Sortenempfehlung
Quitten – Sortiment, Anbau und Verwendung

Reifende Quitten liegt dicht nebeneinander und übereinander
Über 40 verschiedene Quittensorten wurden bisher im Versuchsbetrieb für Obstbau und Baumschule der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) auf ihre Anbaueignung über mehrere Jahre getestet. Dabei konnten wichtige Erkenntnisse über Krankheitsanfälligkeit, Ertragsverhalten und Fruchtgröße erarbeitet werden. Die wohl entschiedenste Krankheit bei Quitten, der bakterielle Feuerbrand, ist am Versuchsstandort Thüngersheim glücklicherweise noch nie aufgetreten. Dies lässt aber auch keine Aussage über die Anfälligkeit einzelner Sorten für diesen Erreger zu.

Anbaudaten

Wie viele Obstgehölze stammen Quitten ([i]Cydonia oblonga[/i]) aus Asien? Über damalige verbreiteten sie sich über Kreta und Griechenland nach Europa. Ab dem 17. Jahrhundert wurden, die von portugiesischen und spanischen Seefahrern in Honig eingelegten Quitten als Mittel gegen Skorbut über die Weltmeere transportiert. Quitten sind seither auch als Kulturgehölz auf allen Kontinenten verbreitet.
Der Anbau findet auch heute überwiegend in asiatischen Ländern statt (siehe Tabelle 1). In Südamerika ist der bedeutendste Produzent Argentinien und in Europa Serbien und Spanien.
Tabelle 1: Weltweiter Quittenanbau in t/Jahr (Quelle: Verändert nach FAO)
Nr.Land201620131961
1Türkei126.400139.31141.000
2China111.968127.000 
3Usbekistan149.46788.000 
4Marokko32.08740.42030
5Iran74.41835.12915.000
6Aserbeidschan28.24827.839 
7Argentinien27.22827.68017.700
8Libanon30.37619.2162.300
9Serbien10.95715.08110.397
10Spanien 14.00025.000
Der Anbau in Deutschland ist vor allem in den Nachkriegsjahren und nach Eintreten des Feuerbranderregers deutlich zurückgegangen. Von den ca. 200 ha Anbaufläche in der ehemaligen DDR sind fast keine Bäume übriggeblieben. Der Anbau in Deutschland findet heute überwiegend auf kleinen Parzellen für den Eigenverbrauch oder für Hofläden statt (z. B. Destillate, Gelee etc.).
Tabelle 2: Quittenbau in Deutschland 2017 (Quelle: statistisches Bundesamt)
 BetriebeFläche in ha
Bayern7425
Deutschland45391

Anbau

Der weltweite Anbau von Quitten findet vorzugsweise in warmen und trockenen Gebieten statt. Das hat zum einen mit der späten Reife aber auch mit einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit bei zu viel Niederschlägen zu tun. In Lagen mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von über 700 bis 800 mm kann Fleischbräune und Blattbräune deutlich verstärkt auftreten. Wie bei den meisten Obstgehölzen sollten Staunässe und ausgeprägte Spätfrostlagen vermieden werden. Wobei die Anfälligkeit von Blütenfrösten gegenüber Äpfel und Birnen schon aufgrund der späteren Blüte geringer ist. Bei Böden mit einem pH-Wert über 7 kann es leicht zu Chlorosen kommen. Hier sollten vor allem sauer wirkende Dünger eingesetzt werden, sowie die anfällige Unterlage Quitte C vermieden bzw. nur mit Zwischenveredelung gesetzt werden. Bei einzelnen Sorten kann es bei Wintertemperaturen ab ca. -20 °C zu Holzschäden kommen.
Als schwachwuchsinduzierende Unterlagen stehen verschiedene Quittenunterlagen zur Verfügung. Die schwächste davon ist Quitte C (siehe Tabelle 3). Der Wuchs kann je Sorte und Schnitt sehr ausladend sein. Von daher ist ein Reihenabstand von mindestens 3,50 bis 4 m ratsam. Eine zu enge Pflanzung in der Reihe kann zwar den Flächenertrag steigern aber auch Blatt- und Fleischbräune erhöhen und somit die Fruchtqualität senken. Zudem reagieren die Bäume mit einem eher sparrigen vegetativen Wuchs was Schnittmaßnahmen im Winter erhöht. Den Bäumen sollten daher genügend Wuchsraum gegeben werden.
Tabelle 3: Unterlagen und Pflanzabstände für Quittenanlagen
UnterlageReihenabstand
in m
Baumabstand
in m
Besonderheiten
Quitte A42,5 
Quitte Adams42,5 
Quitte C3,5 bis 42Geringes Wachstum
BA 2942,5kalktolerant

