Nachbericht zur Veranstaltung vom 29.09.2022
Bayerischer Azubitag Ökogartenbau zieht Azubis aller Sparten nach Bamberg

Bei traumhaftem Herbstwetter war der 1. Bayerische Azubitag Ökogartenbau ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Am Donnerstag, 29. September 2022 lud das Kompetenzzentrum Ökogartenbau der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) die bayerischen Azubis, die derzeit in einer Sparte des Produktionsgartenbaus eine Ausbildung absolvieren, nach Bamberg ein, um sich zu wichtigen Themen des Ökoanbaus auszutauschen. Dabei spielte es keine Rolle, ob der Ausbildungsbetrieb biologisch oder konventionell wirtschaftet. Der frühherbstliche Sonnentag eignete sich gut, um das Gelände der LWG kennenzulernen und bei spartenübergreifenden Workshops aktiv mit Referentinnen und Referenten der LWG, der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ) und Azubis aus anderen Ecken Bayerns in Kontakt zu treten.

Begrüßung unter freiem Himmel

Im Eingangsbereich begrüßte das Team des Kompetenzzentrum Ökogartenbau und Teresa Lukaschik, Bildungsreferentin der LVÖ, die 36 Auszubildenden, die am Morgen aus ganz Bayern angereist waren. Kurz vorgestellt wurde das seit Jahresbeginn an der LWG installierte Kompetenzzentrum Ökogartenbau als Baustein des Programms BioRegio 2030, welches den ökologischen Gartenbau in Bayern in allen Sparten des Produktionsgartenbaus stärken und weiterentwickeln soll. Im praxisnahen Versuchswesen setzt das Team auf das sogenannte „On Farm Research“ und führt Versuche in enger Zusammenarbeit mit Praxispartnern durch. Mit einem Standogramm, bei der sich die Anwesenden räumlich nach vorgegebenen Fragen wie zum Beispiel dem Standort des Ausbildungsbetriebes oder der Lieblingspflanze nach Alphabet positionierten, wurde das Kennenlernen untereinander erleichtert. Hierbei stellte sich auch heraus, dass alle Sparten des Produktionsgartenbaus (Baumschule, Gemüsebau, Obstbau, Staudengärtnerei, Zierpflanzenbau) nahezu gleichwertig vertreten waren.

Versuchsarbeit der LWG im Fokus

Um sich weiter anzufreunden und auch das gastgebende Gelände näher kennen zu lernen führten Patrick Nastvogel und Nicolas Müller (beide LWG-IEF3) über den Versuchsbetrieb und stellten der sehr interessierten Gruppe die aktuell laufenden Forschungstätigkeiten im Bioanbau vor. Nahezu an jeder Station entwickelten sich spannende Gespräche zu den Versuchen und die LWG-Experten erhielten wertvollen Input aus den Praxisbetrieben. Zur Demonstration von weiteren anbauwürdigen Pflanzenarten im Gartenbaubetrieb konnte eine angelegte Fläche mit Färberdisteln besichtigt werden, aus denen das hochwertige Distelöl produziert werden kann.
Auf reges Interesse stieß hierbei etwa auch der Anbau von Kichererbsen, Soja und Linsen als Leguminosenfrüchte in der gärtnerischen Kulturfolge, der Einsatz von Winterbegrünungen und Untersaaten, und schließlich die Förderung von Nutzinsekten, welche in Bamberg auf unterschiedlichste Weise praktiziert wird. Während der Pausen mit Bio-Verpflegung konnte die Netzwerkarbeit bei einem eigenständigen Rundgang durch den Gemüsebauversuchsbetrieb intensiviert werden. Das große Interesse am Bioanbau vereinigte alle Teilnehmenden während der Rundgänge.

Workshops gestalten einen aktiven Tag

Anschließend wurden sechs Workshops angeboten, aus denen die Teilnehmenden im Vorfeld der Anmeldung je nach Interessengebiet wählen konnten. In Kleingruppen erfolgte dann eine Teilnahme an den Workshops, welche durch Mitarbeitende der LWG geleitet wurden. Das Angebot war so gewählt, dass jede Sparte abgedeckt wurde und es ebenso möglich war, sich mit den Thematiken aus anderen Sparten vertraut zu machen.

