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Erdbeeren
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Erdbeeren gehören zu den beliebtesten Früchten. Als erste Frucht in den heimischen Gärten genießt die Erdbeere eine besondere Stellung: genussvoll und aromatisch und dazu noch gesund. Mit ein paar Tipps hat man viel Freude an der süßen Naschfrucht.

Geschichte

Die Vorfahren unserer heutigen Kulturerdbeere sind die Chile-Erdbeere und die aus Amerika stammende Scharlach-Erdbeere. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden diese von einem französischen Kapitän und Hobbybotaniker nach Frankreich gebracht. Um 1750 entstand aus einer Kreuzung der beiden Arten eine Hybride, die wegen ihres Aussehens und Geschmacks von den Holländern Ananas-Erdbeere genannt wurde.

Botanik

Fragaria x ananassa gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Die Frucht ist eine Sammelscheinfrucht und die eigentlichen Samen sind die kleinen Nüsschen außen an der Frucht. Die meisten Sorten sind zwittrig. Auch bei zwittrigen Sorten erhöht der Anbau verschiedener Sorten den Ertrag. Bei rein weiblichen Sorten (z.B. 'Mieze Schindler') ist das Pflanzen einer Befruchtersorte in der gleichen Reihe notwendig. Die Befruchtung erfolgt durch Insekten.

Boden und Klima

Erdbeerpflanzen brauchen einen sonnigen, nicht zu windigen Standort, damit sie gesund bleiben und die Früchte ausreifen können. Ein lockerer, tiefgündiger und humusreicher Boden ist eine ideale Grundlage für ein gutes Wachstum der Erdbeere. Staunasse Böden sind ungeeignet, da sich hier Wurzelkrankheiten vermehrt ausbreiten. Bei sandigen Böden ist eine ausreichende Bewässerung und Humuszufuhr wichtig. Der pH-Wert des Bodens sollte neutral bis schwach sauer sein, um einen Spurenelementmangel zu vermeiden. Bei schwereren Böden ist ein Anbau auf Dämmen sinnvoll. Dazu werden zwei bis drei Wochen vor der Pflanzung 20 cm hohe Dämme aus humoser Erde aufgeschüttet.

Fruchtfolge

Erdbeeren sollten erst nach vier bis fünf Jahren wieder auf das gleiche Beet gepflanzt werden, um eine Anreicherung von erdbeerspezifischen Schadorganismen zu vermeiden. Bereits bei der Anbauplanung im Winter ist zu beachten, dass Ende Juli genügend freie Pflanzfläche für neue Erdbeerbeete zur Verfügung steht. Ansonsten können die Jungpflanzen auch in Balkonkästen gepflanzt werden. Ideal als Vorfrucht sind Gemüsearten mit kurzer Kulturdauer z. B. Kohlrabi, Salate und Radieschen. Winterroggen im September des Vorjahres gesät oder Tagetes aus der Patula-Gruppe verhindern die Anreicherung von schädlichen Wurzelpilzen und Nematoden.

Anbau und Pflege

Um qualitativ hochwertige Früchte sowie einen zufriedenstellenden Ertrag zu erzielen, empfiehlt es sich, die Standzeit eines Erdbeerbeetes auf zwei Jahre zu begrenzen. Ende Juli/Anfang August wird gepflanzt. Der Pflanzabstand in der Reihe beträgt 25 bis 30 cm, der Reihenabstand 40 cm. Als Jungpflanzen können eigene Ausläufer gesetzt werden, sofern die Mutterpflanzen gesund sind.
Ansonsten ist es notwendig, Jungpflanzen zu kaufen. Diese sind in der Regel getopft und wachsen nach dem Einpflanzen zügig weiter. Generell ist es ratsam, nach einigen Jahren der Eigenvermehrung neue Erdbeerpflanzen zu kaufen, da sich durch die eigene Anzucht die positiven Sorteneigenschaften abbauen, außerdem können neue Sorten ausprobiert werden.
Während der Anwachsphase und bei trockener Witterung benötigen die jungen Erdbeerpflanzen regelmäßig Wasser. Ein Mulchen der Beete mit einer dünnen Schicht angetrockneten Rasenschnitts spart das Hacken und der Boden bleibt gleichmäßig feucht.
Im Frühjahr können durch das Entfernen des alten, trockenen Laubs Pilzkrankheiten reduziert werden. Anschließend wird der Boden flach gelockert und bei Trockenheit gewässert. Während der Blüte die Pflanzen mit Stroh unterlegen. Das verhindert ein Verschmutzen der Früchte und verringert die Gefahr von Grauschimmel. Außerdem spart es Hack- und Gießarbeit.
Ein Rückschnitt des alten Laubs nach der Ernte sorgt für einen gesunden Neuaustrieb. Dabei ist zu darauf zu achten, dass das Herz der Erdbeerpflanze stehen bleibt. Sollen eigene Jungpflanzen gewonnen werden, darf das alte Laub erst nach dem Verpflanzen der Ausläufer entfernt werden. Auch während dieser Zeit fördern flaches Hacken und Wässern bei Trockenheit das Pflanzenwachstum.

