Nachbericht zum Seminar vom 22.-23.02.2022
Echte Naturschönheiten: Zierpflanzen aus ökologischer Produktion

Eine rote Zinnie mit gefüllter Blüte

Auf vielfachen Wunsch veranstaltete die Öko-Akademie Bamberg am 22.-23.02.2022 einen Grundlagenkurs zur ökologischen Zierpflanzenproduktion, der aufgrund der pandemischen Lage online stattfand. Bei der Organisation wirkten neben der LWG auch die Fördergemeinschaft ökologischer Zier- & Gartenpflanzen e. V. (föga) sowie die Arbeitsgemeinschaft der ökologischen Gartenbauberatung (Ökomene) maßgeblich mit. Insgesamt folgten rund 130 Zierpflanzengärtner*innen der Einladung zu der zweitägigen Fortbildungsveranstaltung.

Der Status quo

Zu Beginn der Veranstaltung gab Andrea Frankenberg von der Ökomene/Bioland-Beratung einen aktuellen Überblick über Entwicklung des Bio-Zierpflanzenbaus. Aus einer Agrarstrukturerhebung des Statistischen Bundesamts geht hervor, dass sich die Anzahl der Betriebe von 2016 bis 2020 um ca. 20 % auf bundesweit über 200 Stück erhöht hat. Auch die bewirtschaftete Fläche ist proportional dazu gestiegen. Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt der Bio-Zierpflanzenbau in der Nische. Für die Netzwerkarbeit hat sich 2007 die Fördergemeinschaft ökologischer Zier- & Gartenpflanzen e. V. (föga) gegründet, in der aktuell 85 Mitglieder, darunter 41 zertifizierte Bio-Betriebe, organisiert sind. Vorgestellt wurde der Verein von Herbert Vinken, der selbst eine Bio-Gärtnerei bewirtschaftet und außerdem dem föga-Vorstand angehört.

Der Weg durch die Umstellung

Nach der Einführung gab Andrea Frankenberg einen Überblick über alle Punkte, die umstellungsinteressierte Betriebe auf ihrem Weg zum Ökolandbau berücksichtigen müssen. So sollten beispielsweise die Gewächshäuser gründlich gereinigt und ggf. die Energieschirme sowie das Bändchengewebe gewechselt werden, um eine Kontamination mit Pflanzenschutzmittelrückständen zu vermeiden. Außerdem muss vor Umstellungsbeginn ein Vertrag mit einer unabhängigen Kontrollstelle geschlossen werden, die mindestens einmal jährlich eine Betriebskontrolle durchführt und dabei die Buchführung überprüft (Zukauf von Betriebsmitteln, Warenstrom, etc.). Bei Kulturen, die im gewachsenen Boden angebaut werden (bspw. Schnittblumen), muss eine Umstellungszeit von 24 (jährige Kulturen) bzw. 36 Monaten (Dauerkulturen) berücksichtigt werden. Beim Zukauf von Betriebsmitteln ist außerdem zu beachten, dass die Produkte der EG-Öko-Verordnung entsprechen.

Hilfreiche Informationsplattformen zur Umstellung

Das kleine Einmaleins der Pflanzengesundheit

Der biologische Pflanzenschutz stellt unter den produktionsspezifischen Themen eine der größten Herausforderungen dar. Klaus Bongartz ist freier Gartenbauberater und zeigt anhand von zahlreichen guten Praxisbeispielen, dass der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel zwar eine gewisse Expertise voraussetzt, aber grundsätzlich gut möglich ist. Laut Bongartz seien bereits viele Betriebe auf dem Weg in einen ökologischen Gartenbau – sei es durch Nützlingseinsatz oder durch andere umweltschonende Kulturmaßnahmen. Sollten vorbeugende Maßnahmen nicht ausreichen, so kann auf bio-konforme Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmittel, beispielsweise Neem- und Orangenöl sowie diverse EM-Präparate, zurückgegriffen werden. Eine EM-Behandlung empfiehlt Bongartz seinen Betrieben gerne direkt nach dem Topfen, die er als „Begrüßungscocktail“ bezeichnet.

