Forschungs- und Innovationsprojekte
Urban Gardening – Nahrungsmittelproduktion auf überbauten Flächen

 Florian Demling mit Grünkohl und Geschirr auf dem Dach.
Durch die Bevölkerungsentwicklung in Ballungsräumen und damit verbundene zunehmende Überbauung mangelt es an Grünflächen in der Stadt. Gleichzeitig zeigt der Trend des Urban Gardening den Wunsch zur lokalen Nahrungsmittelproduktion im Siedlungsbereich. Der Bezug zur Erzeugung von Nahrungspflanzen kann so hergestellt werden und schafft einen intensiveren Umgang mit Gesundheit, Umwelt und sozialer Integration. Mobile Gemüsegärten und Gärtnern auf dem Balkon bieten kleine Perspektiven zur essbaren Stadt. Doch Gebäude eignen sich auch längerfristig für eine essbare Begrünungsalternative. Dach- und Fassadenbegrünungen können für die Nahrungsmittelproduktion auf überbauten Flächen im Siedlungsbereich genutzt werden. Durch Urban landscaping werden auch noch Lebensräume für Tier und Mensch geschaffen.

Zielsetzung

Ziel war es Bauwerksbegrünungen zur Nahrungsmittelproduktion zu untersuchen. Dabei sollten extensive Dachbegrünungen in ein neues System für einen Anbau von essbaren Pflanzen umgestaltet. Auch an wandgebundenen Fassadenbegrünungen (Living Walls) sollte die Produktion mit unterschiedlichen Systemen untersucht werden. Neben der Auswahl geeigneter Kulturpflanzen mit optimierter Kulturführung sollen ökologische und ökonomische Aspekte der Systeme betrachtet werden.

Methodik

Dabei wurden unter anderem ehemals extensive Dachbegrünungen mit Zusatzbewässerung und Dünger so ausgestattet, dass dort verschiedene Gemüsearten wachsen. Bereits in ersten Versuchen wurde festgestellt, dass nahezu alle Gemüsearten auf diesen Systemen wachsen können. Neben einer Dachfläche des Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbaus wurde eine Vergleichsfläche bei der Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) in Würzburg genutzt. Dazu wurde eine ehemals extensive Dachbegrünung mit 8 cm neuem Dachsubstrat ausgestattet und mit verschiedenen Gemüsearten und Mischungen kultiviert. Im Jahr 2018 wurden sowohl eine herkömmliche (regionale) als auch eine Asia-Gemüse-Mischung konzipiert und auf den Dachflächen ausgebracht. Je Parzelle von wurden Chili, Paprika, Aubergine, Okra und Thai-Chili-Pflanzen in der Asia-Mischung gepflanzt. Weitere Arten wurden in einer Mischung direkt gesät.
In einem Versuch wurden 24 Dachmodelle mit verschiedenen Systemaufbauten ausgestattet. Hier wurden Wasserbilanzen erstellt und die Pflanzenentwicklung von verschiedenen Mischpflanzungen getestet.
Im Rahmen des Projektes wurden verschiedene Living Walls Systeme mit Gemüse getestet. Im Rahmen eines Urban Gardening Demonstrationsgartens am Forstamt Erlangen wurden zwei weitere Systeme installiert und getestet. Eines war auch ein professionelles System und ein weiteres wurde aus Paletten von der LWG selbst gebaut.

Endergebnisse Sommer 2019

Bestehende Systeme Dach- und Fassadenbegrünungen können durch Umgestaltung mit Dünger und Wasser vielfältig für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. Urban Gardening kann somit auch dauerhaft in der Stadt verankert werden.
Bei den Dachmodellen wurde festgestellt, dass vor allem bei der Düngung über das Substrat auf eine ausreichende Bewässerung von oben zu achten ist. Während im System mit Düngung über die Bewässerung die Tomaten mit rund 10 kg/m² geerntet wurden, kam es bei der mineralisch und bei der organischen Düngung über das Substrat lediglich zu Erträgen von 6 bis 7 kg/m². Im trockenen Sommer konnte daher der Dünger im Substrat über die Tropfschläuche nicht ausreichend umgesetzt werden. Die Nutzung eines Kreislaufsystems spart auf dem Gemüsedach rund 30% Wasser ein. Auch Düngerauswaschungen ins Grundwasser werden verhindert. In einem Tastversuch auf Kisten wurde festgestellt dass die Empfehlung für extensive Dachbegrünungen mit 5 g N/m² für eine Gemüsekultur wie Namenia oder Spinat nicht ausreichend ist.
Die (regionale) Gemüse-Mischung und die Asia-Gemüse-Mischung entwickelten sich auf dem Dach in Veitshöchheim sehr gut. Die Mischungen waren optisch ansprechend und hatten eine gute Deckung auf der Dachfläche. Bei den beiden Dachflächen in Würzburg und Veitshöchheim wurden keine Schwermetalle (Blei, Cadmium) über der Nachweisgrenze festgestellt. Das dort gewachsene Gemüse war bezüglich der Schwermetallbelastung also unbedenklich.
Die Living Walls Systeme, die normalerweise mit Stauden ausgestattet werden, eignen sich vor allem für Kräuter und Erdbeeren. Im Versuch wurden auch Gemüsearten wie Kohlrabi und Salat getestet. Für diese Pflanzen eigenen sich vor allem Systeme mit Rinnen oder großen Gefäßen, damit Pflanzen leichter ausgetauscht werden können. Die Flächenerträge sind in den Systemen stark von der Anzahl der Pflanzstellen abhängig.

Poster

Eine Posterserie rund um das Thema "Urban Gardening" zum Ausdrucken für Ihre Veranstaltungen finden Sie unter "Publikationen"; dort das Thema Bauwerksbegrünung und unter Typ Poster anklicken oder einfach im freien Suchfeld Gemüse eingeben.

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Projektziel: Entwicklung und Vergleich wandgebundener Fassadenbegrünungen zur Nahrungsmittelproduktion
Projektleitung: Jürgen Eppel
Projektbearbeiter: Florian Demling, Rainer Berger
Laufzeit: 01.04.2016 bis 31.03.2019
Finanzierung: Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: KL/16/01
Projektziel: Optimierung von Anbausystemen zur Nahrungsmittelproduktion auf extensiven Dachbegrünungen
Projektleitung: Jürgen Eppel
Projektbearbeiter: Florian Demling, Rainer Berger
Laufzeit: 01.04.2016 bis 31.03.2019
Finanzierung: Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: KL/16/01
Projektziel: Entwicklung eines Anbausystems zum Anbau geeigneter Nutzpflanzen auf extensiven Dachbegrünungen
Projektleitung: Jürgen Eppel
Projektbearbeiter: Florian Demling, Kornelia Marzini, Wilhelm Schubert
Laufzeit: 01.07.2013 bis 29.02.2016
Finanzierung: Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: EW/13/56