Gartencast
Bunte Blüten im winterlichen Garten
1. Februar 2026

Vielen erscheint ein Garten im Winter trüb und trist. Doch wer genauer hinschaut, findet auch jetzt schon eine Menge bunter Blüten. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie begeben sich auf einen Rundgang durch den winterlichen Garten.

Mit überlegter Pflanzenauswahl ist ein Garten das ganze Jahr über attraktiv. Frühe Blüten bieten zudem erste Nahrung für Insekten gleich nach dem Winter. Jetzt ist die Zeit sich Anregungen für Winterblüher zu holen.

Bunte Blüten im winterlichen Garten

Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Gartencast! Mein Name ist Jeannine Steinkuhl und ich habe jetzt Isolde Keil-Vierheilig von der Bayerischen Gartenakademie bei mir. Wir widmen den Februar inhaltlich den bunten Blüten im winterlichen Garten. Vielen erscheint er ja im Winter trüb und eher trist. Aber wer genauer hinschaut, findet auch jetzt schon einige bunte Blüten. Frau Keil-Vierheilig, ist es sinnvoll, das gesamte Jahr zu betrachten, wenn es um die Pflanzenauswahl für den Garten geht?

Ja, denn dann ist er auch im Winter attraktiv. Frühe Blüten bieten zudem erste Nahrung für Insekten gleich nach dem Winter. Jetzt ist die Zeit, sich Anregungen für Winterblüher zu holen.

Können Sie uns bitte ein paar Beispiele geben?

Die letzten gelben Blüten des Winterjasmins blühen um die Wette mit recht unbekannten Gehölzen: Die weißen Blüten der Winter-Duft-Heckenkirsche (Lonicera purpusii) riechen intensiv fruchtig und zitronig. Der recht kompakt wachsende Strauch besticht mit seiner üppigen Blütenfülle und dem betörenden Duft. Leider findet man ihn nur gelegentlich in den Gärten. Ebenso selten sieht man die Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox), ebenfalls duftend, sowie die Schneeforsythie (Abeliophyllum distichum). Beide blühen creme-weiß bis hellgelb.

Schön sind auch Schneebälle – welche Empfehlungen haben Sie denn da für uns?

Da habe ich zwei weitere duftende Tipps: Duftschneeball (Viburnum farreri) und Winterschneeball Viburnum bodnantense ‘Dawn‘ sind die häufigsten Vertreter. Beim Duftschneeball erscheinen die einzelnen Blüten der nur wenige Zentimeter langen Blütenrispen im Knospenzustand erst rosa und werden dann beim Aufblühen weiß. Leider sind die Blüten durch Nachtfröste gefährdet. Deshalb ist es sinnvoll, den Duftschneeball an einem geschützten Standort zu pflanzen. Farbintensiver und größer sind die Blüten des Winterschneeballs. Seine Blüten vertragen Fröste besser. Zudem bilden sich immer wieder neue über einen längeren Zeitraum.

Auch Wildobst kann sich im Winter sehen lassen, richtig?

Ja, bald zeigen sich zum Beispiel die gelben, in dichten Büscheln sitzenden Blütchen der Kornelkirsche (Cornus mas). Als Großstrauch oder Kleinbaum kann die langsam wachsende Pflanze als Solitär stehen. Wenn sich die Insekten im Frühjahr über Nahrung freuen, können wir die roten Früchte im Spätsommer nutzen. Sinnvoll sind dann großfruchtige Sorten wie ‘Jolico‘ und ‘Kasanlaker‘. Die Wildform eignet sich für geschnittene Hecken in einem Naturgarten. Außerdem kann man sich noch bei den Kirschen die Winter- oder Schneekirsche (Prunus subhirtella ’Autumnalis‘) ansehen – weiß bis zartrosa sind die kleinen Blüten. Später erscheinen noch die filigranen Blütenfäden der Zaubernuss in rot, orange und gelb.

Zwiebelblumen und Stauden blühen jetzt auch schon – welche Farben bringen die mit?

Die Klassiker unter den Winterblühern sind Geophythen, also Pflanzen mit unterirdischen Speicherorganen. Der gelbe Winterling (Eryanthis hyemalis), weiße Schneeglöckchen in Sorten (Galanthus) und Märzenbecher (Leucojum vernum) sowie bunte Krokusse blühen eifrig und bringen erste Farbe in den Garten. Weniger bekannt sind Frühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum). Sie bilden in wintermilden Gebieten dichte Teppiche in weiß- über pink bis violettfarbenen Tönen.

Schon in Vollblüte sind Christrose und auch bald Lenzrose. Bunt leuchten die Blüten der Garten-Teppich-Primel und Kissen-Primel (Primula x pruhoniciana und [i]Primula juliae[/]), die sich ganz nahe am Boden aus der Erde schieben. Je nach Sorte sind sie in verschiedenen Farben erhältlich (weiß, hellgelb, rosa und violett). Die polsterbildenden Primeln besitzen wintergrüne Blätter, zwischen denen sich nun die bunten Farbkleckse zeigen. Die Primeln fühlen sich in der Sonne, vor allem aber unter lichten Gehölzen, wohl.

Kommen wir jetzt auf Rinden und Knospen zu sprechen – auch sie bringen Abwechslung…

Richtig! Immer dicker werden die Knospen an Gehölzen, die noch im Winter oder Frühling blühen. Bei manchen lässt sich die Blüte schon erahnen. Knospen sind keineswegs einheitlich. Bei genauerem Hinsehen besitzt oft jede Pflanzengattung eine andere typische Form und Eigenart: kugelig, länglich, spitz, klebrig, schuppig oder pelzig. In der laub- und blütenlosen Zeit lässt sich ein Gehölz oft über die Knospen bestimmen.

Fehlt das üppige Grün im Garten, fallen farbige Rinden der Gehölze auf. Verschiedene Hartriegel präsentieren besonders an den einjährigen Trieben ihre Farbenpracht: Cornus alba ‘Spaethii‘ (dunkelrot), Cornus alba ‘Sibirica‘ (korallenrot), Cornus sanguinea ‘Winter Flame‘ (rötlich bis gelborange), Cornus stolonifera ‘Flaviramea‘ (hellgelbgrün). Strahlend weiße Rinde besitzt die Himalaya-Birke (Betula utilis) und wird damit ebenso zum Hingucker wie spezielle gefärbte Fächerahorne und die mahagonifarbene Rinde mit Korkleisten von Zier- und Tafelkirschen.

Ich finde ja Spaziergänge auch immer gut fürs Ideensammeln – egal ob private Gärten oder Parks.

Genau, Augen auf beim Spaziergang! Streifen Sie durch bewohnte Gebiete und blicken Sie in die Gärten. Besuchen Sie Parks und das Außengelände botanischer Gärten. Vielleicht fällt Ihnen die ein oder andere Pflanze auf, die schon jetzt bunte Blüten zeigt. Sicherlich, die Blüten sind eher klein, aber sie leuchten wie Edelsteine im tristen Wintergrau. Planen Sie bei der Gartengestaltung auch Winter- bzw. Vorfrühlingsblüher mit ein. Dann wird es auch ein Vier-Jahreszeiten-Garten, der das ganze Jahr über attraktiv bleibt.

Dankeschön, Fr. Keil-Vierheilig! Und auch bei Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, möchten wir uns herzlich bedanken. Hören Sie auch gern beim nächsten Gartencast wieder rein – es lohnt sich! Bis dahin wünschen wir Ihnen eine gute Zeit – ciao!