Pressemitteilung - 01. März 2019
Mandevilla - Pflanzenstar im Rampenlicht!

Mit ihren trichterförmig oder stieltellerförmigen Blüten gehört die neotropische Mandevilla, auch Dipladenia genannt, mit einem Farbpotpourri von leuchtend rot, rosafarben, weiß bis apricotfarbenen Blüten zu den strahlendsten Vertretern in unseren Gärten. Bis zu 20 Mio. Pflanzen wandern dafür pro Jahr über die Ladentheken – und dass alleine bei uns in Deutschland. Doch strahlende Aussichten hat die Pflanze nicht, bedroht doch die Weiße Fliege und das Feuerbakterium den Anbau in Südeuropa. An der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) läuft deshalb eine innovative Versuchsreihe zur heimischen Kultur von Mandevilla mit Hilfe von LED-Belichtung – ein Versuch, der bereits erste Blüten trägt!

Blütentraum mit Sorgenfalten
Die Mandevilla entwickelt nicht nur eine starke Blütenpracht, sondern beweist auch Stärke und Ausdauer in der heißen Jahreszeit. „Vor allem in den Sommermonaten zeigt die Pflanze, was in ihr steckt. Sie ist ein regelrechter Sonnenanbeter und kommt mit heißen Temperaturen, direkter Einstrahlung und sogar mit vorübergehenden Trockenphasen gut zurecht“, so Versuchsingenieur Hannes Seidel, vom LWG-Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau in Veitshöchheim. Dies kommt nicht von ungefähr; bereits in der Kulturführung ist der Blütenzauberer sehr wärme- und lichtbedürftig. Der Anbau für den deutschen Verkaufsstart im Frühling findet in den Wintermonaten v. a. in Spanien und Italien statt. Mit rund 35 Wochen dauert die Kultivierung der Pflanze vom Topfen bis in die deutschen Verkaufsregale relativ lange. Zudem ist aufgrund der starken Nachfrage das Angebot aus den Anbaugebieten erschöpft und der Markt regelrecht leer gefegt. Durch die Weiße Fliege und das Feuerbakterium (Xylella fastidoisa), bei dem bisher kein Gegenmittel existiert, werden Anbau und Import zusätzlich erschwert. In seinem innovativen Forschungsprojekt untersucht Hannes Seidel daher, inwieweit eine Kulturführung der Mandevilla unter Glas auch in Bayern funktioniert und wird damit zum „Herr des Lichts“.

Tür zu, Licht an
„Licht ist nicht gleich Licht. Neben Helligkeit der Lichtquelle ist vor allem die Lichtqualität, also die spektrale Zusammensetzung entscheidend“, betont Hannes Seidel. In seinem Versuchsanbau hat er dafür bewurzelte Stecklinge 16 Stunden am Tag mit herkömmlichen Natriumhochdruckdampflampen und LED-Lampen belichtet. Neben Rot und Blau kam auch eine Mischung aus Rot und Blau zum Einsatz. Nach elf Wochen im Rampenlicht zeigt der Versuchsaufbau nun erste Ergebnisse und deutliche Unterschiede. „Während die Pflanzen unter der blauen Belichtung keine Ranken bildeten, kam es bei den Jungpflanzen unter rotem Licht zu einer deutlich verstärkten Bildung von Ranken“, so Seidel. Und genau diese Peitschentriebe sind im Produktionsgartenbau unerwünscht, da die Pflanzen sich gegenseitig verhacken würden und nur mit hohem Aufwand kultiviert und vermarktet werden könnten. Daher müssen diese während der Produktion regelmäßig entfernt werden, was einen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet. Während die blaue Belichtung in Sachen Rankenbildung punkten kann, steckt sie im Bezug zur Blütenbildung unter Rot deutlich zurück. „Die einfache Mischung von Rot und Blau löst dieses Problem aber nicht. Denn auch dort fand eine Rankenbildung statt“, stellt Seidel klar. Mitte März geht der Versuch daher in die zweite Runde. Dabei soll diesmal auch die Kombination zwischen jahreszeitlich bedingtem höherem natürlichen Lichtangebot und Kunstbelichtung untersucht werden.