Grüne Superhelden: Sommerflor für Insekten und Bienen

Die Debatte um den Verlust der Artenvielfalt hat in Bayern durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ an Relevanz dazugewonnen. Der Zierpflanzenbauversuchsbetrieb der LWG bearbeitet seit einigen Jahren Versuche mit bienen- und insektenfreundlichen Sommerflor. Laut Eva-Maria Geiger (LWG) überzeugten dabei vor allem Arten der Gattungen Salvia, Bidens und Pentas, aber auch innerhalb dieser Gattungen gab es Sorten, die besonders gerne von Insekten und Bienen besucht wurden. Aber auch Portulak und Strohblumen können starke Bienenmagneten sein. Eine detaillierte Zusammenfassung der Ergebnisse kann unter dem nachfolgenden Link abgerufen werden:

Pflanzen für Bestäuberinsekten

Kompakter Wuchs ganz ohne Hemmstoffe

Der Einsatz von chemischen Hemmstoffen zur Wuchsregulation ist im ökologischen Zierpflanzenbau nicht zulässig, sodass auf andere Maßnahmen zurückgegriffen werden muss. Ute Ruttensperger von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Heidelberg betreut seit einigen Jahren Versuche zu diesem Thema. Eine mechanische Reizung mit Vlies hat sich leider nicht bewährt, da es dadurch bei zahlreichen Pflanzenarten zu Gewebeschäden kommt. Vielversprechender ist eine Wuchsregulation durch eine Luftreizbehandlung, die im Rahmen des Projekts „Thigmo“ untersucht wird. Für ein zufriedenstellendes Ergebnis ist es wichtig, dass die Luftgeschwindigkeit 8 m/s nicht unterschreitet.
Ergänzt wurden diese Erkenntnisse von Frank Korting vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR), der zahlreiche Versuche mit alternativen Präparaten zur Wuchsregulation durchgeführt hat. Im Fokus standen dabei verschiedene Silicium-Präparate, Pflanzenextrakte sowie stressinduzierende Mittel (EM, Komposttee, Bittersalz, etc.). Allerdings konnten diese Präparate nicht mit chemischen Hemmstoffen mithalten. Laut Korting sei eine Verbesserung des Habitus aber grundsätzlich möglich.

Tipps zur Dünger- und Substratwahl

Neben der Wuchsregulation widmet sich die LVG Heidelberg auch Versuchen mit Bio-Substraten und Bio-Düngern, die von Robert Koch betreut werden. Dafür steht der Versuchsanstalt ein Bioland-zertifizierter Betreibsteil zur Verfügung. Da bei den Anbauverbänden reine Torfsubstrate nicht erlaubt sind, muss je nach Verwendungszweck ein Torfersatz von 20-50 % erfolgen. Die gängigsten Ersatzprodukte sind Kompost, Kokosfaser, Kokosmark und Rindenhumus sowie Holzfasern. Allerdings kann es durch die Verwendung zu hohen Salzgehalten oder einer Stickstoffimmobilisierung kommen. Grundsätzlich ist eine Torfreduzierung möglich, es sollte aber die Bewässerung und die Düngung entsprechend angepasst werden.
Beim Dünger haben Bio-Gärtner die Qual der Wahl zwischen Flüssigdüngern und Festdüngern. Festdünger werden dem Substrat beigemischt und dienen der Vorratsdüngung. Auch bei den Düngemitteln muss vor der Verwendung geprüft werden, ob das gewünschte Produkt der EG-Öko-Verordnung entspricht. Laut Koch muss bei Bio-Düngern aber bedacht werden, dass maximal 55 % des enthaltenden Stickstoffes pflanzenverfügbar werden. Außerdem verläuft die Mineralisationskurve je nach Düngemittel sehr unterschiedlich. Bei Horngries ist mit einer zeitigen Stickstoffmineralisation zu rechnen, Schafwolle agiert eher als Langzeitdünger. Bei den Flüssigdüngern ist aktuell ein Trend zur „Vinassefreiheit“ zu beobachten, allerdings sollte man bei den Alternativen auf den Phosphatgehalt achten.
Eine Honigbiene auf der Blüte eines roten Sonnenhuts (Echinacea)

Roter Sonnenhut

Wucherblume mit pinken Blüten im Mustergarten der LWG Bamberg

Wucherblume

Sonnenhut mit leuchtend gelben Blütenblättern, im Hintergrund Wandelröschen und Strohblumen

Gelber Sonnenhut

Blassgelbe Zinnien mit üppigen Blättern

Zinnien

Rotblühende Sonnenbraut mit gelben Blütenblatträndern

Sonnenbraut