Das große Krabbeln – Freund oder Feind?
Im Workshop zum Nützlingseinsatz im Zierpflanzenbau "Das große Krabbeln – Freund oder Feind?" erklärte Thomas Schneider (LWG-IEF1) das Züchten von Nützlingen und deren Einsatzgebiete. Hautnah konnten über Mikroskope vielerlei Nützlinge betrachtet und sich darüber ausgetauscht werden. Vor allem in den Sparten Zierpflanzenbau und Gemüsebau ist der Einsatz von Nützlingen eine der wichtigsten Tätigkeiten innerhalb des biologischen Pflanzenschutzes. Der Einsatz wird sich auch für weitere Sparten zunehmend attraktiver.
Nützlings- und Schädlingsmonitoring
Im thematisch ähnlichen Workshop zum Nützlings- und Schädlingsmonitoring im Gemüsebau zeigte Patrick Nastvogel (LWG-IEF3) verschiedene Möglichkeiten zur Schädlingsüberwachung. Auf Interesse stießen hierbei vor allem die digitalen Möglichkeiten, die Schädlinge mithilfe von Apps durch Abscannen von Gelbtafeln oder über Kameras und Drohnen erkennen und daraufhin in Diagrammen den Schädlingsdruck darstellen.
Kulturführung im Ökoobstbau
Im Workshop zum biologischen Obstbau verdeutlichte Jonas Maußner (LWG-IEF3) die Besonderheiten in der Kulturführung von Ökoobst und bearbeitete mit den teilnehmenden Auszubildenden verschiedene Fragestellungen wie zum Beispiel zu biologischen Düngemitteln und dem Monitoring in Bestandsanlagen. Ein Highlight war die Verkostung von alten Apfelsorten, darunter auch rotfleischige, die den Teilnehmenden verdeutlichten, wie unterschiedlich diverse Äpfel schmecken können.
Mechanische Beikrautregulierung durch Robotik
Beim Workshop zur mechanischen Beikrautregulierung durch Robotik mit Lina Schardey (LWG-IEF1) konnten die Azubis zwei autonom fahrende Hackroboter, den Dino von Naio Technologies und den Farming GT (W5) der deutschen Firma Farming Revolution kennenlernen, diese eigenständig steuern und im Gespräch über Pro, Contra und die bisherigen Ergebnisse des laufenden Forschungsprojekt fachsimpeln.
Boden und Düngung – Nitratbestimmung mit dem Nitrachek-Schnelltest
Andrea Spirkaneder (LWG-IEF3) führte im Workshop "Boden und Düngung – Nitratbestimmung mit dem Nitrachek-Schnelltest" verschiedene Werkzeuge für die Entnahme einer Bodenprobe vor, die auch vor Ort direkt eigenhändig getestet werden konnten. Im Anschluss wurde der Stickstoffgehalt der Bodenprobe mit dem Nitrachek-Schnelltest direkt am Feld bestimmt, und es wurde sich über die Bedeutung der Düngung, speziell des Stickstoffs, innerhalb des Gartenbaus ausgetauscht.
Agroforst – Landnutzungssystem der Zukunft?
Ein für alle Sparten interessantes Anbausystem stellte Nicolas Müller (LWG-IEF3) vor, der den Workshop zum Agroforst als Landnutzungssystem der Zukunft leitete und einen Überblick über die Thematik verschaffte. Abschließend konnten die in Agroforstanlagen häufig genutzten Baumarten anhand von Baumschulware inspiziert werden und in Gruppenarbeit mögliche Agroforstsysteme geplant werden.

Zwischen den beiden Workshop-Phasen gab es eine netzwerkbildende Mittagspause, bei der sich die Azubis bei Bio-Verpflegung in der schönen Herbstsonne auf dem Gelände des Gemüsebauversuchsbetriebs austauschen konnten.

World Café: Vertrauliches Miteinander mit Café-Atmosphäre

Dass der Austausch in Gruppen verschiedene Meinungen hervorrufen kann, zeigte ein halbstündiges World Café als Feedback-Runde, bei dem die Auszubildenden im Speed-Dating-Verfahren miteinander ins Gespräch kamen. Zu bearbeiten gab es währenddessen verschiedene Fragestellungen, die in einzelnen Stationen zum Nachdenken anregten. Auf Tischen definiert konnte hierbei der Tag auf Plakaten resümiert und die Kommunikation untereinander gestärkt werden. Konkrete Wünsche aus der Runde waren unter anderem der Vorschlag für eine weitere Auflage des Azubitags an wechselnden Standorten, die weitere Verfestigung des Bioanbaus in der schulischen Ausbildung und die spartenübergreifende Themenauswahl beim Workshopangebot.

Abschlussrunde bestätigt Bedeutung für Azubis

Viele Azubis konnten neue Kontakte außerhalb ihres täglichen Arbeitsumfeldes knüpfen und wollen in Eigeninitiative in engem Austausch bleiben. Dank geht auch an alle Ausbildungsbetriebe, die ihre Azubis freigestellt haben und diese so im Gegenzug wertvollen Input aus dem Tag in den Betrieb einbringen können.
Gefördert wurde die gärtnerische Netzwerk- und Fortbildungsveranstaltung von der Seidlhof-Stiftung und in Zusammenarbeit von dem Kompetenzzentrum Ökogartenbau der LWG und der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. organisiert. Die Veranstaltung soll aufgrund der positiven Resonanz im Jahr 2023 definitiv in eine weitere Runde gehen.