Veranstaltungsbericht
Industriegemüsetag 2017

Blick auf die Besucher in der Sebastian-Englerth Saal die nach vorne schauen
Am 14. Dezember 2017 trafen sich 60 Anbauer, Vertreter der Beratung, der Saatgut- und Verarbeitungsindustrie sowie Vertreter der Bayerischen Gartenbauzentren zum traditionellen Industriegemüsetag in Veitshöchheim.

Welche Sorte ist die Richtige?

Vorstellung der Ergebnisse aus den Anbauversuchen in Niederbayern

Die Versuchsergebnisse der niederbayerischen Sortenversuche für Einlegegurken und Industrieweißkraut werden im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) durch Kollegen des Gartenbauzentrums Bayern Süd-Ost durchgeführt.
Florian Hageneder stellte die Ergebnisse einschließlich der sensorischen Prüfung des Einlegegurken-Sortenversuches vor. Geprüft wurden 12 Sorten, davon mit 'RZ 1246' seit langem wieder eine glatte Sorte in vierfacher Wiederholung. Standard war die Sorte 'Platina' von der Firma Nunhems.
Mit der Ermittlung des Längen-Dicken-Verhältnisses können Aussagen zur konserventechnischen Eignung der einzelnen Gurken gemacht werden. Ideal wäre ein Wert von 3,1 meinte Hageneder. Bei der 12/15 Sortierung schwankt der Wert zwischen 2,8 und 3,4 und bei der 6/9 Sortierung zwischen 3,4 und 3,9. Einzelne Sorten würden zu einer verstärkten Hohlneigung neigen, teilweise bis zu 40 %; dem gegenüber ständen Sorten mit einen Anteil von 0 % an hohlen Früchten bemerkte Hageneder.
Daniela Gleißner betreut den Weißkraut-Sortenversuch 2017. Der Durchschnittsertrag aller Sorten lag bei 1549 dt/ha. Ertragsunterschiede konnten statistisch abgesichert nicht festgestellt werden. Unterschiede bestünden in der Innenqualität so Gleißner. Beurteilt wurden u.a. das Auftreten von Innenblattnekrosen, die Innenstrunklänge in Prozent der Kopfhöhe sowie die unerwünschte Taschenbildung.

Daniela Gleißner: Weißkraut Sortenversuch pdf 1,0 MB

Hightech auf dem Gurkenfeld - das Projekt "CATCH und erste Ergebnisse"

Der Einlegegurkenanbau befindet sich im Wandel. Steigende Produktionskosten stellen ein Problem für die Konkurrenzfähigkeit des Anbaustandortes Deutschland dar. Ein weiterer Grund sind die hohen Sortiervorgaben durch die Verarbeitungsindustrie. Insbesondere die Produktion von kleineren Sortierungen wird mehr und mehr in das "billigere" Ausland verlagert. Die Produzenten passen sich der veränderten Situation an. Erste Betriebe in Niederbayern stellen ihre Produktion um.
Eine andere Möglichkeit könnte in der Automatisierung der Ernte von Einlegegurken liegen.
Jelena Surdilovic vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Bornim stellte in ihren Vortrag das Catch-Projekt vor. Noch ist es eine Vision - Einlegegurken werden mit Hilfe von Roboterarmen automatisch Tag und Nacht gepflückt. Dies soll nun in der nahen Zukunft Realität werden. Im September 2016 startete dazu das Projekt "Cucumber Gathering - Green Field Experiments (CATCH)".
Derzeit erfolgt die Handernte von Einlegegurken in Deutschland mit Hilfe von Gurkenfliegern. Erntehelfer liegen dabei bäuchlings auf Auslegern und suchen die Pflanzen nach erntereifen Gurken ab. Allein für die Ernte besteht so ein Arbeitszeitbedarf von 1400 bis 1800 Akh/ha. Dazu kämen noch 140 bis 180 Akh für die Sortierung, so Surdilovic.
Ziel des Catch-Projektes ist die Automatisierung des Verfahren der Einlegegurkenernte unter zu Hilfenahme von neuartigen und kostengünstigen, dennoch robusten mehrarmigen Robotersystemen, die aus standardisierten Komponenten aufgebaut sind.

Arbeits- und betriebswirtschaftliche Kennwerte der Krauternte

Auch im Industriekrautanbau wird sich mit der weiteren Mechanisierung des Verfahrens der Krauternte beschäftigt. Till Belau vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) stellte einen betriebswirtschaftlichen Vergleich verschiedener Ernteverfahren bei der Krauternte vor. Verglichen wurden klassische Handernte mit Schwadablage, einer teil– bzw. vollmechanisierten Ernte gegenüber. Generell ist mit Ausnahme von Erntebändern die Verfügbarkeit der Erntetechnik jedoch sehr begrenzt, meinte Belau. Der Einsatz von Erntetechnik sollte der jährlichen Flächenleistung entsprechen, um so die Fixkosten zu minimieren war das abschließend Fazit von Till Belau.

Hopp oder Top – Wie geht es dem Dithmarscher Geschäftsmodell?

Christian Ufen stellte in seinem Vortrag das Dithmarscher Anbaugebiet vor. Dithmarschen produziert anders als Bayern in der Hauptsache für den Frischmarkt. Auf fast 2400 ha, das ist ein Viertel der deutschen Gesamtanbaufläche, wird Weißkraut angebaut.
Weißkohl wäre ein Globalisierungsverlierer meint Ufen. Wer würde noch groß Zeit in die Essenzubereitung investieren. Der Verbraucher wählt im Supermarkt schnell zu bereitbare Alternativen. Fertigsalat wie Rucola, Avocado, Hokkaido wären den Kindern heutzutage geläufiger als Weißkohl. Trotz allem würde Dithmarschen seinen Anbau halten können, wenn "es denn will", so Ufen. Ursachen wären vor allem in den klimatischen Vorteilen zu suchen.

alle Referenten zusammen mit den Organisatoren vor einer Wand mit LWG-Plakaten

Referenten und Organisatoren von links nach rechts: Gerd Sander (LWG-Institutsleiter für Erwerbs- und Freizeitgartenbau), Angela Vaas (Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost), Christian Ufen (Ufen, Gemüsebau), Daniela Gleißner (Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost), Martin Schulz (LWG-Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau, IEF 3), Florian Hageneder (Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost), Oskar Kreß (LWG-Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau, IEF 1), Till Belau (KTBL, Darmstadt), Jelena Surdilovic (ATB, Bornim)