Krankheiten und Schädlinge

Die gefährlichste Krankheit der Quitte ist der bakterielle Feuerbranderreger ([i]Erwinia amylovora[/i]). Letztendlich hat die hohe Anfälligkeit dazu geführt, dass kaum noch Quitten großflächig angebaut werden. Vor allem in stark geprägten Apfelanbauregionen sind Quitten als hoch anfällige Kultur und Feuerbrandüberträger gerodet wurden. Momentan ist auch kein wirksames Pflanzenschutzmittel zugelassen. Feuerbrandresistenten Sorten sind bisher nicht gefunden wurden. Auch die als feuerbrandrobust beworbene Sorte [i]Cydora robusta[/i] kann die Krankheit in stärkeren Ausmaß bekommen. Vor einer geplanten Aufpflanzung sollte daher unbedingt auf das Erregerpotential in der Umgebung geachtet werden.
Bei hohen Niederschlägen im Frühjahr und Sommer kann Blattbräune ([i]Diplocarpon mespili[/i]) verstärkt auftreten. Von Biologie und Aussehen ist [i]Diplocarpon mespili[/i] dem Apfelschorf ähnlich. Die auf dem Falllaub überwinternden Askosporen befallen junge Blätter von denen sich aus Konidien bilden und die Früchte befallen können. Betroffene Früchte haben eine Vielzahl kleiner und schwarzer Flecken. Da Quitten aber überwiegend zu Verarbeitung genutzt werden, sind diese nur ein Schönheitsfehler, der sich bei der Vermarktung aber auch negativ auswirken kann. Bäume mit hohem Blattbefall können mit einem frühzeitigen Laubfall reagieren. Zur Bekämpfung können vor langanhaltenden Nassphasen Belagsfungizide oder Schwefelpräparate ausgebracht werden. Auch die Pflanzung robuster Sorten verringert die Gefahr deutlich.
Kleine dunkle Punkte auf den grünen Blättern am Baum

Blattbräune an Quittenblättern

Kleine dunkle Punkte auf den gelben Quitten, die dicht nebeneinander liegen

Blattbräune auf Quittenfrüchten

Eine physiologische Störung mit teils starkem Ausmaß ist das Auftreten von Fleischbräune in den Früchten. Die Früchte verderben schnell und riechen nach einiger Zeit etwas gärig. Die Gründe dafür sind verschieden. Ein gestörtes Verhältnis von Calcium und Kalium (zu viel Kalium) ist maßgeblich für die Verbräunungen verantwortlich. Bei Düngemaßnahmen ist darauf zu achten, nicht zu viel Kalium zu verwenden. Vor allem in niederschlagsreichen Jahren und bei Schattenfrüchten treten die Symptome verstärkt auf. Abhilfe können eine frühzeitige Ernte (Färbung der Früchte von grün auf gelb) und eine schnelle Verarbeitung schaffen. Da Quitten aber ihr volles Aroma erst erreichen, wenn sie gelb sind und meistens auch extensiv angebaut werden, ist es schwierig dies in der Praxis umzusetzen. Im Versuchsbetrieb für Obstbau und Baumschule der LWG konnte festgestellt werden, dass es aber auch deutliche Sortenunterschiede gibt (siehe Abschnitt Sorten).
Weitere Krankheiten und Schaderreger können zwar beobachtet werden, sind aber kaum von Bedeutung. Dazu zählen z. B. Mehltau, Triebmonilia, Apfelblütenstecher, Frostspanner und Schildläuse. In manchen Jahren kann Fruchtmonilia auftreten. Meist sind die Früchte aber schon durch Hagel, Vögel etc. vorgeschädigt. Bei auftretendem Befall durch Pockenmilben bringen Schwefelbehandlungen nach dem Knospenaufbruch oder nach der Ernte gute Erfolge.

