Nachbericht Öko-Gemüsebautag 2021
Ein freudiges Wiedersehen in Bamberg

Der Bamberger Versuchsbetrieb aus der Luft mit den Mustergärten im Vordergrund

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation konnte der Öko-Gemüsebautag der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) nicht wie üblich im Juli stattfinden, wurde dafür aber am 14. September 2021 als Freiluftveranstaltung nachgeholt. Insgesamt 80 Teilnehmer, darunter Anbauer, Berater und Firmenvertreter, sind der Einladung nach Bamberg gefolgt, um sich über die aktuell laufenden Versuche zu informieren und die neusten Forschungsergebnisse zu erfahren.

Begrüßung unter freiem Himmel

Nach eineinhalbjährigem Verzicht auf Präsenzveranstaltungen war die Freude umso großer, als bekannt wurde, dass der Bamberger Öko-Gemüsebautag – mit einem etwas anderem Konzept – am 14. September 2021 nachgeholt werden kann. Nach der Begrüßungsrede, die von Andreas Schmitt (LWG-IEF3) und Cordula Rutz (Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ)) unter freiem Himmel gesprochen wurde, wurden die 80 Teilnehmer in vier Kleingruppen mit 20 Personen eingeteilt und rotierten im „Speed-Dating-Verfahren“ durch verschiedene Stationen.

Ingwer, Tomaten, Bratpaprika und Co.

Die aktuellen Versuche zum ökologischen Gemüsebau unter Glas und Folie stellte Birgit Rascher (LWG-IEF3) vor. Neben verschiedenen Ingwerherkünften und einem Kulturversuch mit Tomaten stehen auch verschiedene Bratpaprika-Sorten auf dem Prüfstand. Bei der Bratpaprika, auch 'Pimientos de Padrón' genannt, handelt es sich um eine spanische Spezialität, die meistens als Tapa serviert wird. Dabei finden ausschließlich die grünen Früchte Verwendung, die idealerweise bei einer Fruchtgröße von 3,5 bis 5,5 cm geerntet werden. Besonderer Clou der Bratpaprika ist der von Frucht zu Frucht schwankende Schärfegrad.

Die richtige Gurkenunterlage

Ein wichtiges Versuchsthema im konventionell-integrierten Betriebsteil stellt die Suche nach widerstandsfähigen Gurkenunterlagen, insbesondere gegen Fusarium und Pythium, dar. Martin Schulz (LWG-IEF3) berichtete, dass in dem Versuch nicht nur Kürbisse, sondern auch Gurken als Veredelungsunterlage geprüft werden. Als Ertragssorte wurde die Standardsorte 'Proloog' F1 gewählt. Obwohl der Versuch unter konventionellen Anbaubedingungen stattfand, ist das Ergebnis auch für ökologisch wirtschaftende Gärtner von großem Interesse. Außerdem konnte unter anderem ein Paprikaversuch besichtigt werden, bei dem verschiedene Spritzdüsen auf ihre Verteilgenauigkeit getestet werden.

Maschinenpark des Versuchsbetriebs

Neben zahlreichen Versuchen konnten am Öko-Gemüsebautag auch die gängigsten Landtechnik, die am Bamberger Versuchsbetrieb zum Einsatz kommt, begutachtet werden. Für Fragen rund um den Maschinenpark stand Stefan Banner (LWG-IEF1) zur Verfügung. Ein Augenmerk lag unter anderem bei einer Messerwalze, die in Bamberg gerne zum Umbrechen von Zwischenfrüchten eingesetzt wird. Großer Vorteil der Messerwalze gegenüber einem klassischen Mulchgerät ist, dass hierfür kein Zapfwellenantrieb benötigt wird. Außerdem schneidet die Messerwalze die Biomasse in gröbere Bestandteile, wodurch die Umsetzung des Pflanzenmaterials verzögert wird.

Im Zeichen der Düngeverordnung

Für Freilandversuche stehen in Bamberg rund zweieinhalb Hektar zur Verfügung, die nach den Richtlinien des Bio-Verbands Naturland bewirtschaftet werden. Über den aktuellen Stand der Freilandforschung informierten Dr. Veronika Vikuk und Tino Hedrich (beide LWG-IEF3). Düngungsversuche stehen aufgrund der neuen Düngeverordnungen in Bamberg zunehmen im Fokus. So wurde unter anderem ein Versuch mit verschiedenen abfrierenden Zwischenfrüchten (Phacelia, Ramtillkraut, Buchweizen etc.) vorgestellt, bei dem neben der Stickstoffkonservierung auch die Wirkung auf eine nachfolgende Zwiebelkultur untersucht werden soll. Außerdem konnten eine Süßkartoffelsortenversuch, ein Erdbeersortenversuch und ein Dünungsversuch mit Hokkaido-Kürbis besichtigt werden.

Innovationsprojekte der LWG

An der LWG werden jedes Jahr zahlreiche Forschungs- und Innovationsprojekte zu verschiedenen Themen bearbeitet. Am Versuchsbetrieb in Bamberg laufen aktuell zwei Projekte, die sich mit autonomer Hacktechnik bzw. mit der Bewässerung von Freilandkulturen beschäftigen. Bearbeitet werden die Forschungsvorhaben von Anna Maria Molitor bzw. Dr. Alexander Dümig (beide LWG-IEF1). Bei der autonomen Hacktechnik wird seit dem Frühjahr 2021 ein Hackroboter der Firma Naio erprobt, der am Gemüsebautag am Acker vorgeführt wurde. Besonders interessant ist dabei eine nachrüstbare interaktive Hacke, die bei Pflanzkulturen den Bestand auch in der Reihe unkrautfrei halten kann. Beim Bewässerungsprojekt steht eine Steuerungs-App auf dem Prüfstand, die vom der Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V. (ALB) entwickelt wurde.

Birgit Rascher steht vor einem Folientunnel und präsentiert ihren Paprikasortenversuch

Öko-Versuche unter Glas und Folie

Martin Schulz präsentiert mit einer Leinwand verschiedener Unterglasversuche

KIP-Versuche

Stefan Banner stellt den Teilnehmern einen Balkenmäher vor

Maschinenpark

Tino Hedrich steht am Ackerrand und berichtet über Erfahrungen mit Blühstreifen

Öko-Versuche im Freiland

Anna Maria Molitor steht auf einer Versuchsfläche und demonstriert einen Hackroboter

Hackroboter

alle Bilder von © Maria Reichl/AELF Abensberg-Landshut