Sortenwahl

Im gängigen Erdbeersortiment werden drei Arten unterschieden: die Gartenerdbeere, die Monatserdbeere und die Erdbeerwiese. Die Gartenerdbeere teilt sich nochmals in einmaltragende und mehrmalstragende Sorten sowie aromatische Liebhabersorten auf. Die ideale Erdbeersorte ist mittelgroß, rot durchgefärbt, fest, mit gutem Geschmack und robust gegen Krankheiten.

Einmaltragende Gartenerdbeere

Die einmaltragende Gartenerdbeere ist die wichtigste Erdbeerart im Hausgarten und im Erwerbsanbau. Dementsprechend viele Sorten werden angeboten. Empfehlenswerte einmaltragende Erdbeersorten:
  • Frühe bis mittelfrühe Sorten: 'Honeoye', 'Darselect', 'Daroyal', 'Lambada', 'Kent', 'Polka', 'Korona', 'Sonata'
  • Mittelspäte bis späte Sorten: 'Mieze Schindler', 'Salsa', 'Symphony', 'Eliany', 'Florence'

Remontierende (mehrmals tragende) Sorten

Remontierende (mehrmals tragende) Sorten Erdbeersorten sind tagneutral und tragen nach der ersten Ernte im Juni/Juli nach einer Ruhepause erneut Früchte bis in den Herbst. Diese Früchte sind aber kleiner und es sind weniger als bei der ersten Ernte. Soll die Herbsternte besser ausfallen, so müssen die Blütenstände für die Frühsommerernte entfernt werden. 'Selva', 'Muir' und 'Mara de Bois', aber auch 'Ostara' sind ansprechende remontierende Sorten für den Hausgarten.

Aromatische Liebhabersorten

Aromatische Liebhabersorten sind in der Regel alte Sorten wie 'Direktor Paul Wallbaum' und 'Mieze Schindler'. Diese hocharomatischen Erdbeersorten sind allerdings nicht selbstfruchtbar und benötigen eine Befruchtersorte.

Monatserdbeere

Die Monatserdbeere stammt von der Walderdbeere ab und kann nur durch Samen vermehrt wer-den. Die Pflanzen sind sehr robust und bringen von Juni bis Oktober wohlschmeckende kleine Früchte hervor. Am geläufigsten ist die Sorte 'Rügen'. Die Sorte 'Alexandria' hat größere Früchte. Monatserdbeeren eignen sich besonders gut als Weg- oder Beeteinfassung.

Erdbeerwiese

Die Erdbeerwiese ist eine Kreuzung aus der Gartenerdbeere und der Monatserdbeere. Sie bildet schon im Pflanzjahr eine dichte Pflanzendecke durch starke Ausläuferbildung. Die Früchte sind etwas kleiner als bei der Gartenerdbeere und der Ertrag ist geringer. Die Kulturdauer der Erdbeer-wiese beträgt sechs bis acht Jahre. Empfehlenswerte Sorten sind 'Florika' (starkwachsend) und 'Spadeka'.

Balkon- und Ampelbepflanzungen

Für Balkon- und Ampelbepflanzungen eignet sich besonders die Erdbeersorte 'Elan', wobei es sich bewährt hat, hier mehrere Sorten zu pflanzen.

Bodenvorbereitung und Düngung

Da die Erdbeere am liebsten in einem lockeren, humosen, tiefgründigen Boden wächst, sollten leichte Böden mit Kompost (3 l/m²) und organischen Düngern (z.B. Hornmehl) versorgt werden. Schwere Böden können ebenfalls durch 3 l/m² Kompost und Sand verbessert werden.
Zur Pflanzung können 35 g/m² Hornmehl oder 20 g/m² Ammonsulfatsalpeter (bei leichten Böden in zwei Teilgaben im Juli und August) eingearbeitet werden. Im Frühjahr empfiehlt sich auf leichten Böden oder bei schwachem Pflanzenbestand eine Düngung mit 15 g/m² Hornmehl oder 7 g/m² Ammonsulfatsalpeter. Im Folgejahr wird nach der Ernte im Juli mit 30 bis 45 g/m² Hornmehl (in einer Gabe leicht einarbeiten) oder 15 bis 20 g/m² Ammonsulfatsalpeter (bei leichten Böden in zwei Gaben im Juli und August) gedüngt.

