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Akkugeräte im GaLaBau

Akkugeräte im GaLaBau Titelseite

Die Akku-Technologie hat in den vergangenen Jahren hinsichtlich Speicherkapazität und Produktpalette rasante Fortschritte gemacht. Aber ist die Wende von kraftstoff- oder strombetriebenen Arbeitsgeräten hin zu Akkugeräten bereits im GaLaBau angekommen? Das wollte die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim herausfinden und hat deshalb in Kooperation mit „Landschaft Bauen & Gestalten“ im Rahmen ihres Projektes „Energieeffizienz im GaLaBau“ eine Online-Umfrage entwickelt, an der sämtliche GaLaBau-Betriebe teilnehmen konnten. Das Projekt ist ein Teil von LandSchafftEnergie.

2018, 6 Seiten

An der bundesweiten Umfrage beteiligten sich 241 GaLaBau-Unternehmen. Vor allem kleinere Betriebe mit 1-5 Mitarbeitern sind mit etwas über 40% sehr stark vertreten. Knapp ein Drittel der befragten Betriebe hat 6-15 Mitarbeiter, Mit rund 10% stellen die Betriebe mit mehr als 30 Mitarbeitern den kleinsten Bereich der befragten Gruppe dar.
LandSchafftEnergie (LSE) ist ein ressortübergreifendes Beratungsnetzwerk zur Umsetzung der Energiewende in Bayern. Als gemeinsames Projekt der Bayerischen Staatsministerien für Wirtschaft, Energie und Technologie (StMWi) sowie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) bietet das Netzwerk LandSchafft¬Energie eine kostenfreie und produktneutrale Information und Beratung rund um die Energiewende im ländlichen Raum.
Ziel ist es, die effiziente Erzeugung und den verantwortungsvollen Verbrauch von Strom und Wärme zu fördern, die Umsetzung von Projekten rund um erneuerbare Energie voranzutreiben und klimaschonende Mobilitätskonzepte zu unterstützen.

Akzeptanz für Handgeräte und Maschinen mit Akkuantrieb

Die Frage nach Ausstattung mit akkubetriebenen Handgeräten ergab, dass etwa 30% aller Handgeräte in den GaLaBau-Betrieben Akkugeräte sind.
In der Abbilung sieht man den prozentualen Anteil der am häufigsten genannten Handgeräte in den Betrieben. Hier lässt sich eine deutliche Tendenz erkennen. Mehr als 80% der GaLaBau-Betriebe besitzen Heckenscheren, Laubbläser, Freischneider, Rasenmäher und ein Verdichtungsgerät, die mit Kraftstoff betrieben werden. Die kraftstoffbetriebe Rückenspritze, die vor allem zum Pflanzenschutzverwendet wird, ist dagegen nur in 20% der befragten Betriebe vorhanden. Fast drei Viertel der Betriebe besitzen ein solches Gerät überhaupt nicht. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass Pflanzenschutzmaßnahmen im klassischen GaLaBau eher eine untergeordnete Rolle spielen.
Auffallend ist, dass 70% der Befragten bereits eine akkubetriebene Heckenschere besitzen, dagegen lediglich 2% ein akkubetriebenes Verdichtungsgerät. Dieser geringe Anteil kommt vermutlich daher, dass diese Geräte erst seit wenigen Jahren auf dem Markt sind.
Bei den Maschinen stellt sich die Lage etwas anders dar. Hier haben zwar ebenfalls mehr als drei Viertel der Betriebe einen kraftstoffbetriebenen Radlader, Bagger, PKW und Transporter. Allerdings liegt selbst der am häufigsten als Akkuversion vorhandene Dumper nur knapp über 5%. Akkubagger, die erst seit kurzem auf dem Markt sind, hat noch keiner der Befragten angeschafft. Eine mögliche Ursache ist, dass bei diesen Maschinen in vielen Fällen erst einzelne Hersteller dazu übergegangen sind Akkumodelle anzubieten. Viele GaLaBau- Betriebe wissen noch gar nicht, dass es diese kraftstofffreien Modelle gibt, oder sie wollen abwarten bis die Prototypen ausgereift sind. Dazu kommt, dass Lebensdauer und Anschaffungspreis bei diesen großen Maschinen in der Regel deutlich höher sind als z.B. bei Handgeräten und solche Maschinen damit auch weniger oft neu angeschafft werden.
Dass mit zunehmenden Produktionszahlen die einzelnen Maschinen kostengünstiger angeboten werden können, ist für viele vermutlich auch ein Argument, in diesem Segment noch abzuwarten.

