Veranstaltungsbericht
Industriegemüsetag 2018

Ein Mitarbeiter arbeitet auf dem Gurkenfeld
Am 14. Januar 2019 trafen sich mehr als 110 Anbauer, Vertreter der Beratung, der Saatgut- und Verarbeitungsindustrie sowie Vertreter der Bayerischen Gartenbauzentren zum traditionellen Industriegemüsetag in Aiterhofen. Die Veranstaltung fand diesmal wieder als Bestandteil der Straubinger Vortragsreihe statt. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Gerd Sander, Leiter des Instituts für Erwerbs- und Freizeitgartenbau (IEF) der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim. Gerd Sander wies in seiner Eröffnungsrede auf die überregionale Bedeutung des Anbaugebietes Niederbayern hin, wo beispielsweise auf 1500 ha Einlegegurken angebaut werden, von denen mehr als die Hälfte exportiert werden, vorrangig nach Polen und Russland.

Vorstellung der Ergebnisse des Sortenversuches für Industrieweißkraut

Der Tag begann mit der Vorstellung der Ergebnisse des Sortenversuches für Weißkraut. Der Versuch wurde, wie auch der Einlegegurkenversuch, im Auftrag der LWG durch die Kollegen des Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Landshut - Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost geplant und betreut. Generell waren die Erträge aufgrund der extremen Trockenheit niedriger als in den Vorjahren, so die zuständige Bearbeiterin Daniela Gleißner vom AELF Landshut - Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost. Jedoch zeigten sich in bei der Trockensubstanz deutliche Sortenunterschiede. Die Sorten wurden nun schon im dritten Jahr im Labor auf Ascorbinsäure-Gehalte, Trockenmasse, Brix-Wert, Trockensubstanz und Nitratgehalt untersucht. Es zeigten sich auch dabei insbesondere bei den Ascorbinsäure-Werten deutliche Sortenunterschiede.

GPS-Flottenmanagement für Beregnung

Bewässerungsoptimierung ist für den Gemüseanbau aufgrund des Klimawandels ein unbedingtes Muss. Wasser ist zu einer reglementierten Ressource, insbesondere in den Sommermonaten geworden. Dr. Joachim Michel stellte den Raindancer vor. Er ist Projektentwickler bei der IT-Direkt Business Technologies GmbH in Berlin. Mit dem Raindancer kann die Beregnung mit Hilfe von Smartphone oder PC aus der Ferne überwacht und gesteuert werden. Mit dem nachrüstbaren GPS Modul und der zugehörigen App hat der Anbauer jederzeit und an jedem Ort sämtliche für eine Bewässerung nötige Informationen auf einen Blick. Bei Bedarf kann er mittels der App steuernd eingreifen.

Aktuelle Entwicklungen in der Erntetechnik im Gemüsebau

Um neueste Entwicklungen bei der Erntetautomatisierung ging es im Vortrag von Simon Deyerling und Danny Hofmann von der Grimme Landmaschinenfabrik GmbH & Co. KG aus Damme. Die vorgestellten Erntemaschinen für Möhren, Schnittlauch und Koriander wären ausschließlich Einzelanfertigungen. Vorgestellt wurde unter anderen auch ein für einen Kunden speziell entwickelter Kohlernter. Bei einem 10 Stunden Arbeitstag wären bei einer Fahrgeschwindigkeit von 3 bis 6 km/h eine maximale Erntemenge 180 Tonnen möglich, so die Referenten.

Praxisbeobachtungen

Winfried Bimek vom Erzeugerring Straubing ließ das vergangene Anbaujahr 2018 aus Sicht der Anbauberatung Revue passieren. Witterungsbedingt begann die Einlegegurkenernte schon am 5. Juni 2018. Das war zwei Wochen früher als gewöhnlich. Teilweise wären zu dem Zeitpunkt noch nicht die Tropfschläuche verlegt. Tropfschläuche sollten immer mit den Öffnungen nach oben verlegt werden, um Verstopfungen zu vermeiden, so Bimek. Trotz der extremen Trockenheit im Sommer kam es zu kalten Nächten im August. Dies führte zu Innenverbräunungen bei den Einlegegurken. Diese sind äußerlich nicht sichtbar und können zu Reklamationen durch die Verarbeiter führen.

Vorstellung der Ergebnisse des Sortenversuches für Einlegegurken

Florian Hageneder stellte die Ergebnisse einschließlich der sensorischen Prüfung des Einlegegurken-Sortenversuches vor. Geprüft wurden 10 Sorten in vierfacher Wiederholung. Standard war die Sorte 'Platina' von der Firma Nunhems. Mit 'RZ 12-46' war wieder eine glatte Sorte in der Prüfung. Diese erzielte den höchsten Frühertrag, zeigte aber im weiteren Saisonverlauf einen deutlichen Ertragsabfall.

Pflanzenschutz

Markus Göttl vom AELF Deggendorf - Fachzentrum Pflanzenbau begann seinen Vortrag „Pflanzenschutz aktuell“ mit einer allgemeinen Pflanzenschutzmittelübersicht und neues zum Anwenderschutz. Im weiteren Verlauf stellte Markus Göttl Versuchsergebnisse im Bereich Pflanzenschutz vor.

Mit moderner Technik ist etwas mehr möglich?

Dr. Markus Demmel wagte in seinen Vortrag „Landtechnik – Quo vadis” einen Blick in die Zukunft. Ausgehend vom momentanen Stand der Technik verwies er auf die zukünftigen Herausforderungen für die Landwirtschaft. Unter anderem würde Klimawandel, Zunahme der Weltbevölkerung und die Endlichkeit der fossilen Roh- und Brennstoffe zu einer Epoche der Verknappung führen. Lösung ist die Entwicklung der Technologien für eine nachhaltige Landwirtschaft, welche Wasser, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Energie effizient nutzt. Technologien sollten dabei gleichzeitig weniger arbeitsintensiv sein.

Spritze weg, Hacke dran - und jetzt?

Stefan Wanke ist Vertriebsleiter innerhalb des Unternehmens K.U.L.T. Kress Umweltschonende Landtechnik GmbH aus Vaihingen. Er ist ein Fachmann für ökologisches Unkrautmanagement mit und ohne Steuerelektronik. In seinen Vortrag stellte er verschiedene automatisierte Hacksysteme vor. Diese reichen von Kamera gesteuerten Anhängehacksystemen hin bis zu selbst fahrenden Hackrobotern. Vorteil dieser Systeme ist beispielsweise die Einsatzmöglichkeit unabhängig von der Tageszeit.

Alle Referenten zusammen mit den Organisatoren

Referenten und Organisatoren von links nach rechts: Angela Vaas, Oskar Kreß, Danny Hofmann, Simon Deyerling (verdeckt), Martin Schulz, Winfried Bimek, Florian Hageneder, Dr. Joachim Michel, Markus Göttl, Daniela Gleißner