Sorten

An der LWG wurden bisher über 40 Sorten getestet. Zurzeit stehen noch 33 davon im Versuchsbetrieb für Obstbau und Baumschule. Empfehlenswerte Sorten sollten robust gegen Blatt- und Fleischbräune sein, einen hohen Ertrag bringen bei guter Fruchtgröße, eine gleichmäßige Abreife vorweisen, wenig Flaum an den Früchten haben und wenig Steinzellen im Fruchtfleisch. Ein Zuckergehalt von 13 °Brix, ein goldgelbes Fruchtfleisch sowie typisches Quittenaroma und –geruch sind zur Ernte wünschenswert.
Die 10 besten Sorten der letzten Jahre werden in einer Kurzbeschreibung vorgestellt.

'Vranja' (birnenförmig)

Herkunft: 1898 in Vranja, Serbien gezüchtet
Blüte: mittel
Reifezeit: mittel-früh
Baumertrag: 34,8 kg
Fruchtgewicht: 409,4 g
Sonstiges: starker, aufrechter Wuchs, selbstfruchtbar, überdurchschnittlicher Ertrag und Fruchtgröße

'Konstantinopler' (apfelförmig)

Herkunft: alte, wohl türkische Sorte, stark verbreitet
Blüte: mittelspät
Reifezeit: mittelspät
Baumertrag: 31,9 kg
Fruchtgewicht: 257,3 g
Wuchs: kräftig bis mittelstark, aufrecht, mäßig verzweigt
Sonstiges: Befruchter sind Bereczki und Portugieser, teilweise selbstfruchtbar

'Ronda' (birnenförmig)

Herkunft: um 1940 aus freier Abblüte von 'Reas Mammoth'
Blüte: mittelfrüh
Reifezeit: mittel
Baumertrag: 30,8 kg
Fruchtgewicht: 303,4 g
Sonstiges: mittelstark, frostrobust, lange Lagerdauer

'Portugieser' (birnen- und apfelförmig)

Herkunft: unbekannt, bereits 1611 in Katalog engl. Baumschule erwähnt, in ganz Europa verbreitet
Blüte: mittel
Reifezeit: mittel
Baumertrag: 23,8 kg
Fruchtgewicht: 452,9 g
Sonstiges: starker Wuchs, Holz frostempfindlich daher nur für wärmere Lagen, lange lagerfähig, selbstfruchtbar, sehr große Früchte

'De Mosna' (apfelförmig)

Herkunft: Rumänien
Blüte: spät
Reifezeit: spät
Baumertrag: 31 kg
Fruchtgewicht: 244 g
Sonstiges: kräftiger Wuchs, Robust, frosthart, goldgelbes Fruchtfleisch, sehr saftig

'Leskovacz' (apfelförmig)

Herkunft: um 1890 in Leskovacz, Serbien
Blüte: mittelspät
Reifezeit: mittel
Baumertrag: 31,2 kg
Fruchtgewicht: 243,7 g
Sonstiges: kräftig, breiter Wuchs, als Pollenspender ungeeignet, gute Befruchter sind 'Bereczki' und 'Portugieser', anfällig für Penicillium-Fruchtfäule

'Turunchuskaya' (apfelförmig)

Herkunft: Ukraine
Blüte: früh
Reifezeit: mittel-früh
Baumertrag: 28,1 kg
Fruchtgewicht: 288,5 g
Sonstiges: mittelstarker Wuchs, gut lagerfähig, sehr intensiver angenehmer Geruch

