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Bewährte Apfelsorten für den Streuobstanbau
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Großkronige Obstbäume prägen das Landschaftsbild. Sie erfreuen uns durch ihre Blütenpracht und oftmals reiche Ernte. Außerdem sind sie wichtige Rückzugsgebiete für viele Tiere.

Die Sortenvielfalt sorgt für ungespritztes Tafelobst, liefert aber auch einen besonderen Rohstoff für die Verarbeitung zu Saft, Most und Edelbrand.
Aus dem reichen Sortiment können hier nur die wichtigsten Sorten aufgeführt werden, die um regionale Varietäten zu ergänzen sind.

Sämtliche genannten Sorten sind für Sämlingsunterlagen besonders geeignet und daher für den Streuobstbau empfehlenswert. Sie lassen sich ebenfalls in günstigen Klimaten verwenden. Auf mittelstarken bzw. schwächeren Unterlagen sind sie auch für den Hausgarten denkbar.

Erläuterungen zur Ernte

• Pflückreife: früh = August, mittel = September, spät = Oktober
• Früchte durchpflücken (zwei bis drei Erntegänge), wenn die Grundfarbe von grün nach grüngelb umschlägt.
• Früchte für die (Langzeit-)Lagerung knapp reif ernten. Dies gilt auch für sehr süße Sorten, die dann etwas mehr Säure und Aroma aufweisen. Sie bauen auf dem Lager ab (Festigkeit und Säure lassen nach)!
• Früchte für den Sofortverzehr am Baum voll ausreifen lassen.

Teil 1: Apfelsorten - auch noch für rauere Lagen

Forciert werden sollten schorfresistente Sorten. Sie sind geschmacklich gut und besitzen vielseitige Verwendungsmöglichkeiten. Viele sind inzwischen auch als Hoch- und Halbstämme erhältlich. Erste Erfahrungen im Streuobstbereich zeigen: die Erträge sind früh, regelmäßiger und meist hoch mit einem hohen Anteil an Tafelfrüchten. Viele Re-Sorten sind außerdem weitgehend robust gegenüber Mehltau. Sie lösen somit viele Probleme. Sie sind diploid; „herkömmliche“ Sorten kommen als Befruchter ebenfalls in Frage.

Teil 2: Apfelsorten für wärmere bzw. geschützte Lagen

Außerdem können die schorfresistenten Apfelsorten besonders empfohlen werden (siehe Teil 1)! In wärmeren Lagen erreichen sie zudem noch bessere Fruchtqualitäten.

„Pi“- Sorten

„Pi“- Sorten zeigen in wärmeren Klimaten (in trockenen Anbaugebieten) eine tolerierbare Anfälligkeit gegen Schorf und Mehltau, außer 'Pinova', die mehr anfällig ist.
Sie alle sind geschmacklich hochwertig und vielseitig verwendbar. Die Sorten sind diploid und ertragreich.
  • 'Piros' und 'Pia': frühe Pflückreife, lagerfähig bis November. Beide Sorten sind früher als 'Jakob Fischer', geschmacklich gut, relativ robust (außer Krebs)
  • 'Pirella' (= 'Pirol'): mittlere Pflückreife, lagerfähig bis Dezember. Attraktive große Frucht, süß-säuerlich mit feinem Aroma.
  • 'Pilot': späte Pflückreife, lagerfähig bis Mai. Erst ab Dezember genussreif, dann geschmacklich gut und nicht mehr so fest. Sehr gute Lagerfähigkeit.
Weitere Sorten sind inzwischen im Handel, z. B. 'Piflora' (Herbstsorte), 'Pingo' ('Idared'-ähnliche Lagersorte). Die Verwendung im Streuobstanbau ist noch nicht über einen längeren Zeitraum erprobt, versuchsweise jedoch empfehlenswert.

Hinweise

• Nicht in den Streuobstbestand gepflanzt werden sollten stark anfällige oder im Anbau sehr problematische Sorten wie 'Jonagold', 'Golden Delicious', 'Gala', 'Elstar', 'Cox Orange', 'Rubinette' oder Sorten, die bei uns nicht genügend reifen (z. B. 'Granny Smith', 'Braeburn', 'Fuji').
• Sorten für raue Lagen (Teil 1) können in wärmeren Klimaten ebenfalls Verwendung finden, wo sie meist auch bessere Fruchtqualitäten erreichen.
• Triploide Sorten sind keine Pollenspender.
• Es gibt über 1.000 Apfelsorten in Deutschland. Somit erheben die Listen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es handelt sich um in vielen Regionen bewährte Sorten. Darüber hinaus sind regionale Sorten ebenfalls zu beachten.
• Detaillierte Sortenbeschreibungen finden Sie in Fachbüchern oder Literatur der Pomologen-Vereine.
• Die Geschmacksausprägung der Früchte schwankt je nach Baumbehang, Erntezeitpunkt, Standort und Baumpflege (Schnitt, Schaderreger). In älterer Literatur werden v. a. Geschmackseigenschaften eher "wohlwollend" beschrieben.