steine speichern Wärme, so dass man oft die kleinen Tierchen beim Sonnen beobachten kann.
Wer viel Platz hat, kann sich eine sogenannte Wilde Ecke schaffen, dort wird der Natur einfach freien Lauf gelassen. Natürlich kann mit dem Setzen von Brennnesseln und Disteln auch gleich ein Einstieg geschaffen werden. Diese sind essenziell wichtig als Futterpflanzen für viele Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Distelfalter, Admiral oder Kleiner Fuchs. Wichtig ist allgemein eine Vielfalt an Strukturen im Garten zu schaffen, so dass diese Bereiche zu lebendigen Lebensräumen werden. So sind Pflanzengesellschaften immer Einzelkulturen vorzuziehen. Mischkulturen auch im Gemüsegarten fördern nützliche Insekten und reduzieren den Schädlingsdruck. Kräuter wie Thymian, Oregano, Borretsch und Salbei locken Bestäuber an.
Wasser ist für alle Bewohner des Gartens unverzichtbar. Also sollte eine Wasserstelle, die möglichst nicht immer wieder trockenfällt, angeboten werden. Ein kleiner Teich, oder eine größere Schale mit Wasser. Es ist darauf zu achten, dass Insekten, die reinfallen, eine Rettungsmöglichkeit haben. Steine, die über die Wasseroberfläche herausschauen oder unbehandeltes Holz als schwimmende Inseln. Im Teich kann auch sehr gut mit Wasserpflanzen wie Seerosen und Tannenwedel für Rettungspunkte gesorgt werden.
Wenn Sie eine Pflanze sehen, die Ihnen gefällt, die Sie aber nicht kennen, kann man zum Beispiel die App Flora Incognita nehmen. Das ist eine Kooperation der technischen Universität Ilmenau und dem Max-Planck-Institut Jena und sie ist eine gute Bestimmungshilfe. Außerdem gibt es in diesem Jahr ein Projekt zum Thema Biodiversität im Garten, bei dem Sie eigenständig die Pflanzen bestimmen und kartieren können. Der Aktionszeitraum läuft vom 22. Mai bis 7. Juni 2026, aber natürlich können das ganze Jahr über die Pflanzen eingestellt werden. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Internetseite der App: www.flora-incognita.de
Genau, ein Schutzgebiet, Nahrungsquelle, Nistplatz, Lebensraum und genetische Reserve. Jede blühende Ecke, jedes Altholz und der Verzicht auf chemisch-synthetischen Dünger und Pflanzenschutz zählt. Denn ein lebendiger Garten ist nicht nur schöner, sondern auch widerstandsfähiger, nachhaltiger und voller Leben. Darum gehen Sie mit offenen Augen durch Ihre Gärten, erfreuen Sie sich an allem, was blüht und erleben Sie ein kleines Stück Biodiversität vor der Haustür.