'Ingenheimer Bombenquitte' (birnen- und apfelförmig)

Herkunft: wahrscheinlich Baden-Württemberg
Blüte: früh
Reifezeit: mittelfrüh
Baumertrag: 27,1 kg
Fruchtgewicht: 382 g
Sonstiges: Ähnlichkeit zu 'Vranja' sehr groß

'Bereczki' (birnenförmig)

Herkunft: 1883 in Ungarn aufgefunden
Blüte: mittel
Reifezeit: mittelspät
Baumertrag: 24,4 kg
Fruchtgewicht: 361,6 g
Sonstiges: Selbstfruchtbar, gute Befruchter für 'Champion' und 'Vranja'; Ungarische Auslese: 'Bereczki bötermö' ('Bereczki' Reichtragende), empfindlich für Winterfrost

'Cydopom' (apfelförmig)

Herkunft: Geisenheimer Züchtung von 1988, stammt von 'Vranja'
Blüte: früh
Reifezeit: mittelspät
Baumertrag: 21,4 kg
Fruchtgewicht: 352,8 g
Sonstiges: robust, lange haltbar, sehr intensiver Duft
In sehr guten Jahren, wie z. B. 2018 und mit Zusatzbewässerung können Quitten aber auch deutlich höhere Erträge bringen (siehe Abbildung 1 und 2).

Ein Säulendiagramm mit der durchschnittlicher Baumertrag von ausgewählten Quittensorten im Jahr 2018

Abbildung 1: Durchschnittlicher Baumertrag von ausgewählten Quittensorten im Jahr 2018 am Versuchsstandort Thüngersheim

Ein Säulendiagramm mit der durchschnittlicher Fruchtgewicht von ausgewählten Quittensorten im Jahr 2018

Abbildung 2: Durchschnittliches Fruchtgewicht von ausgewählten Quittensorten im Jahr 2018 am Versuchsstandort Thüngersheim

Verwendung

Historisch gesehen werden Quitten als Genuss- oder Lebensmittel erst seit dem Spätmittelalter angesehen. Von der Römerzeit bis ins Mittelalter galten Quitten als Heilmittel gegen verschiedenste Beschwerden und Krankheiten wie z. B. Entzündungen, Atemnot, Verdauungsbeschwerden, Speichelfluss, Gicht, Cholera, Haarausfall etc. Quittenkerne waren unter dem Namen "[i]Mucilago Cydoniae[/i]" in Apotheken erhältlich. Die Kerne wurden in Wasser aufgequollen und aus dem entstehenden Schleim Salben und andere Arznei hergestellt. Hippokrates hielt Quitten für „Heilzwecke nützlichste Frucht“. Erst im Spätmittelalter wurden Quitten zur häusliche Küchenverwertung verwendet, um Gemüse, Fleisch und Apfelsaft mehr Geschmack zu geben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es spürbar weniger Interesse an Quitten in Deutschland. Seit Anfang 21. Jahrhundert wird den gelben Früchten aber wieder mehr Aufmerksamkeit gegeben. So gibt es zahlreiche Verarbeitungsprodukte wie z. B.
  • Bionade
  • Schnaps, Likör, Wein, Secco
  • Beimischung zu Apfelsaft
  • Gelee
  • Quittenbrot
  • Chutney, Senf
  • Gastronomie
  • Alternativmedizin, Naturkosmetika
  • (Rohverzehr)
Auch als Ziergehölz ist der landschaftsprägende Baum in einigen Vorgärten zu finden.

Bezugsquellen (Beispiele)

  • Baumschule Ritthaler
  • Baumschule Herian
  • Reiserschnittgarten Weinsberg
  • Baumschule Krämer
  • Mustea
Wer sich mit dem Thema Quitten vertiefender beschäftigen möchte, dem ist das Buch „Die Quitte“ von Monika Schirmer zu empfehlen oder kann den Quittenlehrpfad im unterfränkischen Astheim besuchen.