Kompetenzzentrum Ökogartenbau
OnFarm-Versuch zur frühen Waschmöhre gestartet

Das Team des Kompetenzzentrums Ökogartenbau der LWG hat in Zusammenarbeit mit der Beratung der Öko-Anbauverbände einen ersten Praxisversuch auf den Flächen eines Partnerbetriebes im Landkreis Haßberge angelegt. Im Rahmen des Versuchs werden verschiedene Parameter des Pflanzenwachstums durch das Team beobachtet und dokumentiert, um der Praxis nachfolgend wertvolle Ergebnisse und Sortenempfehlungen für den Anbau von frühen Waschmöhren bereitzustellen.

Absatzstärkste Freilandkultur im Fokus

Die Möhren des angelegten gemüsebaulichen On Farm-Versuchs des Kompetenzzentrums Ökogartenbau zeigen sich bereits mit ihren ersten Laubblättern. Die Möhre, welche 2021 mit deutschlandweit 3.091 Hektar die größte biologische Anbaufläche vorzuweisen hatte, wird gerne als Einstiegskultur von umstellenden Betrieben nachgefragt. Weiterhin glänzt das Wurzelgemüse mit einem hohen ernährungsphysiologischen Wert und wird je nach Bodenart auf flachen Beeten oder auf angelegten Dämmen angebaut. Der Dammanbau fördert vor allem bei schwereren Böden das gerade Wachstum der Möhre, vereinfacht die maschinelle Ernte und fördert die Erwärmung des Bodens. Auch werden die Wurzeln bei Starkregenereignissen vor stauender Nässe geschützt.

Anbaufähigkeit muss bewiesen werden

Der gesäte Versuch umfasst 16 Sorten, die von acht Züchtern stammen und als frühe Waschmöhre geerntet werden können. Drei Sorten sind samenfest. Die Sorten müssen in regelmäßigen Bonituren ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen, da der Fragestellung nachgegangen wird, welche Waschmöhrensorte im Bereich von ca. 110 Wachstumstagen für die maschinelle Rodung im biologischen Anbau besonders geeignet ist. Neben der Ertragsleistung sollen auch weitere Qualitätsparameter wie die Innenfarbe, der Geschmack und der Brix-Wert ermittelt werden. Für Direktvermarkter wird auch die Eignung als Bundmöhre spezifiziert. Hier muss das Laub bis zur Ernte nahezu vollständig gesund sein und bei der Ernte am Rübenkörper verbleiben.

Enge Partnerschaft mit dem Praxisbetrieb

Aussaat auf den Flächen des Praxisbetriebs
Bereits am 28. März wurde der Versuch in Zusammenarbeit mit einem Biolandbetrieb aus dem Landkreis Haßberge in Einzelkornablage auf Dämmen ausgesät. So wird das Sortenspektrum direkt auf etablierten Praxisflächen getestet. Die Saat auf den Dämmen erfolgte zweireihig mit einem Abstand zwischen den beiden Reihen von 7 cm. Die Dammbreite beträgt 75 cm. Je Damm wurde auf einer Länge von 200 m eine Sorte ausgesät, um eine klare Aussage zu jeder Sorte treffen zu können. Je Hektar wurde eine Saatstärke von 1,3 Millionen Körner gewählt. Das Feld liegt auf einer windoffenen Lage, die aus der Sicht der Pflanzengesundheit wichtig ist. So trocknet der Pflanzenbestand schneller ab und Krankheiten, vor allem Pilzkrankheiten, breiten sich schlechter aus. Ebenso findet die Möhrenfliege in windigen Lagen keine optimalen Bedingungen.

Gemüsebau-Azubis ebenfalls beteiligt

Dammvorbereitung der Azubis unter Anweisung
Der gleiche Versuch wurde sieben Tage zuvor von den drei Auszubildenden des Gemüsebauversuchsbetrieb der LWG in Bamberg als Azubi-Projekt ausgesät, welche so den Kulturablauf kennenlernen und in die Arbeitsweise der genutzten Maschinen eingewiesen werden können. Weiterhin können so die Sorten auch mit dem Versuch des Praxisbetriebs verglichen und die Versuchsparzelle von Interessierten am Standort Bamberg besucht werden. Im Vergleich zur Praxis wendeten die Azubis das Verfahren der Bandsaat an, bei der im Gegensatz zur Reihensaat auf einem flächigen Streifen mit einer Breite von 7 cm ausgesät wird.

Erste Eindrücke

Anfang April, eine Woche nach der Saat, waren die ungeschützten Flächen des Praxisversuchs einige Tage schneebedeckt. Da die Keimung bei Möhren im Allgemeinen bis zu vier Wochen dauern kann, stellte die Kälte für die Saat zu dem Zeitpunkt kein Problem dar. Beim Vergleich der Wetterdaten einer naheliegenden Wetterstation ist die Durchschnittstemperatur im Monat April jedoch mit 7,7 °C knapp 2 °C höher als im April 2021 gewesen. Der Niederschlag im April 2022 betrug mit 70 mm insgesamt knapp 50 mm mehr als im Vergleichsmonat 2021. Die höhere Niederschlagsrate und die wärmeren Temperaturen förderten dementsprechend den stabilen Aufgang. Auf dem LWG-Gelände war bis fünf Wochen nach Saat ein Vlies aufgelegt und eine aktive Bewässerung geschalten. Die Sämlinge auf den Flächen im Kreis Haßberge keimten schnell nach etwa drei bis vier Wochen bei einer Gleichmäßigkeit, die über alle 16 Sorten hinweg gut erkennbar war. Erste Bonituren zur Bestandesdichte sollen einen genauen Blick auf den Aufgang richten und für Anbauende eine erste Einschätzung des Feldaufgangs bieten.