Tier des Monats (August)
Fliegende Schachbretter ...

Ein Schachbrettfalter mit dem charakteristischen Karomuster auf einer Blüte.
... sind keine Freizeitbeschäftigung für Zauberer, sondern dieses Schauspiel kann man ab Mitte Juni auf blumenreichen, mageren Wiesen und Wegrändern beobachten. Die einzigartige Zeichnung der Flügel ist bezeichnend für den Schachbrettfalter (Melanargia galathea) - dem Schmetterling des Jahres 2019.

Von Schuppen und Fliegen

Viele Schmetterlingsarten zeichnen sich durch eine ungeheure Farbenpracht und Mustervielfalt ihrer Flügel aus. Dies machte und macht manche Schmetterlinge zu begehrten Sammlungsobjekten. Wie entsteht diese Farb- und Mustervielfalt? Auf den Flügeln der Schmetterlinge sind tausende winzige Schuppen dachziegelartig übereinander angeordnet. Die Flügelschuppen sind namensgebend für die wissenschaftliche Bezeichnung der Schmetterlinge „Lepidoptera“ – was übersetzt Schuppenflügler bedeutet.
Die Oberflächen der Flügelschuppen sind nicht glatt, sondern weisen eine rillenförmige Struktur auf. Metallisch bunte, glänzende Farben (Strukturfarben) entstehen durch Lichtbrechung, -absorption und -reflexion des einfallenden Lichts auf die Schmetterlingsschuppen. Dabei wirken viele Einzelschuppen mosaikförmig zusammen. Durch Veränderung des Lichteinfallwinkels verändert sich der Farbeindruck – die Farbe scheint zu „Schimmern und Schillern“.
Dunkle Flügelzeichnungen (wie z. B. beim Schachbrettfalter) werden durch Einlagerung von Pigmenten in die Flügelschuppen erzeugt. Pigmente entstehen durch Stoffwechselprozesse und absorbieren Licht ganz bestimmter Wellenlängen. Das dunkle Pigment Melanin findet man bei Schmetterlingen besonders häufig, da eine schwarze Flügelfärbung zur Wärmespeicherung genutzt wird. Weitere typische Pigmentfarben sind weiß, gelb, orange, und rot. Durch das Sonnenlicht bleichen die Pigmentfarben, ähnlich wie bei einem Gemälde, aus. Ältere Schmetterlinge erscheinen daher oft weniger farbenprächtig als frisch aus der Puppe geschlüpfte Individuen.
Die Flügelschuppen sind über ein Stielchen in der transparenten Flügelmembran verankert. Diese Verbindung kann leicht brechen und die Schuppen ausfallen. Wird einen Schmetterling mit der Hand gefangen, bleiben viele dieser Schuppen in der Handfläche zurück. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Schmetterlinge, denen die meisten der Schuppen ausgefallen sind, nicht mehr fliegen können. Dies ist nicht der Fall! Es gibt sogar eine Schmetterlingsfamilie – die Glasflügler – denen die Schuppen nach dem ersten Flug gezielt ausfallen und die dadurch ihren Namen erhalten haben.

Heimlich, still und leise …

…erfolgt die Eiablage beim Schachbrettfalter. Die Weibchen lassen Ende Juli ihre Eier während des Fluges über eine ungemähte Wiese einfach zu Boden fallen. Kurz danach schlüpfen die Raupen, die sich in der Streu ein Überwinterungsquartier suchen, ohne vorher Nahrung aufzunehmen. Erst im März des folgenden Jahres begeben sich die Raupen auf Futtersuche. Verschiedene Gräser (Aufrechte Trespe, Knäuelgras, Schwingel, Zwenken) stehen auf dem Speiseplan der Raupen, die hauptsächlich nachts fressen, um potenziellen Räubern aus dem Weg zu gehen. Tagsüber verbergen sich die Raupen im Wurzelbereich der Wiesenpflanzen.
Nach 10 Wochen Raupendasein wird ein lockerer Kokon aus Spinnfäden und Grasteilen für die Verpuppung angefertigt. Im Frühsommer schlüpfen die erwachsenen Falter. Die Männchen fliegen in kurzer Distanz über dem Boden, wo sie nach frisch schlüpfenden, paarungsbereiten Weibchen Ausschau halten.

Schachmatt?

Trocken-magere Wiesen (Glatthaferwiesen) und Wegränder, Feld- und Wiesenraine, Böschungen, Bahndämme – dies sind die bevorzugten Habitate des Schachbrettfalters. In Weinbergslagen kann man die Schachbrettfalter entlang der Wegränder und Vorgewende beobachten. Wichtig ist, dass diese nicht vor Ende Juli gemäht werden, denn sonst finden die adulten Schmetterlinge keine Nahrung mehr. Sie ernähren sich hauptsächlich vom Nektar der Flockenblume, Witwenblume, Kratzdisteln und Süßgräsern.
Ungemähte, grasbestandene Wiesen und Wegraine sind auch für die Eiablage Grundvoraussetzung. Da die Weibchen die Eier auf den Boden fallen lassen, ist die Beschattung des Bodens (und damit der Eier) durch hohe Gräser immens wichtig. Der Schachbrettfalter wurde zum Schmetterling des Jahres 2019 gewählt. Noch ist er häufig anzutreffen, doch die Populationszahlen gehen stetig zurück. Zum einen ist dies auf den Rückgang der trocken-mageren Wiesen zurückzuführen, zum anderen darauf, dass seine Lebensgrundlage bereits im Frühsommer abgemäht wird.
Schutzmaßnahmen für den außergewöhnlichen Schmetterling sind einfach: Wagen Sie Unordnung! Wegränder, Raine, Vorgewende und Wiesen „einfach“ stehen lassen und nicht dem Rasenmäherdrang nachgeben. Dann werden Sie bald auch fliegende Schachbretter in Ihren Weinbergen beobachten können.