Pflanzenschutz

Erdbeeren sind einfach zu kultivieren. Wichtig sind: robuste Sorten, ein weiter Pflanzabstand, mäßige Stickstoffdüngung und das konsequente Entfernen von kranken Blatt- und Pflanzenteilen.
Grauschimmel (Botrytis) ist die häufigste Krankheit an Erdbeeren. Besonders bei Regenwetter und zu dichtem Bestand kann der Pilz erhebliche Verluste verursachen. Befallene Früchte müssen regelmäßig entfernt werden. Zusätzlich reduziert das Unterlegen mit Stroh oder eine Pflanzung in Mulchfolie die Infektionsgefahr. Vereinzelt sind Weißflecken, Rotflecken und Echter Mehltau möglich, die jedoch keinen nennenswerten Schaden anrichten.Bei schweren, nassen Böden können Wurzelkrankheiten, verursacht durch verschiedene Bodenpilze, auftreten. Wer ungünstige Bodenverhältnisse hat, aber auf eigene Erdbeeren nicht verzichten will, kultiviert sie am besten in Ampeln oder Balkonkästen.
Von den tierischen Schädlingen verursachen erfahrungsgemäß nur Schnecken und Asseln Fraßschäden. Eine regelmäßige Kontrolle ist unerlässlich. Vor Vogelfraß schützen Netze. Durch Frost und mangelnde Befruchtung können gelegentlich Krüppelfrüchte vorkommen.

LfL-Merkblatt "Erdbeeren - Krankheiten und Schädlinge" Externer Link

Verwendung

Die Erdbeere ist aufgrund ihres hohen Vitamingehaltes eine sehr wertvolle Frucht. Ihr angenehmer Geschmack macht sie zu einem Favoriten unter den Obstarten. Sie findet roh oder gekocht Verwendung, als Kuchenbelag, Kompott, Fruchtsauce, Marmelade und Süßspeise. Selbst in pikanten Gerichten macht die Erdbeere eine gute Figur.
Erdbeeren gehören zu den empfindlichsten Früchten und sollten deshalb schonend behandelt werden. Den typischen Erdbeergeschmack bekommt man nur, wenn sie im vollreifen Zustand geerntet werden. Erdbeeren reifen nicht nach.
Die Früchte werden mit Stiel und Kelch geerntet und vorsichtig gewaschen. Erdbeeren sind sehr druckempfindlich. Ein harter Wasserstrahl kann die Früchte verletzen, sie verlieren an Saft und Aroma. Nach dem Waschen werden Stiel und Kelch vorsichtig entfernt. Der Kelch verhindert, dass Wasser beim Waschen in die Früchte dringt und sie dann wässerig schmecken. Um Geruch, Geschmack und Farbe besser zu erhalten, werden Erdbeeren beim Einfrieren mit Zucker (50 g Zucker auf 500 g Früchte) bestreut. Bei der weiteren Verwendung ist diese Zuckerzugabe zu beachten. Tiefgekühlt sind Erdbeeren acht bis zehn Monate haltbar.

Bezugsquellen

In Baumschulen und Gartencentern, sowie bei folgenden Erdbeervermehrungsbetrieben sind die genannten Sorten erhältlich:


Erdbeerhof Zehelein-Schemm, Ehe 10, 91456 Diespeck (nur Direktverkauf)
Tel.: 09161/9741
Internet: Externer Link


Erdbeervermehrungsbetrieb Hege GbR, Neuzeilsheim 19, 68526 Ladenburg (Hofladen und Versand: Dieser Betrieb bietet von April bis Ende Juni Frigopflanzen an. Ab Anfang August getopfte Grünpflanzen.)
Tel.: 06203/3559
Internet: Externer Link

Frigopflanzen sind Ausläufer, die erst im Spätherbst gerodet, entblättert und bei -2 °C tiefgekühlt werden. Frigopflanzen sind preisgünstiger und können ab Mai/Juni gepflanzt werden. Im Pflanzjahr ist nur ein kleiner Ertrag zu erwarten. Der Hauptertrag liegt im zweiten Standjahr. Frigopflanzen werden in der Regel nur für den Erwerbsgärtner angeboten.


Spargel-Erdbeeren Springensguth GbR, Rodenweg 36, 33415 Verl (Versand und Direktverkauf)
Tel.: 05207/77772
Internet: Externer Link


N.L.Chrestensen, Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH, Witterdaer Weg 6,
99092 Erfurt
Tel.: 0361/2245-0
Internet: Externer Link