Fachexkursion der Öko-Akademie
Bayerische Christbaumanbauer zu Besuch im Sauerland

Christbaumplantage mit gepflanzte Tannenbäume, Hintergrund Wald, Wiese, Feld und bewölkter Himmel
Mit einer Anbaufläche von rund 2.000 Hektar ist der Weihnachtsbaum eine oft unterschätzte, aber dennoch sehr wichtige Kultur für die bayerische Landwirtschaft. Als größtes Anbaugebiet agiert dabei der Spessart, insbesondere der Sinngrund an der Grenze zu Hessen. Der ökologische Anbau von Weihnachtsbaumen spielt dabei zunehmend eine Rolle. Nach einem erfolgreichen Umstellungsseminar im Frühjahr 2018, das von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) und der ÖKOmene Bayern organisiert wurde, folgte im Mai 2019 eine zweitägige Exkursion ins Sauerland, an der ca. 25 Anbauer teilnahmen.

Wertvolles Wissen: Forschung zur Weihnachtsbaumkultur

Seit Sommer 2018 bearbeitet die LWG zusammen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen auf einem Bio-Weihnachtsbaumbetrieb im Spessart einen Versuch, bei dem verschiedene Untersaaten auf dem Prüfstand stehen. Umso interessanter war der Blick nach Nordrhein-Westfalen, denn dort hat die Weihnachtsbaumkultur seit jeher einen festen Stellenwert im Versuchsprogramm der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW).
Christian März und Christof Köhler, die die Forschungsvorhaben wissenschaftlich betreuen, demonstrierte den Teilnehmer am ersten Tag die aktuell laufenden Versuche, die auf einem Praxisbetrieb Nähe Meschede stattfinden. Zwar werden die Versuchsflächen konventionell bewirtschaftet, allerdings finden dabei auch Varianten Beachtung, die für den Ökolandbau interessant sind. Auch hier werden verschiedene Untersaatmischungen geprüft. Außerdem werden im konventionellen Anbau üblichen Herbizide mit Alternativen, wie beispielsweise das Hacken oder das Verlegen von Bändchengewebe in der Reihe, verglichen. Das schwarze Bändchengewebe hat laut März den Vorteil, dass sich der Boden darunter schneller erwärmt, was durch die Messdaten mehrerer Temperaturlogger belegt werden konnte.

Blick hinter die betrieblichen Kulissen

Vor einigen Jahren hat sich die Initiative Bio-Weihnachtsbaum gegründet, die seitdem Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema betreibt und den Konsumenten gute Argumente für den Kauf einer Biotanne liefert. Momentan sind elf Bio-Betriebe in der Initiative organisiert. Zwei davon wurden im Zuge der Exkursion besichtigt: der Forstbetrieb von Gregor Kaiser und der Weihnachtsbaumhof Schulte-Göbel. Der Betrieb von Gregor Kaiser liegt in Lennestadt-Oberelspe im südlichen Sauerland und umfasst rund 80 Hektar Forst. Darüber hinaus produziert Gregor Kaiser auf einer landwirtschaftlichen Fläche von rund 8,5 Hektar Bio-Weihnachtsbäume nach Naturland-Richtlinien. Im Fokus steht dabei die Nordmanntanne, aber auch Nobilis, Blaufichten und Fichten werden angebaut. Um die Bäume frei von Unterbewuchs zu halten, werden Shropshire-Schafe in den Anlagen gehalten. Diese Schafrasse ist für die Weihnachtsbaumbetrieb besonders interessant, da diese in der Regel keine Nadelgehölze verbeißen.
Auch der Weihnachtsbaumbetrieb Schulte-Göbel setzt bei der Bewirtschaftung seiner 20 Hektar großen Weihnachtsbaumfläche auf Shropshire-Schafe und kann die guten Erfahrungen von Gregor Kaiser nur bestätigen. Ein weiterer Vorteil der Schafhaltung ist der automatische Düngeeffekt, denn der Mist enthält wertvollen Stickstoff, den die Bäume für ihr Wachstum nutzen können. Zusätzlich setzt Konrad Schulte-Göbel bei der Düngung auf pelletierten Bio-Hühnertrockenkot, der mit einem Schleuderstreuer ausgebracht wird. Da der Betrieb in den vergangenen Jahren vermehrt Probleme mit Spätfrösten hatte, wurde ein Teil der Anlagen mit einer Frostschutzberegung ausgestattet. Das benötigte Wasser wird im Laufe des Jahres in einem Speicherbecken gesammelt. Bei der Vermarktung verfolgt die Familie Schulte-Göbel mehrere Ansätze. So können sich die Kunden zwei Wochen vor Weihnachten – nach einer Fahrt mit Traktor und Planwagen zum Feld – ihren Baum selbst auf dem Feld aussuchen. Zudem gewinnt der eigene Online-Shop zunehmend an Bedeutung.
Die Teilnehmer der Exkursion auf einer Christbaumplantage im Gespräch

Führung durch die Versuchsflächen

Tannenbäume mit Bändchengewebe auf der Plantage

Bändchengewebe

Schafe auf einer Weihnachtsbaumanlage und grüne Wiese

Shropshire-Schafe

Christbaumplantage mit Beregnung, Hintergrund Wald, Wiese, Feld und bewölkter Himmel

Frostschutzbewässerung