Pressemitteilung - 17. September 2018
Staatsministerin Michaela Kaniber läutet Baubeginn am LWG-Versuchsbetrieb Thüngersheim ein

25 Wattsekunden – so viel Energie setzt ein einzelner Hammerschlag frei. Das hört sich zunächst nach nicht unbedingt viel an, ist auch nicht viel: Denn die dabei entstehende Energie reicht gerade einmal dazu aus, eine Glühbirne kurz aufleuchten zu lassen oder 20 Wassertropfen um sechs Grad Celsius zu erwärmen. Doch mit dem symbolischen Hammerschlag am Donnerstag, den 13. September 2018, am Versuchsbetrieb Thüngersheim der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) wurde Energie freigesetzt, die über Jahre hinweg nachhallen soll. Mit dem Neubau eines Büro- und Wirtschaftsgebäudes für 5,5 Millionen Euro investiert der Freistaat Bayern nicht nur in die Zukunft des unterfränkischen Versuchsbetriebes, sondern vielmehr in praxisorientierte Lösungsansätze für den Obstbau und die Baumschulen in Bayern.

Herausforderungen brauchen Lösungen
Doch bevor Neues entsteht, muss zunächst Altes weichen. Deshalb griff auch Ministerin Michaela Kaniber, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zu Hammer und Meißel und läutete zusammen mit zahlreichen Vertretern von Verbänden und Lokalpolitik den offiziellen Baubeginn am „Stutel“ ein. „Wir investieren kräftig in den Versuchsanbau, damit unsere bayerischen Obstbaubetriebe und Baumschulen auch künftig aktuelle Forschungsergebnisse schnell und praxisgerecht zur Verfügung haben“, betonte die Landwirtschaftsministerin. So ist der Versuchsbetrieb in Thüngersheim nicht nur aufgrund seiner Vielfalt an historischen, traditionellen aber auch exotischen Obstsorten wie Kiwibeeren, Indianerbananen und Feigen einzigartig in Bayern. Mit seiner praxisorientierten Forschungsarbeit, wie etwa dem Langzeitversuch für die „Bäume der Zukunft“ mit über 180 Baumarten aus Europa und Nordamerika mit Prüfung auf Hitze- und Trockenstressverträglichkeit, nimmt er auch im gesamten Bundesgebiet eine wichtige Rolle ein.

Vision wird Wirklichkeit
Michael Kutter, Vorsitzender des Bund Deutscher Baumschulen Landesverband Bayern e. V., würdigte in seiner Ansprache die große Bedeutung des Versuchsbetriebes und betonte die Vorreiterstellung der Einrichtung. Er bedankte sich zudem für die Investitionsbereitschaft des Freistaates und das große Engagement der Bayerischen Landesanstalt und des Institutes für Erwerbs- und Freizeitgartenbau. Denn neben kühnen Visionen brauche es vor allem auch starke Persönlichkeiten, die aus ersten Ideen Wirklichkeit werden lassen. „Dabei geht es nicht nur darum, den räumlichen Rahmen zu schaffen, sondern die Gebäude auch mit Leben zu füllen“, so Kutter. So sind die Mitarbeiter der Herzschlag, der den Versuchsbetrieb am Leben hält. Neben einem neuen Mehrzweckgebäude für Aufbereitung, Kühlung und Lagerung der geernteten Früchte entstehen auch Büro- und Personalräume sowie eine Werkstatt- und Maschinenhalle mit insgesamt 850 m². Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2020 abgeschlossen sein.

Der „Stutel“ – Zahlen, Daten & Fakten
Auf der rund 11 Hektar großen Versuchsfläche bei Thüngersheim (kurz „Stutel“) beschäftigt sich das Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau der LWG seit 1967 mit Forschungsfragen rund um Obstbau (5 ha) und Baumschule (4 ha). Die Arbeitsschwerpunkte im Obstbau liegen dabei auf der Weiterentwicklung der Kulturverfahren für den Erwerbsobstbau, überwiegend im Bereich von Steinobst. Doch auch Nischenprodukte und Trends haben ihren Platz. Dabei steht die Entwicklung von Kulturverfahren für seltene und neue Obstarten für den Erwerbs- und Freizeitgartenbau im Fokus. Derzeit laufen u. a. Trüffelversuche mit Haselnuss und Eichen sowie Überdachungsversuche für Vogelschutz, Schädlings- und Frostprävention. Rund 6.000 Besucher informieren sich jährlich bei ihrem Besuch über die Arbeit des Versuchsbetriebes, der in diesem Jahr auch auf eine ökologische Beikrautregulierung, ganz ohne Herbizideinsatz, umgestellt wurde.

<<< Wichtiger Hinweis für die Redaktion: Aufgrund der laufenden Baumaßnahmen ist der Versuchsbetrieb Thüngersheim bis Ende 2020 für die Öffentlichkeit gesperrt. >>>