Gartentipp
Spätfröste schädigen Obstgehölze
1. Juni 2020

Der milde Winter hat zu einer Verfrühung der Vegetation und somit auch der Obstblüte geführt. Zwei bis drei Wochen eher zeigten sich die Obstgehölze je nach Standort in voller Blütenpracht. „Mehrere Frost-Nächte zwischen Ende März und den Eisheiligen haben die Freude auf eine reiche Obsternte jedoch zunichte gemacht“, erklären die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.

Frühe Blüte und kalte Nächte

Die frühe Blüte hat den Freizeitgärtner und auch den Erwerbsobstbauern gefreut und die Bienen und Insekten fanden zeitig Nahrung. Doch der Klimawandel bewirkte in den letzten 10 Jahren verstärkt Nachtfröste zu dieser Zeit. Und so auch heuer: ab Ende März bis zu den Eisheiligen wurden mehrere Frostnächte gezählt, je nach Region bis zu minus sieben oder minus acht Grad. Diese Extremtemperaturen führten je nach Entwicklungsstand der Blütenknospen, Obstart und Standort zu zahlreichen Schäden. Die anfangs blühenden Pfirsich und Aprikosen sind fast komplett betroffen. Auch die noch knospigen Blüten konnten schon Schaden nehmen.

Hauptblüte besonders gefährdet

Bereits Mitte April standen Apfel, Birne, Zwetschge und Kirsche in voller Blüte. Der extrem warme Monat sorgte dafür, dass die Blühphase deutlich schneller vorüberzog. Für einen guten Fruchtbehang wirkt sich diese Witterung nachteilig aus: die Insekten kommen zum Bestäuben gar nicht mehr nach – so schnell ist die begehrte Obstblüte auch schon vorbei. Und in diesem Zeitraum sorgten mehrere Nächte mit Frösten für Unheil. Wenngleich die Natur vorsorgt, üppig Blüten anlegt und für einen durchschnittlichen Ertrag nur fünf bis zehn Prozent der Kernobst- bzw. 20 Prozent der Steinobstblüte ausreichen, sieht in diesem Jahr der bisherige Behang vielfach schwächer aus.

Weitere Ursachen für schlechte Ertragsaussichten

Kernobstbäume neigen zur Alternanz: Sie tragen in einem Jahr stark und im folgenden dann kaum. Im Ausfalljahr werden enorm viele Blüten für das kommende Frühjahr gebildet. War dies der Fall, kann sich 2020 noch relativ durchschnittlicher Ertrag einstellen. War jedoch bereits die Blüte 2020 schwach, konnte der Frost bis zum Totalausfall führen.
Alles in allem hängt der unterschiedliche Fruchtbehang stark von der Obstparzelle ab. In geschützten Gärten oder etwas höheren Lagen, die etwas später blühen, kann der Behang besser sein. Zehntelgrade können je nach Blütenzustand (knospig, halb- bzw. voll geöffnet) entscheidend sein, ob der Frost schädigen konnte.

Folgen der Frosteinwirkungen

Neben den Blüten konnten auch bereits die kleinen, erbsen- bis haselnussgroßen Jungfrüchte durch Frost geschädigt werden. Oft verkorken sie oder fallen ebenso stark ab wie die schlecht befruchteten und bereits von Schädlingen befallenen Exemplare. Bei vollem Behang wäre diese Ausdünnung ebenso zu verschmerzen wie der natürlich vorkommende Junifruchtfall, bei dem der Baum überzählige Früchte abwirft, die er nicht ernähren kann.
Bäume mit jetzt bereits schwachem Fruchtbesatz bilden verstärkt neue Triebe. Nicht benötigte, überzählige und nach innen wachsende Schösslinge werden jetzt ausgerissen. Das mag brutal klingen, hat aber Vorteile: schlafende Beiaugen werden ebenfalls entfernt. Außerdem verheilen Risswunden jetzt über den Sommer gut. Bis Mitte Juni können Sie Apfel- und Birnenbäume mit jetzt schon starkem Fruchtansatz ausdünnen. Dies lässt sich vor allem an Spalieren und kleinen Baumformen im Gegensatz zu großkronigen Obstbäumen gut durchführen. Dabei brechen Sie mehrere haselnussgroße Ansätze im Büschel bis auf eine, die schönste Frucht, vorsichtig aus. Mit Hilfe einer kleinen, spitzen Schere gelingt dies sicherer, denn beim Auszwicken von Hand kann das gesamte Fruchtbüschel abbrechen.

Beerenobst

Erdbeeren, Heidel-, Johannis- und Stachelbeeren konnten zum Glück durch nächtliche Vliesabdeckung in gefährdeten Nächten geschützt werden. Bei Tafeltrauben reichte die Nacht zum 12. Mai für die enormen Schäden aus. Triebe, die sich dann braun bis schwarz färbten, schlapp und verwelkt herunterhingen, weisen Totalausfälle auf. Derartig geschädigte Triebe dürfen Sie nicht komplett wegbrechen, denn aus den Beiaugen können sich neue blütenbesetzte Ruten entwickeln und noch für einen, meist verminderten Ertrag sorgen.