Energieerzeugung

Jeder fünfte GaLaBau-Betrieb produziert in einer Photovoltaikanlage Strom, den er entweder ins Netz einspeist oder selbst verwendet. Einzelne Betriebe erzeugen Strom und Wärme mittels Blockheizkraftwerk oder einer Biogasanlage. Drei Viertel der Betriebe produzieren noch keinen Strom selbst. Erstaunlich ist, dass 5 Betriebe, die selbst Strom mittels PV-Anlage produzieren und ein Blockheizkraftwerkbesitzer kein einziges Akkugerät besitzen. Möglicherweise sind diese aber an alte Verträge gebunden die sie verpflichten, den Strom vollständig ins Netz einzuspeisen. In diesem Fall können sie den Strom erst selbst nutzen, wenn diese auslaufen.
Akkugeräte für sich betrachtet sind noch nicht automatisch umweltfreundlich. Muss man doch auch betrachten, wie der Strom entsteht, den sie verbrauchen. Der Strom-Mmix in Deutschland besteht laut Frauenhofer-Institut aktuell nur zu etwas mehr als einem Drittel aus Strom, der von regenerativen Energien stammt. Produziert ein Betrieb aber seinen Strom selbst, den er im Akkugerät verbraucht, dann kommt er einem Zero CO2 Fußabdruck schon sehr nahe. Natürlich muss man hier beachten, dass bei der Produktion der Akkus auch CO2 entsteht. Gott sei Dank können die Akkus laut Firmenangaben inzwischen zu fast 100% recycelt werden. Noch ein Punkt spricht für die Verwendung von Akkugeräten: In Akkugeräten und -maschinen kann Energie gespeichert werden, wenn ein Überangebot an Strom besteht.

Fazit

Akkugeräte schonen die Gesundheit der Mitarbeiter durch weniger Lärm, keine Abgase und durch weniger Vibrationen bei geringerem Gewicht. Den Kunden gefällt es, wenn der Gärtner in ihrem Grundstück keinen Lärm macht und Maschinen verwendet, die nicht stinken. Die oft bemängelte Leistungsfähigkeit der Akkus wird immer besser. Der GaLaBau-Betrieb hat finanziell etwas davon, wenn er Wartungs- und Kraftstoffkosten einsparen kann und sich die Geräte trotz höherer Anschaffungskosten schnell amortisieren. Die Umwelt wird geschont, weil bei Akkugeräten sicher kein Öl verschüttet wird oder Benzin ausläuft und keine Abgase beim Arbeiten entstehen. Auch die geringere Lärmbelastung kommt lärmsensiblen Gebieten zu Gute.
Selbst im Kundengespräch werden diese Argumente immer wichtiger, um sich von anderen Unternehmen abzuheben und den Zuschlag für Aufträge zu erhalten. Also eine Win-Win-Win-Win Situation für den GaLaBau-Betrieb, Mitarbeiter, Kunden und die Umwelt. Zumindest im Bereich der Handgeräte hat die Akku-Technologie schon ihren Siegeszug begonnen und ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Spannend war auch der Besuch der GaLaBau-Messe in Nürnberg, die im Akkubereich so manche Überraschung bereitgehalten hat.
Der Fachartikel enthält die komplette Auswertung der Umfrage.